Johanna Rennert-Himmler ist ein großer Fan der Hammelburger Stadtbibliothek. "Wir lieben die große Auswahl hier", sagt die 41-Jährige: Die Vielfalt aus Sach- und Kinderbüchern, Romanen, Fachliteratur, Filmen CDs, Hörbüchern und "Tonie"-Figuren begeistere auch ihre beiden Kinder Bennett (7) und Emma (9). Die "Luna Wunderwald"-Buchreihe fesselt aktuell Grundschülerin Emma, ebenso die "Woodwalkers". Für Bennett hat das Bücherei-Team extra per Fernleihe einen Band mit dem lustigen Troll "Spotz" bestellt. Und die Mutter? Die Englisch- und Spanisch-Lehrerin liest gerne Romane, schmökert in Büchern über Gartenarbeit oder schaut sich in der Fremdsprachen-Abteilung um.

"Kleine Liebeserklärung"

Für Familie Rennert-Himmler ist die Stadtbibliothek einer der Hauptgründe, regelmäßig in die Innenstadt zu gehen. In den sozialen Medien hat sie sogar eine "kleine Liebeserklärung" an ihre Heimatstadt veröffentlicht: "Ich freu mich, dass ich hier lebe und meine Kinder so geborgen sind", schreibt sie und hat dafür mehr als 40 Likes bekommen. Außerdem habe das Team der Bibliothek ihnen auch das neue Ausleihgerät ausführlich erklärt. Denn: Die Stadtbibliothek hat den Lockdown für eine technische Neuerung genutzt.

"Wir waren gut beschäftigt", blickt Bibliotheksleiterin Karin Wengerter auf den Lockdown im Frühjahr zurück. Zum einen hätten sie und ihr Team rund 2000 der 24 000 Bücher aussortiert. Vor allem aber gab es die erste Vorbereitung auf den Umzug: In gut einem Jahr soll die Stadtbibliothek ins Bürgerhaus umziehen, das aktuell neben dem Rathaus gebaut wird. Die aktuellen Räume der Bibliothek gehen dann ans Naturerlebniszentrum Rhön über.

Elektronische Ausleihstation

"Wir brauchen dort die Selbstverbuchung, um das Konzept einer Open-Library umzusetzen", sagt Wengerter. Deshalb klebten die Mitarbeiter in oder auf alle rund 22 000 Medien einen Transponder: Jedes Buch, jeder Film, jede CD wurde einmalig elektronisch erfasst und kann nun an einer neuen Ausleihstation ausgebucht werden. Rund 24 000 Euro habe die Umstellung gekostet, 80 Prozent davon wurden bezuschusst. "Das war die ideale Gelegenheit", kommentiert Wengerter das Vorziehen des Projekts: Zum einen habe es eine hohe Förderung gegeben, zum anderen war im Lockdown genügend Zeit, und das Team habe nicht in Kurzarbeit gehen müssen. "Im Gegenteil, wir hatten zu tun, dass wir bis zur Wiedereröffnung fertig werden", sagt Wengerter. "Das dient nicht dazu, Arbeitsplätze einzusparen", betont die Bibliotheksleiterin. Einige Stammkunden hätten sich bereits Sorgen gemacht, dass die elektronische Ausleihe das Personal an der Theke ersetze. Stattdessen solle es die Kolleginnen entlasten und damit Zeit für das künftige Konzept schaffen. Im Bürgerhaus wird die Stadtbibliothek auf drei Etagen verteilt sein: Die Theke im Erdgeschoss, die Abteilung für Erwachsene, Romane und Sachbücher im ersten Obergeschoss sowie Kinderbücher im Dachgeschoss. "Wir wollen Zeit für mehr Kundenservice haben", kündigt Wengerter an.

Weniger Platz im Bürgerhaus

Etwas Kopfzerbrechen bereite ihr allerdings noch, wie die Medien in Zukunft untergebracht werde können, denn: Im Bürgerhaus seien mehrere hundert Quadratmeter weniger Fläche vorgesehen. "Die Architekten knobeln noch", sagt Wengerter, und: "Es soll ja nicht alles vollgequetscht werden."

Das ist aber noch Zukunftsmusik, aktuell beschäftigt die Corona-Pandemie auch die Stadtbibliothek. "Im Sommer haben wir uns wieder auf das normale Niveau hochgearbeitet, jetzt bleiben natürlich viele weg", fasst Wengerter die Entwicklung zusammen. Im vergangenen Jahr hatten sich wegen der Pandemie die Besucherzahlen annähernd halbiert: Nach rund 52 000 Besuchern im Jahr 2019 kamen nur noch 26 200. Allerdings ist die Ausleihe der Medien sogar minimal gestiegen, von 87 275 auf 87 410. Vor allem bei Romanen und Spielen habe es ein großes Plus gegeben. "Das hängt sicherlich mit der vermehrten Zeit, die man zuhause verbringen musste, zusammen", vermutet Wengerter.

Die Regeln wurden mittlerweile von 3G auf 2G verschärft. Die meisten Besucher würden das akzeptieren, aber: "Es gibt schon auch immer wieder Diskussionen", berichtet Wengerter. Auf der anderen Seite würden etliche Stammgäste ganz weg bleiben, weil sie kein Risiko eingehen wollen. Wobei die Leiterin der Stadtbibliothek beruhigen kann: Das gesamte Team sei geimpft, es werde ständig gelüftet, und es gebe ein umfangreiches Hygiene-Konzept. "Unsere Bücher kommen nach der Rückgabe immer zwei Täge in Quarantäne", nennt Wengerter als Beispiel für eine der vielen Vorsichtsmaßnahmen.

Besonders bedauert Wengerter, dass derzeit keine Veranstaltungen stattfinden können. Trotzdem plane sie unverdrossen bereits für den Terminkalender 2022: Eine Ausstellung zum Thema Libellen, Veranstaltungen zusammen mit der Volkshochschule und jede Menge Leseförderung sind geplant, sobald es die Corona-Lage zulässt.