Das Votum war am Ende eindeutig: Mit 14:7 Stimmen hat der Hammelburger Stadtrat beschlossen, zwei eigene Jugendpfleger auf insgesamt 1,75 Stellen einzustellen. Das Thema war Mitte November bereits ausführlich im Hauptausschuss diskutiert worden. CBB- und SPD-Stadträte sowie Edmund Schaupp (HAB) und Thomas Reuter (Bürgerliste) hatten jedoch einen Nachprüfungsantrag gestellt, also musste sich jetzt der gesamte Stadtrat damit befassen. Ihr Vorschlag, zunächst nur eine Stelle zu besetzen und dann ein Konzept für den Aufbau einer Stadt-Jugendarbeit zu erstellen, lehnte die Mehrheit eindeutig ab.

"Vor allem fehlen uns Vergleiche", begründete CBB-Stadtrat Dominik Sitter in der Sitzung den Antrag auf Nachprüfung. Ihm gehe es ähnlich, wie bei den Vorstößen der Stadtverwaltung vor einigen Jahren, eine Kooperation mit dem Verein "Pro Jugend" einzugehen: Bereits damals sei nur diese eine Variante vorgestellt worden. Deshalb habe er damals dagegen gestimmt. Jetzt dagegen würde er sich genau den Kostenvergleich mit Pro Jugend wünschen, zumal man sich bei dem Verein unter Federführung des Landkreises nicht so lange binde.

Weitere Variante

"Man könnte den Eindruck gewinnen, dass man schon Personen im Blick hat und das Ganze jetzt drumherum baut", stellte Sitter als Vermutung in den Raum. Dafür erntete er jedoch vehementen Widerstand unter anderem von Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). Sitter brachte auch eine Trägerschaft über Wohlfahrtsverbände als Variante ins Spiel.

"Wir haben die Jugendarbeit immer unterstützt", stellte CBB-Stadtrat Reimar Glückler klar und verwies darauf, dass er von Anfang an für die Betreuung im Hammelburger JUZ gestimmt habe, während die CSU lange dagegen war. Trotzdem sei ihm eine erneute Beratung im Stadtrat wichtig, weil sich der Beschluss über Jahre auf den Haushalt auswirke.

Die Stadt habe bereits jetzt Personalausgaben von mehr als sechs Millionen Euro im Jahr. "Wir schwimmen aktuell im Geld, aber das wird sich sehr schnell ändern", betonte Glückler. Schließlich stünden Investitionen von mindestens 25 Millionen Euro in den kommenden Jahren an - "und da sind Schloss Saaleck oder das Bürgerspital noch gar nicht dabei". Aus seiner Sicht sollte die Stadt die Ausgaben nicht vom bisherigen Zuschuss über rund 16 700 Euro für das Jugendzentrum (JUZ) auf rund 100 000 Euro steigern: "Wir sollten zumindest erst einmal die Jugendlichen vor allem in den Stadtteilen befragen, ob Bedarf da ist", forderte Glückler.

"Ich will keinem Jugendlichen sagen müssen, dass wir das JUZ nicht wieder aufsperren können, weil wir Schloss Saaleck sanieren müssen", erwiderte 3. Bürgermeister Christian Fenn (Junge Liste). Der Sozialpädagoge verwies darauf, dass die Stadt Bad Kissingen sechs Vollzeit-Kräfte in der Jugendarbeit beschäftigen, plus FSJler und Praktikanten. Alleine im dortigen JUZ würden vier Vollzeit-Kräfte arbeiten. "1,75 Stellen für Hammelburg sind ganz und gar nicht übertrieben, sondern angemessen", verwies Fenn auf die Bedeutung Hammelburgs als Mittelzentrum.

