Insgesamt investiert die Stadt Hammelburg aktuell rund 400 000 Euro in die Digitalisierung ihrer Grund- und ihrer Mittelschule. "Ich kenne keine andere Kommune, die dieses Thema so schnell vorangetrieben hat wie die Stadt Hammelburg", betont Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). Möglich ist das durch mehrere Förderprogramme im Rahmen des Digital-Pakts Schule, bei dem bis zu 90 Prozent der Anschaffungskosten als Zuschuss gezahlt werden, die Kosten für Schüler-Leihgeräte werden sogar komplett übernommen.

Im Dezember 2019 hatte die Stadt für die beiden Schulen Computer und Zubehör im Wert von rund 75 000 Euro angeschafft. Über das "Digital-Budget 2018" wurden damals rund 65 000 als Zuschuss erstattet. Im Juli 2020 stimmte der Stadtrat dem Kauf von 50 Laptops mit Zubehör als Leihgeräte für Schüler zu. Rund 38 900 Euro bewilligte der Stadtrat. Im Oktober wurde das Förderprogramm für Leihgeräte erhöht. Eine Abfrage des Bedarfs bei beiden Schulleitungen ergab, dass jeweils 15 weitere Geräte für den Fall eines weiteren Lockdowns benötigt werden. Der Stadtrat gab in seiner jüngsten Sitzung einstimmig rund 16 800 Euro frei. Das ist die Summe, die die Regierung von Unterfranken bewilligt hatte.

Von Beamern bis Tablets

"Im Moment überschlagen sich die Förderprogramme im Bereich Digitalisierung an Schulen", berichtete Kämmerin Jennifer Triest. Ein Problem sei, dass auch die Auftragsbücher von Beratungsfirmen prall gefüllt sind. "Wir haben unser Best-Mögliches getan", versicherte die Kämmerin, personell sei vor allem die Ausschreibung der neuen IT-Grundausstattung nicht schneller möglich gewesen. Der Bewilligungsbescheid der Regierung von Unterfranken belaufe sich auf rund 275 000 Euro.

Die Anschaffung der Rechner, Bildschirme, Tablets, Beamer, Drucker und Dokumentenkameras müsse EU-weit ausgeschrieben werden. Den entsprechenden Auftrag erteilte der Hauptausschuss der Firma "Poscimur". Alleine für die Grundschule sind rund hundert Einzel-Geräte im Wert von 96 000 Euro veranschlagt, für die Mittelschule kommen weitere 230 Geräte für 134 000 Euro dazu. Mit ausgeschrieben werden Inbetriebnahme und Wartung für fünf Jahre. Laut Kämmerin wird die Ausschreibung spätestens am 12. Januar veröffentlicht. Die Vergabe folge im Februar. Soweit Computer und Wlan-Komponenten verfügbar sind, hofft die Stadt auf Lieferung im März.

Stadträtin Monika Horcher (Grüne), die gleichzeitig in der Mittelschule für den Datenschutz zuständig ist, freute sich über die Vergabe, verwies jedoch darauf, dass die Schule ihren Medien-Plan bereits 2018 vorgelegt habe. "Wir wurden immer wieder vertröstet", bedauert sie. Das habe auch dazu geführt, dass auf Kosten der Stadt Ersatzteile oder sogar Ersatzgeräte gekauft wurden.

"Im Moment gibt es noch keinen Bedarf bei uns", fasst Rektorin Ingeborg Hoffmann die aktuelle Nachfrage nach Leihgeräten an der Mittelschule zusammen. Das liege vor allem daran, dass nur insgesamt vier Klassen am Wechselunterricht teilnehmen. Die Staatsregierung hat ab gestern nur einen Teil der Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe ins Home-Schooling geschickt, wobei die Abschluss-Klassen ausgenommen sind. An der Mittelschule bedeutet das konkret, dass die drei 8. Klassen und der M-Zug der 9. Klasse jeden zweiten Tag von daheim aus lernen.

Weiteres Thema in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses war die Anschaffung von Luftfiltern für Klassenräume. SPD-Stadtrat Norbert Schaub hatte auf ein entsprechendes Förderprogramm hingewiesen. "Beide Schulleitungen halten eine Anschaffung nicht für notwendig", betonte Bürgermeister Warmuth. "Wir haben uns gefreut, dass der Stadtrat nachgefragt hat, aber wir wollen ja auch gut haushalten", sagt auch Rektorin Ingeborg Hoffmann von der Mittelschule. In beiden Schulgebäuden könnten die Fenster zu beiden Seiten hin geöffnet werden. "Bei uns wird sowieso regelmäßig gelüftet", berichtet Hoffmann.

Bürgermeister Warmuth verwies darauf, dass Luftfilter nur dann bezuschusst werden, wenn Räume schlecht zu belüften sind. Schaub forderte dagegen, alle technischen Möglichkeiten zu nutzen, um die Infektionslast in den Räumen zu reduzieren. "Ich will die Schulen nicht drängen, aber die Rückmeldung wundert mich", sagte CBB-Stadtrat Reimar Glückler.

"Unabhängig von Corona"

"Die Geräte filtern zwar die Aerosole raus, aber lüften muss man trotzdem", entgegnete Horcher. Auch Rektorin Hoffmann verwies darauf, dass schon vor Corona in der Grundschule alle 25 und in der Mittelschule alle 45 Minuten gelüftet wurde. Im Gegensatz zu Luftfiltern begrüßt Hoffmann Messgeräte für Kohlendioxid: "Das ist unabhängig von Corona sinnvoll." Nach dem Test in einigen Klassenräumen sei die Bestellung mittlerweile rausgegangen.