Alfons Hausmann, Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg, braucht einen Moment, bis er die entsprechende Statistik auf seinem Dienstrechner aufgerufen hat, dann sagt er: "Vom 1. Januar 2014 bis heute haben sich im gesamten Gemeindegebiet Euerdorf 26 schwerere Unfälle ereignet."

Einen Schwerpunkt kann Hausmann aus dieser Zahl nicht herauslesen. "Die Unfälle sind im gesamten Ortsbereich verteilt" und: "Es sind nicht übermäßig viele".

Um in der Statistik unter "schwerer Unfall" aufzutauchen, muss mindestens eine Person Verletzungen davon getragen haben - ob leicht oder schwer sagt die Statistik nicht, was sie jedoch sagt, ist, das zwei der 26 Unfälle tödlich endeten.


Zwei Fußgänger sterben

Als ein 23-Jähriger am frühen Morgen des 14. Juni 2014 die Bundesstraße 287 auf Höhe des Sportheims überqueren will, wird er von einem VW-Bus erfasst, mit dem ein Taxifahrer in Richtung Bad Kissingen unterwegs war. Der junge Mann aus Sulzthal wird über die Fahrbahn geschleudert, eine Stunde später verstirbt er im Krankenhaus.

Eineinhalb Jahre später, am 16. Januar 2016, um 17.35 Uhr, will in der Schweinfurter Straße in Euerdorf ein 83-jähriger Mann die Fahrbahn überqueren. Er wird von einem ortsauswärts fahrenden Wagen erfasst und auf die Fahrbahn geschleudert.Ein paar Tage später erliegt er seinen schweren Verletzungen.

"Solche Unfälle", sagt Alfons Hausmann "können überall passieren". Im Gemeindegebiet Euerdorf kann er jedenfalls keinen Unfallschwerpunkt erkennen. Jedenfalls nicht mehr: seit dem Neubau der Kreisverkehrs in Richtung Aura habe sich der bislang einzige Unfallschwerpunkt entschärfen lassen.

Möchte man heute noch einen Unfallschwerpunkt finden, muss man schon in Waldnähe unterwegs sein: Auf der Bundesstraße von Bad Kissingen kommend lasse sich zumindest eine "kleine" Unfallhäufung feststellen, sagt Hausmann und meint die Wildunfälle.

2014 gab es auf dieser Strecke neun Wildunfälle, 2015 waren es 20. "Eine nicht unerhebliche Steigerung", sagt Hausmann. Die folgende Erklärung ist recht naheliegend: steigende Wildpopulationen und der Verkehr, sagt Hausmann, ist auch nicht weniger geworden. Hinzu kommt die Saale auf der anderen Seite, die den Tieren als Trinkstätte sozusagen einen natürlichen Querungsanreiz bietet.


Aufgaben der Unfall-Kommission

Der tödliche Unfall in der Schweinfurter Straße im Januar, er markiert keinen Unfallschwerpunkt - dennoch wird er in der Statistik bleiben. In der Statistik, die Holger Bothe, Leiter des Staatlichen Bauamtes in Schweinfurt, am Ende des Jahres in der sogenannten Unfall-Kommission auf den Tisch legen wird. Die Unfall-Kommission ist ein Gremium, zusammengesetzt aus Vertretern des Bauamtes Schweinfurt, der Verkehrspolizei und des Landratsamtes.

Mindestens einmal im Jahr - besteht akuter Bedarf wäre theoretisch auch ein sofortiges Treffen möglich - kommen sie in dieser Runde zusammen , immer mit dem Ziel, die Unfälle mit Personenschäden, über die Zeitspanne der vergangenen drei Jahre hinweg, aufzuarbeiten und festzustellen, wo sich Unfälle häufen, wo mögliche Gefahrenschwerpunkte liegen. Einmal benannt wird nach Lösungen für die betroffenen Stellen gesucht.

Möglich wären: Geschwindigkeitsbeschränkungen, das Aufstellen besondere Gefahrenzeichen, häufigere Verkehrskontrollen oder tatsächliche Umbaumaßnahmen wie den Bau eines Kreisverkehrs oder einer Querungshilfe. Für Euerdorf ist derzeit jedenfalls nichts dergleichen angedacht.

Im Nachgang zu dem Unfall im Januar hatte sich noch ein Zeuge gemeldet, der bestätigt hatte, dass der Fahrer des Wagens, der den Fußgänger erfasst hatte, langsam unterwegs gewesen war.

Das Verfahren gegen den Fahrer ist noch nicht abgeschlossen, Alfons Hausmann möchte den Ermittlungen nicht vorgreifen, sagt aber: "Bei Dunkelheit, bei Schneefall, wenn die Person dunkel gekleidet ist - es ist nicht einfach, festzustellen, ob der Fahrer den Fußgänger hätte erkennen können oder nicht." Von der Antwort auf diese Frage hängt das Strafmaß ab.