Der hohe Besuch kam mit einem opulenten "Gastgeschenk" aus der Landeshauptstadt. Die Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Kerstin Schreyer, führte den Förderbescheid für das neue Bürgerhaus im Gepäck - einen Scheck in Höhe von 4,32 Millionen Euro, den sie Bürgermeister Armin Warmuth im Rathausremter bei einem Empfang überreichte.

Warmuth stellte in seiner Rede die Stadt Hammelburg und ihre geschichtlich markanten Daten und Gebäude vor. Die älteste Weinstadt Frankens und eine der 30 ältesten Städte Deutschlands sei 1816 zum Königreich Bayern gekommen.

"Zum Bau des Bürgerhauses war es ein langer, intensiver Weg", räumte er ein. Die Möglichkeit, das ehemalige "Hammelburger Kaufhaus" in unmittelbarer Nachbarschaft zu erwerben, habe sich 2015 ergeben. Hier sollte ein Ort entstehen, an dem sich "Menschen jeden Alters und jeder Herkunft begegnen können, der Platz für Kommunikation sowie gesellschaftlichen und kulturellen Austausch bietet".

Das Gebäude erhalte eine einladende Touristen-Info an zentraler Stelle und solle eine positive Auswirkung auf Gastronomie, Hotellerie, den Weinbau und seine Vermarktung sowie dem Einzelhandel in der Innenstadt haben. Es beherberge eine zeitgemäße Bibliothek. Es gelte zudem, Synergie-Effekte zu nutzen und die Einrichtungen aus dem Kellereischloss enger zusammen zu führen. Ein Multifunktionssaal für Veranstaltungen aber auch für Ratssitzungen, die Volkshochschule, eine barrierefreie, öffentliche Toilettenanlage und eine unterirdische Verbindung ins Rathaus als zweiter Fluchtweg seien integriert.

Bei einem Architekten-Wettbewerb habe das Büro SRAP Sedlak-Rissland Architekten das Rennen gemacht. Die Kosten belaufen sich auf 7,23 Millionen Euro. In Aussicht gestellt worden seien mehr als vier Millionen Euro Förderung. Den Bauantrag habe der Stadtrat im Mai 2018 befürwortet. Doch das Vorhaben habe kräftigen "Gegenwind" durch einen positiven Bürgerbescheid für ein kostengünstigeres Bürgerhaus bekommen. Eine Bürgerversammlung mit Vorstellung neuer Pläne und eine einvernehmlich gelöste, juristische Auseinander-Setzung hätten dann doch zur Auftragsvergabe im November des vorigen Jahres geführt. Warmuth hofft, noch vor Weihnachten das Richtfest am Neubau feiern zu können.

"Begegnung ist wichtig, damit reger Austausch in hoffentlich bald überstandenen Corona-Zeiten entstehen kann", sagte Ministerin Schreyer, die im Übrigen mit stellvertretendem Bürgermeister Christian Fenn in München studiert hat. In den vergangenen 50 Jahren seien knapp sieben Milliarden Euro in die Städtebauförderung geflossen, ließ sie wissen. MdL Sandro Kirchner sei hier ein treuer Mitstreiter im Landtag bei der angestrebten Vergleichbarkeit bayerischer Kommunen. Hammelburg habe bisher 14,9 Millionen Euro aus dem Sonderfonds zur Innenstadt-Belebung erhalten, stellte sie mit der Übergabe des symbolischen Schecks fest.

"Hier entstehen vielfältige Möglichkeiten für die Bürger, aber auch das Erlebniszentrum Rhön findet im Kellerei-Schloss eine neue Heimat. Es ist entscheidend, solche Instrumente für den ländlichen Raum zu haben, damit Einkauf und Begegnung funktionieren. Eis essen kann man nicht im Internet", sagte Landrat Thomas Bold.

Landtagsabgeordneter Kirchner sah "in jedem Euro in den ländlichen Raum eine gute Investition. Die Summe von 4,32 Millionen Euro ist gewaltiger Rückenwind für das Hammelburger Bürgerhaus".

Nach anfänglichen Verzögerungen liege der Bau fast wieder im Zeitrahmen. "Das Richtfest vor Weihnachten könnte klappen", erklärte Stadtbaumeister Detlef Mohr. Die aus jüngerer Zeit bekannten Probleme mit Lieferschwierigkeiten und Preisverteuerungen beim Baumaterial sind zwar "nicht ganz vom Tisch" - insbesondere bei den Metallbauteilen - doch das kriegen wir in den Griff".