Mit der kirchlichen Segnung öffnete nach gut zwei Jahren das Katholische Pfarrzentrum wieder seine Türen. Seit Ende September 2019 nicht mehr genutzt, weil ein Heizungsrohrbruch einen Wasserschaden verursachte, der mit rund 170 000 Euro zu Buche schlug. Etwa zwei Kubikmeter Heizungswasser aus dem oberen Stock durchweichten die Decke.

"Es war ein harter Schlag am erst elf Jahre alten Gebäude, der uns zum Anpacken zwang", erinnerte sich Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher und merkte an: "Zwei Jahre Bauzeit waren eigentlich nicht geplant. Doch vieles erledigten wir in Eigenleistung, um die Kosten in Grenzen zu halten". "Neben der Heizungssanierung wurde auch der Brandschutz und die Sicherheitsbeleuchtung ergänzt", fügte Koordinator Michael Brendan hinzu. Das gemeinsame Vorabend-Essen mit den Helfern, den Firmen und der Feuerwehr war ein Dankeschön.

Bildnis des Guten Hirten

Mit der Fertigstellung erhielt der umgestaltete Gefängnisbau auch einen neuen Namen. "Das Zentrum ist eigentlich die Stadtpfarrkirche und den Namen Pfarrheim wollten wir nicht", räumte Eschenbacher ein. Deshalb taufte es die Pfarrgemeinde auf den Namen "Johannes Martin-Haus" wie am Eingang zu lesen ist. Die Namensgebung ziert zudem das Bildnis des "Guten Hirten", eine Gedenktafel des Hammelburger Künstlers Robert Höfling, das hinter der Sakristei zu finden ist.

Johannes Martin wirkte von 1902 bis 1908 als Kaplan und von 1909 bis zu seinem Tod in Jahr 1943 als Stadtpfarrer in Hammelburg. Der über zwei Meter große Mann, der bereits nach sechs Jahren die Ehrenbürger-Würde der Stadt erhielt, wird dem Bildnis gerecht. Pfarrer Martin gründete die Winzergenossenschaft und die Raiffeisenbank sowie viele weitere Initiativen, die zum Ziel hatten, die Lebensqualität der Bürger in der Stadt zu verbessern.

Gegner der NS-Diktatur

Doch war er auch ein entschiedener Gegner der NS-Diktatur. Mutig verteidigte er den Glauben und die Kirche gegen Anfeindungen und viele Anzeigen mit denen er überschüttet wurde - sei es das Versammlungsverbot kirchlicher Gruppen oder das Verbot des Religionsunterrichts. In damaliger Zeit war solches ein lebensgefährliches Wagnis.

Der heute noch bei vielen älteren Bürgern hoch geachtete Priester wusste, dass die Menschen in der Saalestadt ihn als Bastion des Widerstands gegen die Gräueltaten des Nationalsozialismus brauchten. Deshalb musste er abwägen, wie weit er in seinem Widerstand gehen konnte, damit er weder sich selbst noch die Gemeinde in Gefahr brachte.

Widerstandskämpfer und Wohltäter

Das Bildnis des guten Hirten trifft die Grundmotivation die Johannes Martin zum Pfarrer machten. Widerstandskämpfer und Wohltäter der Menschen, die durch seine Initiativen im Weinbau und für bessere Umverteilung des Geldes eine höhere Lebensqualität erzielten und für neuen Optimismus im Leben der Bürger sorgten.

Das Leben und Wirken seines unvergessenen Vorgängers war auch Predigt-Thema für Pfarrer Eschenbacher im Sonntagsgottesdienst, nach dem er die Segnung des sanierten Johannes Martin-Hauses vornahm. Mit seinem Dank an alle Spender, Helfer und Unterstützende verkündete er, dass alle Möglichkeiten des Hauses wieder zu nutzen sind. Der Segen gelte dem Gebäude aber auch den Menschen die es nutzen, betonte der Geistliche.

Der große Saal mit Bühne im Erdgeschoss für 195 Personen, die Küche und ein Grupperaum stehen ebenso bereit wie die zwei Gruppenräume und die beiden Jugendräume nebst Teeküche im Obergeschoss. Der teilbare Saal kann auch für Feiern oder Konferenzen gemietet werden. Auskunft erteilt das Katholische Pfarramt unter Tel.: 09732/2018.