Den unterfränkischen Inklusionspreis für Bildung und Erziehung haben die Volkshochschulen (Vhs) Hammelburg und Bad Kissingen erstmals entgegen genommen. Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel überreichte die Auszeichnung im Sitzungssaal im Kellereischlosses.

Diese Würdigung, verbunden mit einem Preisgeld von 2 500 Euro, galt dem Einsatz für die "deutsche Gebärdensprache in Zeiten von Corona". Dafür hatten sich die Kooperationspartner mächtig ins Zeug gelegt und den selbst gehörlosen Oswald Friedrich für den dreiteiligen Kurs in deutscher Gebärdensprache engagiert.

Unter schwierigen Corona-Bedingungen

Bürgermeister Armin Warmuth begrüßte neben dem Bezirkstagspräsidenten die beteiligten Akteurinnen, Behindertenbeauftragte und Kursteilnehmer sowie Michael Balk, Leiter der Vhs Bad Kissingen und Hammelburg, und Claudia Beyrle, Geschäftsführerin der Vhs Hammelburg. Sie führte aus, dass der Kurs Gebärdensprache an den heimischen Volkshochschulen schon früher präsent war, doch wieder eingeschlafen war. Beyrle nahm ihn wieder ins Programm auf, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Wieder begonnen in der Ära "Maskenpflicht" und zunächst abgesegnet vom Gesundheitsamt währte dieser Status jedoch nicht lange. Die steigenden Inzidenzzahlen unterbanden Präsenzveranstaltungen und es blieb kein anderer Weg als Online-Konferenzen. "Die Kursteilnehmer bissen sich durch", so Beyrle. Doch als endlich wieder Präsenz erlaubt war stand die Geschäftsführerin vor dem Kuriosum, dass einige Teilnehmer online weitermachen wollten. Eine Lösung fand sich im Hybrid-Unterricht - also einige Teilnehmer in Präsenz und einige weiterhin online.

In die Bevölkerung tragen

Ziel ist es die Gebärdensprache über Kursteilnehmer in die Bevölkerung zu tragen. "Denn die Gebärdensprache ist eine lebendige, herzliche Sprache. Sie soll Gehörlosen Brücken bauen und sich gegenseitig die Welt öffnen", macht Beyrle deutlich. Wie dies erfolgen kann zeigten mehrere Demonstrations-Beispiele mit Betroffenen und Kursteilnehmern. So trugen die Kursteilnehmer Katja Körpert, Michaela Maack und Christina Scheit unter Dirigat von Claudia Abt ein Lied vor, das vom CD-Player gespieltund in Gebärdensprache präsentiert wurde.

Bezirkstagspräsident Dotzel zeigte sich von den Präsentationen beeindruckt, die "tief in die Inklusion hineinreichen". Die Sprache sei ein zentraler Aspekt menschlichen Wesens. "Was aber wenn die Stimme oder das Ohr versagt. Wie ist es wenn man taub oder stumm ist?", fragte er in der Überzeugung, dass sich ein Hörender oder Sprechender schwer tut sich solches vorzustellen.

"Mit der Sprache drücken wir unsere Gefühle und Gedanken aus. Wer also nicht sprechen oder nicht hören kann, der ist der auf die Gebärdensprache angewiesen. Deshalb ist es naheliegend die VHS Hammelburg für ihren Einsatz zur Gebärdensprache in Corona-Zeiten mit dem Inklusionspreis in der Kategorie Bildung und Erziehung auszeichnen. Die VHS Hammelburg sorgt seit März vorigen Jahres für die Verbreitung der Gebärdensprache um der Isolation Nichthörender entgegenzuwirken.

So wird das Preisgeld investiert

Von der erworbenen Kompetenz profitieren auch Schulen, Kindergärten, Hospiz-Vereine sowie Angehörige und Freunde der Nichthörenden", begründete der Bezirkstagobere. Das Preisgeld soll unter anderem in Ausstattungsverbesserung der Unterrichtsräume fließen und weitere Kurse im Bereich Inklusion und Gebärdensprache ermöglichen. "Die Jury war jedenfalls begeistert von diesem Engagement und der Durchsetzungsfreude, die einmal mehr belegt, dass das menschliche Miteinander keine großen Worte braucht sondern häufig kleine Gesten genügen.

Mit dem Inklusionspreis will der Bezirk Projekte oder Angebote auszeichnen, die die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung nachhaltig und konkret verbessern oder einen spürbaren Beitrag zur Teilhabe in der Gesellschaft leisten", führte Dotzel aus.

Bürgermeister Warmuth war "stolz auf diesen Preis - zumal Pandemie-Einschränkungen das Unterfangen schwierig gestalteten". Sein Dank galt der Volkshochschule für die erbrachten Leistungen. Auch die Bezirks- Behindertenbeauftragten, Karin Renner und Christina Feiler, dankten mit den Worten: "Wir wurden heute in neue Welt geführt. Es war wichtig für uns zu wissen, dass es so etwas auch in unserer Heimat gibt."