Festwochenende für alle Fans der Hammelburger Störche: Zunächst endete in der Nacht auf Sonntag die Umfrage zur Benennung der beiden neuen Störche, am Sonntagmorgen gab es dann die gute Nachricht, dass zwei der drei Eier im Nest Löcher haben: Gegen Mittag schlüpfte das erste Küken, das zweite kämpfte sich gegen 22 Uhr aus seiner Schale. Und das Interesse ist riesig: Laut Christian Fenn wurden die Live-Bilder der beiden neuen Kameras auf dem Mönchsturm seit der Inbetriebnahme am 14. April bereits mehr als 55 000 Mal angeklickt.

Wer die Küken live sehen will, muss entweder Zeit mitbringen oder auf den Regler auf der Zeitleiste verschieben: Bis zu zwölf Stunden zurück können die Bilder des Tages auf www.storchencam.de verfolgt werden. Die meiste Zeit sitzen die Storcheneltern im Nest, nur für kurze Augenblicke stehen sie auf. Rund alle drei Stunden würden sie sich beim Brüten abwechseln, nachts brüte fast immer das Weibchen, hat Fenn beobachtet.

Im Internet stehen eine Detailaufnahme von der oberen Kamera direkt ins Zentrum des Nestes oder eine Totale vom Nest aus einer etwas niedrigeren Position zur Auswahl. "Tolle Eindrücke aus dem Nest, ich drücke die Daumen, dass die Küken überleben", hat eine Nutzerin am Montag im Tagebuch geschrieben. "Danke für die schönen Einblicke in die Kinderstube der Störche. Schaue immer wieder mehrmals am Tag rein", schrieb eine Nutzerin aus Moosburg am Sonntag. "Ich bekomme ausschließlich positive Rückmeldungen von den Nutzern", fasst Initiator Fenn die Reaktion auf die neuen Kameras zusammen.

Im Haus der Familie Fenn am Ofenthaler Weg läuft ein Laptop zur Übertragung der Live-Bilder vom Mönchsturm rund um die Uhr. "Am Sonntag haben wir ständig reingeschaut", berichtet Fenn, der nicht nur die Kameras bezahlt hat, sondern über dessen privaten Internet-Anschluss auch die Übertragung läuft. "Der Anschluss wird ordentlich strapaziert", berichtet der 3. Bürgermeister, allerdings gebe es bisher keine Einschränkungen etwa beim Home-Schooling der Kinder. Ein technisches Problem ist, dass die Aufzeichnung der hochaufgelösten Bilder immer nur 30 Minuten läuft. Für scharfe Bilder muss Fenn also ständig an den Rechner, während die Filme mit niedrigerer Auflösung auf dem Youtube-Kanal länger verfügbar sind. "Um 10 Uhr ging's los, da konnte man die ersten Löcher in den Eier erkennen", berichtet Fenn. Nach dem Schlüpfen des ersten Kükens gegen 12 Uhr war lange Pause. "Das zweite Küken hat stundenlang gekämpft." Ein Loch im Ei könne dazu führen, dass das Innere des Eis austrocknet, der Regen am Sonntag sei deshalb gut gewesen: Gegen 22 Uhr waren die Umrisse des zweiten Kükens im Nachtsicht-Modus zu erkennen.

33 Tage zuvor hätten die Störche das erste Ei gelegt, drei Tage später dann das zweite. Durch das Brüten seien die Küken nun gleichzeitig geschlüpft. "Beim dritten Ei klappt das leider nicht", sagt Fenn und hofft, dass spätestens in drei Tagen ein drittes Küken schlüpft. Drei Jungtiere könnten die Eltern hoffentlich ernähren, in den vergangenen Jahren sei bei fünf Küken schon mal eines aus dem Nest geworfen worden, weil zu wenig Futter da war. Falls so etwas heuer wieder passiere, werde die Übertragung nicht unterbrochen, betont Fenn: "Das müssen die Leute aushalten, ich will die Natur ja nicht schön malen." Zudem stellt Fenn klar, dass er sich ausschließlich um die Technik kümmere: "Ich greife auf keinen Fall in das Nest ein."

Fachlich zuständig ist der Bund Naturschutz: Ulf Zeidler freut sich, dass in Hammelburg und in Westheim jeweils ein Storchenpaar brütet. Die Kunst-Horste im Saale- und im Thulbatal seien dagegen noch nicht besetzt. Zeidler berichtet auf Nachfrage, dass es zunächst Bedenken gegen die neuen Kameras direkt am Storchennest gab: "Wir hatten dazu geraten zu warten, bis die Jungen schon etwas größer sind." Wenn die Alt-Vögel eine feste Verbindung zum Nest haben, sei aus seiner Erfahrung die Gefahr kleiner, dass sie sich durch die Kamera gestört fühlen. "Zum Glück ist es gut gegangen", freut sich Zeidler und schaut selbst regelmäßig die Live-Bilder vom Mönchsturm an. Am liebsten beobachte er die Störche aber direkt vor Ort. Besonders freut er sich, wenn in vier bis sechs Wochen die Jungvögel im Stehen gefüttert werden und später die ersten Flugübungen machen. "Leider haben wir bei Jungstörchen im ersten Jahr oft große Ausfälle", kommentiert der Experte die Überlebenschancen. Allerdings wachse die Population an Weißstörchen in Bayern zum Glück stetig. Wünschen würde sich Zeidler, dass die Wiesen im Saaletal nicht so oft gemäht würden, damit die Tiere mehr Futter finden.

Bei der Umfrage hatten sich 143 von 336 Teilnehmern (32 Prozent) dafür ausgesprochen, dass die neuen Hammelburger Störche wieder "Jakob" und "Adele" heißen sollen. Elf Namenspaare hatten zur Wahl gestanden.