Fenn versicherte zudem, dass die Kosten beim Verein "Pro Jugend" deutlich höher seien und die Stadt eigenes Personal viel zielgenauer einsetzen könne. Der 3. Bürgermeister ließ auch das Argument nicht gelten, dass aktuell keine Jugendarbeit möglich sei: "Corona ist kein Hinderungsgrund, jetzt einzustellen, sondern Corona ist der Grund, jetzt einzustellen." Kein Träger, eben auch nicht der Hammelburger Jugendladen, traue sich, trotz Corona-Auflagen die Jugendräume wieder zu öffnen. "Viele Jugendliche hängen gerade jetzt in der Luft", berichtete Fenn auch aus seiner eigenen Arbeit als Streetworker.

"Es ist von der Verwaltung nicht leistbar, ein Konzept zu erarbeiten", betonte Stadt-Kämmerin Jennifer Triest, die den Vorschlag für die Stadt-Jugendarbeit erarbeitet hatte. Aktuell fehle qualifiziertes Personal dafür, jedoch seien Gespräche mit der kommunalen Jugendarbeit des Landkreises und anderen Einrichtungen geführt worden. "Ich sehe dringendst Handlungsbedarf", betonte auch Bürgermeister Armin Warmuth, und: "Jugendarbeit darf nichts mit der Finanzlage zu tun haben." Auch von Schulen und bei Befragungen sei immer wieder der Wunsch nach einer professionellen Jugendarbeit aufgekommen.

Emma Bindrum (Generation Z) erhofft sich von einer eigenen Stadt-Jugendarbeit gerade jetzt in der Pandemie, dass legale Möglichkeiten aufgebaut werden, sich zu treffen oder online auszutauschen. Dadurch würden verbotene Kontakte reduziert. "Man darf nie Investitionen gegen Bildung aufrechnen", ergänzte CSU-Stadtrat Patrick Bindrum. Deshalb nehme er für sich auch das Recht in Anspruch, anders als bei früheren Abstimmungen zu stimmen.

Genau das kritisierte CBB-Stadtrat Reinhard Schaupp: Selbst Christian Fenn habe bisher immer gegen fest angestellte Jugendpfleger gestimmt und jetzt sollten gleich zwei Stellen besetzt werden. "Lassen Sie uns eine Stelle schaffen und dann sehen, wie es weitergeht", lautete sein Vorschlag. Rita Schaupp (SPD) schlug zusätzlich vor, dass Aufsichten zunächst auch über Aushilfskräfte möglich seien. Sie zog den Vergleich zur EDV: Die Stadt habe gerade einmal 1,75 Stellen zur Betreuung der Informationstechnologie, auch dort sei eine Aufstockung notwendig.

CBB-Stadtrat Alexander Stolz kritisierte, dass die CSU nach jahrelanger Blockade einer eigenen Jugendarbeit jetzt auf die Devise "Viel hilft viel" umschwenke. "Die Strukturen in den Dörfern sind ganz andere als in der Kernstadt", wünschte sich Thomas Reuter zunächst eine Bestandsaufnahme. "Wir vergeben uns ja nichts", forderte auch er zunächst die Einstellung eines Jugendarbeiters.

Einen "riesigen Nachholbedarf" sah dagegen CSU-Fraktionssprecher Martin Wende: "Wir haben Jugendliche in unserer Stadt, die für das gesellschaftliche Leben nicht mehr greifbar sind." Er forderte, dass Jugendarbeiter auch sofort mit der Arbeit beginnen müssten, es sollten "nicht lange Konzepte geschrieben werden". Es müsse darum gehen, die Folgen von Corona abzumildern. Deshalb plädierte Wende auch dafür, in der Probezeit genau hinzuschauen und sich vielleicht auch wieder von einem Jugendarbeiter zu trennen, wenn er die Jugendlichen nicht erreiche.

"Wer soll nach sechs Monaten festlegen, ob ein Jugendarbeiter was taugt?", fragte SPD-Stadtrat Norbert Schaub in dem Punkt vergeblich nach. Allerdings waren sich Wende und die Mehrheit des Stadtrates sicher, dass die 1,75 Stellen für die Jugendarbeit eher zu wenig als zu viel sind: "Wir werden uns noch wundern, was in der Jugendarbeit noch auf uns zukommt", sagte Wende voraus.