Polizist Hubert Koch kennt die gängigen Abkürzungen von Jugendlichen: ACAB ist zum Beispiel in eineinhalb Meter großen Lettern an die Wand des Förderzentrums hinter der Bushaltestelle am Hammelburger Schulzentrum gesprüht. Die Buchstaben stehen für den englischen Spruch "All cops are bastards", wörtlich übersetzt "Alle Polizisten sind Bastarde". "Das dürfen Sie ruhig fotografieren und schreiben", sagt Hubert Koch gelassen, und: "Da hat sich vermutlich jemand drüber geärgert, dass er kontrolliert oder bei etwas erwischt wurde." Koch hält als Verkehrserzieher den Kontakt zu allen Schulen im Raum Hammelburg, seine Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen sind insgesamt positiv, berichtet er: "Die überwiegende Mehrheit respektiert die Polizei und unsere Arbeit", ist er sich sicher. Umso ärgerlicher seien die Schmierereien, von denen einige nun vermutlich aufgeklärt sind.

Verstärkte Kontrollen der Polizei

Alleine rund um Realschule, Gymnasium und Förderschule gab es seit Beginn des Schuljahres sieben angezeigte Fälle von Schmierereien. In einigen Fällen habe das Landratsamt als Sachaufwandsträger schnell gehandelt und die Schriftzüge bereits wieder übermalt. Zum Teil entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, weil frisch gestrichene Flächen sofort wieder besprüht werden. Nicht nur rund um die Schulen, sondern im gesamten Stadtgebiet taucht immer wieder der Schriftzug "Hope" (deutsch: Hoffnung) in verschiedenen Ausführungen aus. An mehreren Stellen finden sich zudem die Ziffern 187. "Das steht im kalifornischen Strafrecht für den Mord-Paragraphen", berichtet Koch. Auch eine Band habe sich danach benannt, es handle sich um ein beliebtes Sprayer-Motiv. Auf dem ehemaligen Deula-Gelände hinter der Realschule gibt es noch weitere beleidigende Schmierereien.

"Wir haben in den vergangenen Monaten verstärkt kontrolliert", berichtet Oliver Ebert, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg. Zum einen wurden Rucksäcke von Jugendlichen unter die Lupe genommen, zum anderen wurde aber auch in Geschäften und Baumärkten nachgefragt, wer Spraydosen in bestimmten Farben gekauft hat. Am Ende habe allerdings der Zufall zumindest bei einer Serie die Polizei auf die Spur einer Verdächtigen gebracht: Im Rahmen anderer Ermittlungen fanden die Beamten zufällig Spraydosen in den passenden Farben bei einer Jugendlichen. Die Hammelburger Polizei schreibt ihr laut Ebert eine Serie von Mitte September bis Ende November 2021 zu. "Das Verfahren wurde zum Jahreswechsel an die Staatsanwaltschaft Schweinfurt abgegeben", sagt Ebert zum aktuellen Stand.

Trotzdem dauern laut Ebert die umfangreichen Ermittlungen an: Die Beamten würden "zu tatrelevanten Zeiten an den bekannten Örtlichkeiten erhöhte Präsenz" zeigen. Das heißt konkret: Etwa an der Fluchttreppe der Realschule oder rund um andere Schulen könne es rund um die Uhr Kontrollen geben. Auch das Areal rund ums Hammelburger Sportzentrum oder der Pausenhof der Mittelschule werde aktuell verstärkt "bestreift". Zudem hofft die Polizeiinspektion Hammelburg auf Zeugen-Hinweise unter Tel.: 09732/ 90 60.

"Wenn wir morgens in die Schule kommen, finden wir immer mal wieder zerbrochene Flaschen oder neue Schmierereien", berichtet Realschul-Leiter Christian Buchner. Eigentlich sei es in den vergangenen Schuljahren sehr ruhig gewesen rund um seine Schule, aber seit Oktober häuften sich die Fälle. Zum Glück gebe es drinnen keine Beschädigungen: "Innerhalb des Schulgebäudes haben wir keine Probleme", stellt Buchner seinen rund 450 Schülern ein gutes Zeugnis aus. Dass die Probleme eher von außen kommen, zeigt auch ein Vorfall Ende November: Zwei 19-Jährige betraten laut Polizeibericht das Gelände der Jakob-Kaiser-Realschule und blieben dort ohne einen ersichtlichen Grund. Selbst als eine Lehrkraft die beiden aufforderte, das Gelände zu verlassen, weigerten sie sich zu gehen. Eine hinzugezogene Streife der Polizeiinspektion Hammelburg erteilte den beiden einen Platzverweis. "Das blieb zum Glück ein einmaliger Vorgang", berichtet Buchner.