Bei ihrem Auftritt übertrafen die russischen Sänger alle Erwartungen, die sie nach dem kurzfristig zustande gekommenen Auftritt bei einem Gottesdienst im Vorjahr geweckt hatten. Russisch-orthodoxe Kirchenlieder im ersten und russische Volkslieder im zweiten Teil des Konzerts standen auf dem einstündigen Programm.

Von Anfang an nahm das Ensemble die etwa 80 Zuhörer in seinen Bann und entführte musikalisch in die geistliche Literatur der russischen Seele. Der betörende Klang der klaren Stimmen, die auch im Piano satte Töne von den Kirchenmauern zurückschallen ließen, verzauberte das Publikum. Beeindruckend auch enge Harmonien, die sauber intoniert den Eindruck einer besonderen Leichtigkeit des Gesangs erzeugten.

Erstaunlich breit besetzt sind die Stimmlagen dieser vier Sänger. Vom tiefen Bass bis zu leicht erreichten Höhen des Counter-tenors liefert das Ensemble eine Bandbreite und ein Können, das seinesgleichen sucht. Neben den kirchlichen Gesängen interpretierte "Vivat" Scherzlieder über ungehorsame Ehefrauen und sehnsuchtsvolle Weisen über die weite Steppe.

Der absolute Höhepunkt gelang mit "Glöcklein klingen" und einem herausragenden Solo des Countertenors, das etliche Zuhörer zu Tränen rührte. Und hätten sie über Sand im Getriebe oder ein Reiskorn in Japan gesungen, hätte man ihnen genauso gerne noch viel länger zugehört.

Stehender, langanhaltender Applaus und gut gefüllte Spendenkörbchen waren der verdiente Lohn für das Ensemble. Der Erlös des Abends geht nach Abzug der Unkosten an die Intensivstation des städtischen Kinderkrankenhauses "Sankt Nikolaja Tschudotvorza" in Sankt Petersburg.