Unzählige Urkunden hat Jens Martin im Staatsarchiv Würzburg durchforstet, um die Spuren der Edelfreien von Trimberg zu verfolgen. Das spannende Ergebnis dieser Recherche präsentierte er bei einer Veranstaltung des CSU-Arbeitskreises Schule, Bildung, Sport, (AKS) unter Leitung von Edmund Wilhelm.
Gozwin I. von Trimberg ist der erste der Adeligen, der in einer Urkunde von 1136 genannt wird. Wann oberhalb der heutigen Burg eine burgähnliche Anlage errichtet wurde, darüber schweigen die Quellen allerdings. Die Trimberger wurden von mehreren Seiten unter Druck gesetzt. Im Osten waren es die Henneberger, im Süden der Bischof von Würzburg, und auch der Bischof von Bamberg hatte im Saaletal Besitz, den er erweitern wollte.
Die Edelfreien von Trimberg gaben schließlich nach und überließen dem Bischof von Würzburg ihren Besitz. Dieser reichte im Norden bis Heustreu über Bad Neustadt hinaus, im Osten bis Grafenrheinfeld, im Süden alle Orte entlang der Wern, im Westen bis zur Karlsburg bei Karlstadt. Es waren etwa 40 Dörfer und Hofstellen - Kulturboden, Bauernland seit der Besiedlung, Landnahme und Durchdringung durch die Franken ab dem 7. Jahrhundert.
Zunächst trat das Hochstift als Lehensgeber gegenüber den Trimbergern auf. Damit waren sie in der Obhut des Bischofs. Nächster Schritt war die Schenkung unter dem Trimberger Konrad III. im Jahre 1279 an das Hochstift Würzburg. Vermutlich war dies religiös motiviert. Trennung von Besitz um des Seelenheiles willen war damals kein Einzelfall. Mit dem Verzicht Konrads endete die Herrschaft im Saalegau und weit darüber hinaus. Tausende Bauern wurden Untertanen des Bischofs.

In Wetterau angesiedelt

Die neue Generation der Trimberger siedelte sich in der östlichen Wetterau an. Verwandtschaftliche Beziehungen in diesen Raum gab es bereits durch die Frauen der Trimberger. Durch Heirat der männlichen Trimberger in gut situierte Adelsgeschlechter in der Wetterau machten sie ihr Glück.
Die Edelfreien von Trimberg tauchen in Urkunden auf, die auf neuen Besitz und Herrschaft im Raum Büdingen-Gelnhausen- Schotten hinweisen. Ein Konrad V. von Trimberg erscheint als Graf von Trimberg und ist Mitstifter der heute noch genutzten gotischen Liebfrauenkirche in Schotten im Vogelsbergkreis südlich von Gießen. In dieser Kirche ist auch eine Abbildung von Konrad V. zu sehen, sie ist die einzige überhaupt eines adeligen Trimbergers. Er fand durch Heirat sein Glück fernab der Burg seiner Väter und gelangte zu Herrschaft und Besitz in der Wetterau.
Der neue Lebensraum war der angestammten Heimat wirtschaftlich, politisch und kulturell weit überlegen. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation der Trimberger verbesserte sich hier zunächst deutlich. Sie waren jetzt den Zentren des Reiches näher. Hierzu zählten die Kaiserpfalzen, zum Beispiel Gelnhausen, die Städte am Rhein, Aachen, Frankfurt und Mainz. Die Verkehrsanbindung eröffnete bessere Möglichkeiten zur Entfaltung und Repräsentation als der Saalegau.
Im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts sind die Trimberger aber auch in der Wetterau nicht mehr nachweisbar und offenkundig ausgestorben. Die ohnehin spärlichen schriftlichen Quellen versiegen.

Ein bewegender Moment

Es war für die Teilnehmer des Abends ein bewegender Moment, die Fotokopie einer großformatigen Urkunde vom 27. September 1328 in Händen zu halten. Diese dokumentiert, dass Kaiser Ludwig IV. der Baier, Konrad V. von Trimberg zum Ritter schlug und ihn mit umfänglichem Besitz belehnte. Konrad gehörte zur Begleitmannschaft des Königs auf seinem Italienfeldzug und hat sich offensichtlich bewährt.
Was passierte mit der Trimburg? Die Herrschaft der Bischöfe von Würzburg und ihrer Vögte zog eine lange Phase der Verödung nach sich, weil für die Vögte die Verwaltung des Amtes Trimberg von Elfershausen aus viel bequemer zu bewerkstelligen war. Erst mit dem Besuch der Kurgäste aus Kissingen ab Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts erwachte die Burg aus ihrem Dornröschenschlaf. 1833 verbot König Ludwig I. von Bayern, die Burg als Steinbruch zu benutzen. Neues konnte beginnen und auf der mittelalterlichen Ruine einziehen.
Jens Martin wurde für seinen exzellenten Vortrag mit reichlich Beifall bedacht, auch Edmund Wilhelm dankte ihm. Dieter Galm