Peter Bethäuser vom "Circus Luna" ist frustriert: "Wir treten auf der Stelle und drehen uns dabei noch im Kreis", fasst er die aktuelle Lage des Kinder- und Jugendzirkus' zusammen. Seit Monaten versuche er alles, um an Einnahmen zu kommen, aber seit den Camps in den Sommerferien sind auch die letzten Strohhalme abgeknickt. Immerhin bekomme er aktuell eine Förderung nach der bayerischen Spielstättenförderung. "Das hat Söder im Alleingang eingeführt", lobt Bethäuser den bayerischen Ministerpräsidenten.

1180 Euro erhalte die Familie pro Monat als Überbrückungshilfe, zusätzlich reiche er Betriebskosten ein. Alleine die Versicherungen gegen Brand, Sturm, Diebstahl sowie die Haftpflicht für Teilnehmer und Betreuer kosten im Jahr rund 5000 Euro, berichtet Bethäuser. Hinzu kommen Fixkosten für Fahrzeuge, Heizung und Strom. Zu allem Überfluss war das jahrzehntealte Abwasser-Hebewerk im Herbst defekt.

Viele aufmunternde Kommentare

Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die Online-Petition für den Zirkus: 10 899 Unterschriften kamen zusammen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass das, was Kinder und Jugendliche an Erfahrungen im Circus Luna sammeln können, einzigartig, unersetzbar und wertvoll ist", schreibt eine Unterstützerin aus Würzburg. "Es wäre ein großer Verlust, wenn es die Zirkusprojekte nicht mehr gäbe", warnt eine Lehrerin. Und eine Mutter aus Aura ergänzt: "Die Kinder und ich verdanken Circus Luna viel."

Die große Frage ist, wie es nun weitergeht mit den fast 11 000 Unterschriften, denn: Für den kleinen Kinder- und Jugend-Zirkus in Langendorf scheint sich niemand zuständig zu fühlen. Der Landkreis habe auf Bezirk und Staatsregierung verwiesen, das Sozialministerium wiederum habe den Zirkus als örtliche Einrichtung eingestuft. Dieser Widerspruch sei bis heute nicht aufgelöst.

Weiteres Problem: In Deutschland gelten Zirkusse als Gewerbebetriebe, in vielen Förder-Richtlinie komme die Zirkus-Pädagogik einfach nicht vor. Kaum noch Hoffnung hat Bethäuser, dass er Fördergelder im Bereich Jugendarbeit erhält. Dafür seien die bestehenden Einrichtungen zu stark in den Jugendringen auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene vertreten. "Die müssten von ihrem Kuchen ja etwas abgeben, um mir zu helfen", beschreibt Bethäuser das Dilemma.

Also hofft er auf Zuschüsse als kulturelle Einrichtung. Allerdings gebe es auch hier einen Streit um die Zuständigkeit. Der Landkreis und die Gemeinde zum Beispiel würden darauf verweisen, dass die meisten Gäste ja von außerhalb kommen. Für Peter Bethäuser ist das ein "absurder Grund", schließlich würden andere Projekte wie der "Kissinger Sommer" ja gerade deshalb bezuschusst, weil sie Gäste von außerhalb anlocken. "Im Grunde könnten sich der Landkreis und die Allianz Fränkisches Saaletal mit uns schmücken", sagt Bethäuser resigniert.

Sowohl bei den Feriencamps, als auch bei den Schul-Projekten kommt seit Jahren rund die Hälfte der Teilnehmer aus dem Landkreis Bad Kissingen. Im vergangenen Jahr zum Beispiel besuchten 436 Kinder die Sommer-Camps, davon 356 aus Unterfranken und davon wiederum 183 aus dem Landkreis Bad Kissingen. Eine ähnliche Struktur hat Bethäuser auch bei der Petition errechnet: Mehr als zwei Drittel der Online-Unterschriften kamen aus Unterfranken, etwa die Hälfte davon aus dem Landkreis Bad Kissingen, weitere Schwerpunkte sind Würzburg, Schweinfurt und der Landkreis Main-Spessart. "Wir sind also sicher eine kulturelle Bildungsstätte für ganz Unterfranken", folgert Bethäuser daraus.

Schulen halten sich mit Buchungen zurück

Trotzdem ist er sich noch nicht sicher, wem er das Ergebnis der Petition nun übergeben soll und ob es etwas bringt: Bei einigen Mandatsträgern sei er bereits abgeblitzt. "Ich bin unsicher, wo wir ansetzen können", sagt Bethäuser. Immerhin habe ihm der Bezirk Hoffnung gemacht, dass er für zwei kleinere Projekte Zuschüsse bekommen könnte.

Aber es fehle nach wie vor die Perspektive, wenn die Spielstätten-Förderung wegfalle: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie es nach dem Shutdown weitergehen soll", sagt der Zirkus-Pädagoge. Schul-Projekte seien bis zum Ende des Schuljahres nahezu ausgeschlossen: Das Kultusministerium verweise darauf, dass bereits zu viel Unterricht ausgefallen ist, Lehrer und Schulleitungen würden vermutlich noch viele Monate jedes Ansteckungsrisiko vermeiden.

Umso wichtiger ist Peter Bethäuser, dass er aktuell Sommer-Camps plant. Die Einnahmen daraus seien ihm zwar im vergangenen Jahr wieder von den Zuschüssen abgezogen worden, aber: "Wenn wir ein Jahr pausieren, verlieren wir unsere Partner und viele Teilnehmer", befürchtet Bethäuser. Seine Erfahrung: "Wenn ein Kind mal ein Jahr ausgesetzt hat, hört es meistens ganz auf." Wirtschaftlich hat Bethäuser das Jahr 2021 sowieso bereits abgeschrieben: "Wir müssen nur durchhalten, damit die Kontakte nicht abreißen und es 2022 weiter geht", lautet seine Devise.