Jannik Nöth aus Wasserlosen freut sich: "Hauptsache, die gute Stimmung ist da", sagt der Mitarbeiter der Lebenshilfe mit Blick auf den Weihnachtsbaum aus Fichtenstangen und Metall auf dem Viehmarkt. Jannik Nöth gehört zur "Grünen Gruppe", also den Gärtnern der Lebenshilfe-Werkstatt Hammelburg. Vor der Pandemie hat er schon öfter mitgeholfen, das sieben Meter hohe Gestell aufzubauen. Damals war es immer der Mittelpunkt des traditionsreichen Altstadtadvents auf dem Hammelburger Viehmarkt. Der fällt nun wegen Corona bereits zum zweiten Mal in Folge aus. "Wir wollen trotz Corona den Hammelburgern einen Weihnachtsgruß senden", begründet Werkstattleiter Thomas Porkristl die Aktion seiner Grünen Gruppe.

"Es ist halt schade, dass es keinen Stand mit Glühwein oder Punsch gibt", bedauert Jannik Nöth, während er mit seinen Kollegen Jeremy Stürmer aus Schwebenried und Daniel Hermann aus Detter eine Holzstange nach der anderen an das Gestell schraubt. "Es ist ein bisschen langweilig, dass wir das ohne Besucher machen", bedauert auch Daniel Hermann. Allerdings haben sich einige Mitglieder der Grünen Gruppe vorgenommen, mit ihrer Familie mal nach Hammelburg zu fahren und sich den Baum anzusehen, auch wenn es keinen Altstadtadvent gibt in diesem Jahr.

"Wir sind von vielen Menschen angesprochen worden, ob wir heuer etwas machen", berichtet Werkstattleiter Porkristl. Ohne Corona hätte es selbstverständlich wieder einen Stand der Lebenshilfe gegeben. "Wir wollen ja immer in Hammelburg Präsenz zeigen." Eigentlich habe er bereits im vergangenen Jahr die Idee gehabt, einen Baum mit Münz-Automat für eine Beleuchtung aufzubauen, aber: "Damals war alles so konfus, Krankheitsfälle, drohende Kurzarbeit, wirtschaftliche Unsicherheit, deshalb hatten wir alle keinen Nerv dazu."

Impfquote höher als bundesweit

Rund 200 Menschen mit Behinderung arbeiten in der Hammelburger Lebenshilfe-Werkstatt, hinzu kommen rund 50 Mitarbeiter zur Betreuung. "Die Impfquote liegt bei uns über 90 Prozent, die Menschen mit Behinderung tragen zu einer hohen Impfquote bei", berichtet Werkstattleiter Thomas Porkristl. Zwar gebe es auch aktuell einige Fälle im Betrieb, aber die Lage sei überschaubar. Porkristl ist zudem froh, dass die Lebenshilfe bislang komplett ohne Kurzarbeit durch die Pandemie kam.

Die Idee des beleuchteten Baumgestells auf dem Viehmarkt sei auf Anhieb bei der Stadt gut angekommen. Für den Aufbau stellte die Stadt sogar den Hubsteiger zur Verfügung, mit dem bereits die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt montiert wurde. Auch den Strom steuert die Kommune bei.

Am Montag ging der Aufbau los, am Dienstag folgten dann noch Lichter und Elektrik, am Mittwoch schließlich der Schmuck mit bunten Kugeln. "Wir haben uns überlegt, dass der Baum leuchtet, wenn man eine Münze einwirft", kündigt Thomas Porkristl an. Vorbild seien größere Krippen. "Ich denke, das ist vor allem etwas für Familien mit Kindern", sagt der Werkstattleiter, und: "Da leuchten doch Kinderaugen, wenn sie den Baum zum Leuchten bringen können." Wie in den Jahren vor der Pandemie soll der Baum bis Drei König stehen bleiben.

Baum mit Sitzbank vom Erlös

Und auch für den hoffentlich reichlichen Erlös hat Porkristl schon eine Idee: Die Lebenshilfe baut aktuell die Werkstatt in der Berliner Straße komplett um. An der Stelle, an der aktuell noch ein Kran steht, soll vom Erlös der Weihnachtsaktion ein Baum mit Bank drumherum gepflanzt werden.