Wenn ein örtlicher Gesangverein mit seinem Gemischten Chor zu einem Konzert einlädt, dann weiß man eigentlich, womit man rechnen kann (was natürlich nicht immer stimmt): mit einem Programm, das im Wesentlichen von Chorliedern der Romantik getragen wird, der Hochzeit des nichtliturgischen Chorgesangs - nicht nur, weil sie Emotionalität vermitteln, sondern auch, weil sich Chöre und Publikum gleichermaßen in dieser Musik zu Hause fühlen. Und so hieß auch das Herbstkonzert, zu dem der Gesangverein Garitz in den Max-Littmannsaal eingeladen hatte, nicht überraschend "Romantische deutsche Volkslieder für Gemischten Chor und Bläserensemble".

Und trotzdem war nicht alles, aber sehr viel vollkommen anders als sonst.

Das lag vor allem am ersten Teil, der Aspekte der romantischen Musik zeigte, die normalerweise nicht zu erfahren sind, weil sich niemand die Mühe macht, sie zu erarbeiten. "Geschichten und Geschichte erzählen" sei, so Vorsitzender Manfred Simon bei seiner Begrüßung, eine Absicht des Konzerts, Facetten der Verbindung von Musik und Natur in der Romantik zu zeigen. Und das gelang auf überraschende Weise.

Denn KS Guy Ramon, der Leiter des Garitzer Chores, hatte eine Verbindung gefunden, die ebenso selten wie intensiv und plausibel ist: Er hatte die Parforcehorngruppe des Bad Kissinger Jägervereins zur Mitwirkung eingeladen. Und so hatte er die Möglichkeit, zwei romantische Werke im Wechsel zu kombinieren, die vollkommen unterschiedlich sind, aber beide dasselbe wollten, nämlich Andacht erzeugen: Franz Schuberts Deutsche Messe D 872 für vierstimmigen Männerchor und Klavier sowie die Hubertusmesse für Parforcehörner - eine Verbindung von christlicher Liturgie und weltlicher Naturverklärung in der Musik.

Starke Emotionalität

So wurde Kontrast möglich: Auf der einen Seite der eher introvertierte, direkt an Gott gerichtete, betende Gesang des vierstimmigen Männerchores, der mit starker Emotionalität und Präsenz von allen Sängern und guten dynamischen Differenzierungen die Strophen sang, der mit einer guten Balance der vier Stimmen (Kompliment an die Tenöre) und klarer Artikulation für eine gute Durchhörbarkeit und gutes Textverständnis sorgte - was schon deshalb wichtig war, weil Schubert nicht den lateinischen oder deutschen Normtext verwendete, sondern eine Neufassung seines Zeitgenossen Johann Philipp Neumann. Und dieser Text kam sehr gut zur Geltung; nur bei den "Heilig!"-Rufen waren die "g" ein bisschen verschluckt. Dora Kalikhman bot dem Chor am Flügel ein stabiles rhythmisches und harmonisches Fundament.

Auf der anderen Seite die eher extrovertierte Parforcehornmusik der 15 Bläser und einer Bläserin, die den Begriff "Parforce" nicht nur auf die Jagd bezogen, sondern auch auf das Musizieren. Natürlich gab es auch verhaltenere Passagen, aber insgesamt war der Zugriff stark. Wenn Hornmeister Reiner Kloss (Schweinfurt) sein Kommando "Horn auf! Blast an!" von Seite verständlich geflüstert hatte (er spielte natürlich mit), entwickelte sich ein überraschendes klangliches und emotionales Spektrum. Allein schon der warme und trotzdem griffige Klang der Instrumente machte Freude, aber auch, wie beim Chor, die gute dynamische Differenzierung und Durchhörbarkeit. Und man konnte immer wieder staunen, wie virtuos diese so schlicht wirkenden Instrumente gespielt werden können wie etwa in der "Sortie de Messe".

Mut zur Platzwahl

Man kann den Kissinger Jagdhornbläsern eigentlich nur dankbar sein, dass sie den Mut hatten, in den Max-Littmann-Saal zu gehen. Denn sie kamen mit einer Musik, die eigentlich für Kirchen oder die freie Natur komponiert und besetzt wurde und damit durch Nachhall oder Offenheit alles ein bisschen glätten. In der gnadenlosen Akustik des Saales konnte man dagegen hören, wie schwierig das Jagdhornblasen ist, vor allem das Problem des präzisen Beginns. Aber das ist ganz normal. Denn wer einen ersten Ton produzieren will, muss erst einmal eine Luftsäule in dem bis zu vier Meter langen Rohr erzeugen, mit der sich dann musizieren lässt. Das bedeutet - natürlich - Differenzen. Wenn die steht, kann man sehr schnell merken, wie fabelhaft die Kissinger Gruppe ihr Mundwerk versteht.

Buntes Programm und bunte Klangfarben

Der erste Teil des Konzerts endete mit dem von (fast) allen Musikern und Besuchern gesungenen und geblasenen Lied "Großer Gott, wir loben dich". Der zweite Teil begann mit zwei Liedern für Gemischten Chor von Friedrich Silcher, "Im schönen Wiesengrunde" und "Ännchen von Tharau" - der Frauenchor war nach der Pause mit auf die Bühne gekommen. Das wurde ein buntes Programm mit Liedern, denen man anmerkte, dass sie zum kleinen Einmaleins des Chores gehören, aber trotzdem nichts an Frische verloren haben. Das lag auch daran, dass Guy Ramon die Strukturen ein bisschen aufgebrochen hatte, dass eine Strophe nur die Männer, eine andere nur die Frauen und eine dritte die Mezzosopranistin Larissa Desch sang. Und bei Mendelssohns "O Täler weit. O Höhen" oder "Des Jägers Abschied" bereicherten auch einige Hörner die Klangfarben. Larissa Desch war es auch, die drei Sololieder sang: von Johannes Brahms "Da unten im Tale", dem sie einen netten, leicht schelmischen Ton gab, und "All' mein' Gedanken, die ich hab'" mit einer schön strukturierten Klavierbegleitung von Dora Kalikhman. Richard Strauss" "Zueignung" war stabil gesungen, aber mit dem Strauss'schen Kunstliedton tun sich auch so manche muttersprachlichen Interpreten etwa schwer.

Zur weiteren Auflockerung trug Guy Ramon noch ein paar launige Gesichte von Heine, Fontane und Hesse vor. Der Schluss konnte nicht besser passen: Mit "Der Mond ist aufgegangen" endete der kurzweilige, interessante Konzertabend.