Seine Kinder hätten keinen Bezug zu Hammelburg - er dagegen umso mehr. Bevor Berthold Kegel 1960 nach Würzburg und später nach Veitshöchheim zog, hatte er in der Stadt gelebt, mehrere Jahre sogar in der Herrenmühle. Dem heutigen Museum bleibt er nun nicht nur ideell verbunden.

Kegel hat der Einrichtung eine kleine Bildersammlung geschenkt. Sie umfasst ein Aquarell und zwei Tuschezeichnungen. Das Aquarell zeigt eine heute nicht mehr existierende Stadtansicht: die Herrenmühle inmitten anderer Gebäude. Das Waschhaus, der Vorbau und der Schlachthof sind zu erkennen.

Ein Maler, der 1932 per Bahn in Hammelburg eintraf, verewigte die Szenerie. "Er malte das Bild für meine Mutter", erklärt Kegel. Für Museumsleiterin Elfriede Böck hat das Aquarell historischen Wert: "Das Bild schließt eine Lücke. Es fehlen Fotos oder Ansichten aus dieser Zeit."

Die zwei anderen Bilder des Konvoluts sind nicht minder von Bedeutung. Handelt es sich doch um zwei Werke des weit über Hammelburg hinaus bekannten Künstlers Robert Höfling. Sanfte Tuschestriche fangen einen Ausschnitt einer Altstadt ein. Vor zwei Gebäuden steht ein Stand, vielleicht Teil eines Weihnachtsmarkts. Ob die fast schon heimelig wirkende Ansicht ein reales Vorbild hat, lässt sich nicht sagen.

Das andere Bild ist stark konturiert: Scharfe Striche modellieren das Gesicht einer Bäuerin. Das Porträt erinnert fast schon an einen Holzschnitt, sagt Adina Rösch. Es ist aber wiederum eine Tusche-Zeichnung, die der Künstler aquarelliert hat. Rösch bescheinigt dem Porträt Qualität. "Es ist eine gute Studie", sagt die Projektmanagerin am Stadtmuseum, die sich beruflich schon viel mit Kunst befasst hat.

Die Signatur ordnet beide Werke eindeutig Höfling zu, wobei er seinen Namenszug erst nachträglich setzte. Vermutlich sind es frühe Arbeiten des Künstlers. "Höfling hat sich in seinem Stil immer wieder verändert", sagt Rösch. Für Böck belegen die Zeichnungen, dass er seine Technik beherrscht hat.

Die beiden Höflings stammen ursprünglich aus dem Besitz von Annie Schultheis. Schultheis, die während des Nationalsozialismus sehr für die lokale NS-Frauenorganisation hervortrat, wollte später ein Heimatmuseum einrichten. Dazu kam es aber nicht. Kegel sah die Bilder. "Ich wollte sie immer gerne", sagt er. Zu seiner Hochzeit im Jahr 1961 schenkte Schultheis sie ihm dann. Jetzt reicht Kegel dieses Geschenk weiter. Die Höflings werden im Herbst als Teil einer Sonderausstellung präsentiert.

Mit ihr wird das Museum in der Herrenmühle nach dem derzeitigen Umbau wiedereröffnet. Kegel wird das Stadtmuseum dann auf alle Fälle wieder besuchen. Schließlich lebte er von 1936 bis 1954 in der Herrenmühle. Die Familie wohnte im oberen Stockwerk des Gebäudes. "Es war eine schöne Jugend", sagt der 81-Jährige. Die Insel, die Saale, der Thulbakanal boten viel Spielmöglichkeiten.

Damals produzierte das E-Werk Happ in der Herrenmühle Strom. Sein Vater sei Geschäftsführer gewesen, sagt. Kegel. Er weiß noch, wo Turbine, Generatoren und andere Aggregate standen. Der Auspuff des Dieselmotors zog sich durch sein Zimmer, erzählt er. "Der Diesel wurde nur im Winter gestartet, um Spitzen auszugleichen."

Im Jahr 1962 wurde das private E-Werk an die Stadt verkauft. Es konnte die Elektrifizierung weiterer Stadtbereiche nicht mehr leisten. Die Technik wurde ausgebaut. Dass dem Gebäude später als Museum eine neue Funktion zugeordnet wurde, findet Kegel gut. Mit seiner Schenkung sorgt er dafür, dass ein Stück seiner eigenen Geschichte nicht verloren geht.