Im "Archäologischen Arbeitskreis Mittleres Saaletal" engagieren sich Kreisheimatpfleger Roland Heinlein und Bernd Marquardt. Das zeitliche Hauptaugenmerk reicht dabei von der Vorgeschichte bis zum Frühmittelalter. Auch sie sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen und können derzeit nur alleine oder höchstens mal zu zweit auf Spurensuche gehen.

Mit Karten und GPS

Zu ihrer Suche nach Hügelgräbern, untergegangene Siedlungen oder anderen Bodendenkmälern gehöre nicht etwa die Ausgrabung, so Heinlein. Vielmehr sei es eine Dokumentation mit Kartenmaterial und GPS. Der Suche voraus gehe viel Bildschirm-Arbeit und auch die Suche nach Literatur über das entsprechende Thema. Aus Abschriften von Klöstern und vor allem aus Schenkungsurkunden könne man einiges herauslesen, allerdings tauchten da oft nur Vornamen auf, was die Sache deutlich erschwere.

"Wenn damals das Lebensende nahte, seien die Besitztümer oft dem Kloster vermacht worden", fügte Heinlein hinzu. In Sachen schriftliche Nachweise sei Fulda besonders zu erwähnen, da in Würzburg viel den Flammen während des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen sei.

Auch tauchten immer wieder mal Siedlungs-Ortsnamen auf, deren Lage aber oft schwierig zu ermitteln sei. Baustellen sind eher der Feind der Archäologen. Daher heiße es, immer vor Beginn der Erdarbeiten mit der Sichtung zu beginnen. Zwar würde schon bei Planungsbeginn darauf geachtet, ob sich die Baustelle in eine sogenannten "Roten Region" befindet, aber natürlich sei längst nicht alles eingetragen. Ihre Informationen bekommen sie durch die Planung von Neubaugebieten oder wie jüngst vermehrt durch den Bau von Windrädern. Auch im Bereich des geplanten "Langendorfer Kreisel" könnte es für den Arbeitskreis interessant werden.

Geländebegehungen

In letzter Zeit beschäftigte man sich intensiver mit der Landwehr bei Oberthulba. Erwin Muth, der auch im Arbeitskreis mitarbeitet, veröffentlichte dazu Beiträge zur Entstehung und Funktion der Landwehren in Franken. Bei verschiedenen Geländebegehungen habe sich herausgestellt, dass auch im Falle der Landwehr von Oberthulba noch weitere, zum Teil gut erhaltene Wallreste vorhanden seien. Sie ließen ein Landwehrsystem von circa zwölf Kilometer Länge erkennen, das sich vom Deistelbachgrund nördlich von Elfershausen an der Saale bis an den Seifertshof südlich von Geroda hinzieht.

Nach einer Beschreibung des Geländebefundes wurden hier einige Besonderheiten der Landwehr und ihrer Umgebung untersucht und mit dem Ziel diskutiert, sie für die Frage nach der Entstehung und Funktion dieser Anlage im Grenzgebiet an der Thulba zwischen der Fürstabtei Fulda und dem Hochstift Würzburg nutzbar zu machen.

Man hätte nichts dagegen, noch ein paar Leute für die Archäologie zu begeistern. Dazu führe man schon einmal eine Begehung mit Schulklassen durch. Auch für Doktorarbeiten werde das Wissen der Gruppe gerne genutzt. "Ich muss aber auch zugeben, dass es für die meisten spannendere Beschäftigungen gibt, als oft unscheinbare Bodendenkmale zu suchen", gestand sich Marquardt ein.

Als dringlich stufte der Arbeitskreis jetzt die Suche nach einer Unterbringung für ihre Fundstücke ein. Bis jetzt hätte jeder Zuhause etwas gelagert und keiner kenne die tatsächliche Menge. Der Ort solle dann auch als regelmäßiger Treffpunkt dienen. Nach der Pandemie stehe und falle die Beschäftigung des Arbeitskreises mit der Findung eines Raumes. Wer als Kommune, als Unternehmen oder als Privatperson einen Raum zur Verfügung stellen kann, wird gebeten, sich an Roland Heinlein zu wenden.