Kaum ist das neue Innenentwicklungsförderprogramm der Allianz Grabfeldgau in Kraft (seit 1. Februar), gibt es schon den ersten Antrag. Sabrina und Thomas Weidmann planen in Herbstadt den Neubau eines Wohnhauses mit Bürotrakt und Garage auf einem Grundstück, auf dem sich ein leer stehendes Haus befindet. Als Leiter des Allianz-Arbeitskreises Innenentwicklung freut es Bürgermeister Georg Rath besonders, dass in seiner Gemeinde das erste Projekt verwirklicht wird.

Am Rande des Innenorts liegt das 2.500 qm große Grundstück, auf dem sich früher ein typischer Dreiseithof befand, vermutlich erbaut um 1900. Die hinten liegende, baufällige Scheune wurde schon in früheren Jahren fast ganz abgebaut, die Ställe dienten als Werkstatt. Das Wohnhaus ist zwischenzeitlich mal renoviert worden, ist aber im jetzigen Zustand unbewohnbar. Das Anwesen hätte ganz früher seiner Uroma, Klara Weidmann, gehört, informierte Thomas Weidmann. Am Ende war es vermietet und wurde geerbt von Barbara Doser, Tochter des verstorbenen Theo Doser. "Als der Mieter ausgezogen war und das Haus leer stand, haben wir bei der Besitzerin angerufen und gefragt, ob sie verkaufen würde - sie hat zugestimmt", berichtete Sabrina Weidmann.

Genug Platz für Kinder

Jetzt plant das junge Ehepaar mit derzeitiger Wohnung in Sternberg, den Abriss der vorhandenen Gebäude und den Baubeginn Ende 2015. Höchst willkommen ist der Zuschuss der Gemeinde in Höhe von 25 Prozent der förderfähigen Summe. Er decke die Kosten für die Bauschuttentsorgung, vielleicht bleibe noch etwas übrig, meint der zukünftige Bauherr. Da Herbstadt noch ein Zwischenlager für recyclefähigen Bauschutt besitzt, ist die Entsorgung weniger kompliziert. Natürlich sei es einfacher, im Neubaugebiet zu bauen, ohne zuvor erst aufräumen zu müssen, meinte Sabrina Weidmann, aber die Lage des Grundstücks mit unverbaubarem Blick nach Westen in die Landschaft, auf Aubstadt und Gollmuthhausen, die Größe des Anwesens mit Bäumen und einem Brunnen bieten viel mehr Möglichkeiten. Sabrina stammt aus Hendungen, ist Kinderkrankenschwester und arbeitet in Schweinfurt, ihr Mann ist gebürtiger Herbstädter, hat den elterlichen Zimmererbetrieb in Herbstadt übernommen und ein Planungsbüro hinzugefügt. Langfristig werde Sabrina im Büro mithelfen, vor allem, wenn sich Kinder einstellen, teilte Thomas Weidmann mit. Vorsichtshalber haben die beiden drei Kinderzimmer eingeplant. Sollte sich innerhalb der ersten fünf Jahre nach Auszahlung der Fördersumme Nachwuchs einstellen, erhält die junge Familie noch einmal 1000 Euro pro Kind aus dem Fördertopf.

Einen interessanten Bauplan hat das Ehepaar erstellt, der sich an die Bebauung der Umgebung anpasst und trotzdem moderne Komponenten hat. Als Planer kann Thomas Weismann sein eigenes Haus entwerfen. In Holzrahmenbauweise soll es überwiegend entstehen, der obere Teil eventuell als Fachwerk. Innenwände werden wegen des guten Raumklimas aus Lehm hergestellt. Da der in der Nähe liegende Zimmereibetrieb mehr Strom braucht, der durch die hier noch vorhandenen Dachständer-Leitungen nicht transportiert werden kann, werden in einem Teil des Ortes die Dachständer abgebaut und die Leitungen in die Erde verlegt. Diese Maßnahme, die in Kürze von E-ON durchgeführt wird (zwischenzeitlich werden die Leitungen auf extra Holzständern geparkt), ist der erste Schritt zum Abriss.

Förderprogramm soll junge Familien locken

Alles fügt sich bestens zusammen, darüber freut sich auch Bürgermeister Georg Rath, denn jede junge Familie ist ein Gewinn für die Gemeinde. Dass die Leerstände in den kleineren Orten durch Fördermaßnahmen möglichst verhindert werden, ist für ihn ein wichtiges Anliegen. Das Förderprogramm wurde deshalb mit möglichst wenigen Auflagen versehen, um die Hemmschwelle niedrig zu halten. Einige Bedingungen werden gestellt, wie die Antragstellung vor Baubeginn und Alter und Lage des Anwesens, ansonsten bemüht man sich den Bauherren wenig Steine in den Weg zu legen. Das Ehepaar hat das fertige Projekt schon im Kopf: Ein schönes Haus mit zweckmäßigem Büro, ein neu aufgemauerter Brunnen liefert Wasser für den kleinen Kräuter- und Gemüsegarten, erhaltenswerte Bäume spenden Schatten, andere wurden durch neue Pflanzungen ersetzt, besonders auf der Obstbaumwiese neben dem Haus. Thomas Weidmann hat einen kurzen Weg zur Arbeit, abends erholt man sich im großen Wohnzimmer mit Panoramafenster. "Wir wohnen dann im Dorf und doch im Grünen - das ist ideal", fassen es die Bauherren zusammen.