Vor dem Haus ist noch Baustelle, aber hinter dem Haus im Altort von Obereschenbach und direkt neben der Kirche hat sich Familie Nickel ein kleines Garten-Paradies erschaffen: Die Mischung aus Nutz- und Zierpflanzen macht Manfred Nickel viel Freude und schafft Ausgleich. "Als wir gebaut haben, bin ich gefragt worden, ob wir nicht in den Gartenbauverein eintreten wollen", erinnert sich Nickel an seinen ersten Kontakt mit dem örtlichen Gartenbauverein. 2009 wurde er Mitglied und auch gleich zum Kassier gewählt. Was ihm damals fehlte, war ein fachlicher Input. Also machte er kurzerhand einfach selbst eine Ausbildung zum Gartenpfleger und schult nun andere.

Erster Kurs zum Thema Baumschnitt

Manfred Nickel stammt aus Obereschenbach, Eltern und Großeltern hatten einen kleinen Bauernhof, vieles habe er bereits als Kind miterlebt. Trotzdem: "Ich wollte einfach wissen, wie man manches im Garten richtig macht", sagt der 56-Jährige. Schließlich würden sich viele Dinge auch ändern: Heute forste niemand mehr mit Fichten auf, im Garten seien Themen wie der sparsame Umgang mit Wasser wegen des Klimawandels wichtiger.

Also belegte er vor Jahren seinen ersten Kurs an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Zu viert informierten sich Gartenbauer aus Obereschenbach damals über den richtigen Schnitt von Obstbäumen. "Das hat mir gut gefallen", erinnert sich der gelernte Schreiner, der bis zu seiner Pensionierung als Ausbilder auf dem Lagerberg arbeitete.

Also erkundigte er sich über die dreistufige Ausbildung zum Gartenpfleger. "Die Lehrgänge sind kostenfrei, die Teilnehmer zahlen aber Fahrt, Verpflegung und Übernachtung selbst", berichtet Nickel. Die Ausbildung sei sehr gut, zu den Referenten zählten Autoren von Fachbüchern. Nickel meldet sich über den Ortsverein Obereschenbach an. In den Jahren 2018 und 2019 besuchte er mehrere Wochenendkurse, meistens an der LWG Veitshöchheim, allerdings seien die Spezialkurse über ganz Bayern verteilt.

Die Kurse schloss Nickel noch vor der Corona-Pandemie ab, die Prüfung mit Fragen aus zehn unterschiedlichen Bereichen, von Pflanzenkunde über Obst- und Gemüseanbau bis zur Gartengestaltung, fand dann nach dem ersten Lockdown 2020 in Veitshöchheim statt. Für die theoretische Prüfung musste Nickel eine Auswahl aus insgesamt 500 Fragen beantworten. Bei einer praktischen Prüfung kommen Fragen zum Beispiel nach Pflanzen- und Insektenarten oder Allgemeinwissen rund um den Garten.

Zum Abschluss muss jeder Teilnehmer eine Präsentation zu einem Spezialgebiet halten. "Da hat mir natürlich meine Erfahrung aus 30 Jahren Ausbildung geholfen", sagt der ehemalige Soldat. Er habe einen Vortrag mit Videos rund ums Thema Mähen mit der Sense vorbereitet. "Da ist vieles in Vergessenheit geraten", möchte Nickel das Mähen per Hand wieder neu beleben. "Das ist fast wie Meditation", schwärmt er vom stillen Mähen mit einer Handsense, wenn am Morgen das Gras noch feucht ist. Im Gegensatz zur lauten Motorsense sei die Handsense eine echte Naturerfahrung: Die Vögel zwitschern, niemand werde belästigt. Außerdem würden Motorsensen zahlreiche Insekten töten, die Handsense mähe das Gras viel verträglicher.

Nur rund 20 Gartenpfleger aus ganz Bayern schlossen im vergangenen Jahr ihre Ausbildung zum Gartenpfleger in Veitshöchheim ab. Manfred Nickel war der einzige aus dem Landkreis Bad Kissingen. Wegen der Pandemie konnte er nicht gleich als Referent loslegen: "Wir sind halt ins Corona-Loch gefallen, ich konnte leider nicht so starten, wie ich das gedacht hatte", sagt Nickel. Eigentlich sei es so gedacht, dass er nun sein Wissen mit Ortsvereinen in Unter- und Oberfranken teile. Vorsitzende können Manfred Nickel über die Referentensuche der Seite des Landesverbandes (www.gartenbauvereine.org) buchen.

Mit der erfolgreichen Prüfung ende die Ausbildung aber nicht: Manfred Nickel plant, weitere Spezialkurse zu besuchen, um weitere Kurse anbieten zu können. Zudem hat er viele Ideen. Im Ortsverein Obereschenbach mit seinen 92 Mitgliedern würde er zum Beispiel gerne einen Stammtisch in Privat-Gärten anbieten. "Gärten liegen im Trend, viele machen es sich daheim schön", sagt der 56-Jährige. Der Austausch, was in den Beeten gut gedeihe und was nicht ins örtliche Klima passe, gebe neue Anregungen. Auch viele junge Leute würden so wieder mehr Zugang zu mehr Grün rund ums Haus finden. Das sei allemal besser als große Steingärten. Vielleicht könnten auch kleine Tage der offenen Gartentür etabliert werden, bei dem sich Hobby-Gärtner treffen, austauschen und verkosten, was sie an Marmeladen oder Säften selbst hergestellt haben.