Trimberg
Jüdische Kulturtage

Süßkind und seine Lieder

Musik des Dichters aus dem Mittelalter erklingt am Sonntag in der Ruine. Wer war der Minnesänger, der in Trimberg geboren wurde?
Mittelalterliche Lieder erklingen am Sonntag auf der Trimburg.
Mittelalterliche Lieder erklingen am Sonntag auf der Trimburg. Foto: Winfried Ehling/Archiv
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Ein Höhepunkt der diesjährigen Jüdischen Kulturtage erwartet die Besucher am kommenden Sonntag, 18. September, um 14 Uhr auf der Ruine Trimburg in Elfershausen: Der Verein "Freunde der Trimburg" hat das Musiktheater Dingo aus Hofgeismar (Landkreis Kassel) zu einem Konzert mit mittelalterlichen Liedern engagiert. Dessen Leiter, der Liedermacher und vielseitige Instrumentalist Dr. Lothar Jahn (65), der als Spezialist mittelalterlicher Musik die Musikgruppe im Jahr 1978 gründete, wird dabei über das Leben und Wirken des Süßkind von Trimberg, des "Minnesängers mit dem Judenhut" aus dem 13. Jahrhundert sprechen. Die Burg wird bereits vor der Veranstaltung ab 11 Uhr zur Besichtigung mit Bewirtung geöffnet sein. Um 13 Uhr bietet der Verein "Freunde der Trimburg" den Besuchern zudem eine Führung an. Die Veranstaltung ist kostenlos, doch der Verein würde sich über freiwillige Spenden freuen.

Aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt der Codex Manesse, die umfangreichste und berühmteste deutsche Liederhandschrift des Mittelalters, die heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg ausgestellt ist. Sie gilt als repräsentative Sammlung mittelalterlichen Liedguts und dient bei Erforschung des Minnesangs als Haupt- und in vielen Fällen sogar einzige Originalquelle. In dieser Sammlung wird der Minnesänger Süßkind von Trimberg, der vor allem in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gewirkt hat, mit dem von der Kirche vorgeschriebenen spitzen Judenhut dargestellt. Geburts- und Heimatort dieses ersten jüdischen Dichters deutscher Sprache war der Ort Trimberg, heute ein Teil der Gemeinde Elfershausen.

Unsicher ist, ob dieser Süßkind mit jenem Juden gleichen Namens identisch ist, der bereits 1218 in Würzburg ein Grundstück erwarb und einige Jahre als Arzt am Dietrich-Spital (1140 - 1804) tätig war. Folgt man dem deutsch-jüdischen Historiker Paul Arnsberg (1899 - 1978), soll Süßkind von Trimberg hochbetagt im hessischen Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) gestorben sein. Der österreichisch-jüdische Schriftsteller und Kishon-Übersetzer Friedrich Torberg (1908 - 1979) machte ihn sogar zum Protagonisten eines Romans über die mögliche Lebensgeschichte Süßkinds.

Historische Atmosphäre

"In Süßkinds Werk", erzählt Lothar Jahn, "verbindet sich die Tradition der moralischen und gesellschaftspolitischen Dichtung, wie sie der Minnesänger Walther von der Vogelweide zur vollen Blüte brachte, auf einzigartige Weise mit Motiven aus der jüdischen Tradition." Der Minnesang-Spezialist und das von ihm seit 1978 geleitete Musiktheater Dingo lassen in ihrer Veranstaltung auf der Trimburg Süßkind von Trimberg in historischer Atmosphäre wieder werden. Mitwirkende sind Ursel Peters (Gesang, Cister, Drehleier), Cosima Hoffmann (diverse Blasinstrumente, Drehleier, Gesang, Rezitation), Olaf Casalich (Percussion, Gesang und Rezitation) sowie Lothar Jahn (diverse Saiteninstrumente, Hintergrundgesang).