Hammelburg
Revision

Saaletalbad Hammelburg: Komplettkur für die Technik

Das Hallenbad war in diesem Jahr zum ersten Mal in den Sommerferien geschlossen. Aktuell läuft die Revision, ab Montag ist wieder geöffnet. Leiter Edgar Beck erklärt, warum der Rasen gewässert wurde, ohne Wasser zu verschwenden.
Marco Gehring (von links) und Vitaliy Weiß schrauben die Deckel von Pumpen ab. Zur Arbeitserleichterung werden die früheren Metalldeckel nach und nach durch leichtere Kunststoffplatten ersetzt.
Marco Gehring (von links) und Vitaliy Weiß schrauben die Deckel von Pumpen ab. Zur Arbeitserleichterung werden die früheren Metalldeckel nach und nach durch leichtere Kunststoffplatten ersetzt. Foto: Ralf Ruppert
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Jedes Jahr wird in der ersten Schulwoche im Hammelburger Hallenbad geputzt, geschraubt, kontrolliert und gewischt. Neu war in diesem Jahr, dass in den sechs Wochen davor das Hallenbad leer war. Die Leitung der Stadtwerke habe entschieden, das Bad zu schließen, berichtet Betriebsleiter Edgar Beck. Vor allem aus Energiegründen. "Das Freibad war ja offen, und auch der Saunabereich war trotzdem geöffnet", sagt der 59-Jährige. Eine Woche lang wurde das Bad nun auf Vordermann gebracht, damit ab Montag wieder regulär geöffnet werden kann. Dann beginne auch der Schwimmunterricht der Schulen. "Wir sind unter der Woche jeden Tag von 8 bis 13 Uhr ausgebucht", betont Beck. Deshalb gebe es leider keinen Spielraum mehr für weitere Schulen, auch wenn das Hammelburger Freibad mit Beginn der Sanierung der Therme Sinnflut im kommenden Jahr das einzige öffentliche Hallenbad im Kreis sei.

Ins Saaletalbad kommen vor allem die Schulen aus dem Altlandkreis, von Wartmannsroth bis Euerdorf und von Oberthulba bis Hammelburg selbst. Die Grundschulen würden seit einigen Jahren die Aufsicht des Schwimmbad-Personals dazu buchen, berichtet Beck. Anfragen anderer Schulen müsse er leider ablehnen, zum Teil hätten Schulen Vereinbarungen mit privaten Schwimmbadbetreibern wie den Reha-Kliniken oder seien außerhalb des Landkreises untergekommen.

Zum ersten Mal weibliche Auszubildende

22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Hallenbad insgesamt, einige davon in Teilzeit. Zwei Auszubildende im Bereich Fachangestellte für Bäderbetriebe haben heuer neu angefangen, zum ersten Mal sei auch eine junge Frau darunter. Edgar Beck ist stolz darauf, die meisten Kollegen selbst ausgebildet zu haben. Das Hallenbad sei personell sehr gut aufgestellt, auch wenn noch ein Fachangestellter und jemand für die Küche willkommen wäre. Es gebe auch immer Abwerbeversuche durch andere Bäder, allerdings würden bei den Hammelburger Stadtwerken Bezahlung und Sozialleistungen wegen eines guten Tarifvertrags stimmen.

Im Jahr 2011 wurden das Innenbecken und die gesamte Technik erneuert. Deshalb habe es auch bei der diesjährigen Revision keine großen Überraschungen gegeben. "Wir sind auf einem guten Stand", sagt Beck, und: "Trotzdem geht immer mal was kaputt, weil die Pumpen ja 24 Stunden am Tag durchlaufen." Lediglich Allerheiligen, Heiligabend, den ersten Weihnachtsfeiertag sowie an Fasching und Ostern gebe es ein paar wenige Schließtage. Und die Revisionswoche im September, bei der das Becken abgelassen, alle Filter gereinigt und die Schwallwasserbecken überprüft werden. "Wir machen fast alles selbst", betont Beck, lediglich die Wartung der Chlorgasanlage und der Lüftung müsse aus Gewährleistungsgründen an Firmen vergeben werden.

In den ersten sieben Monaten des Jahres haben 16.265 Menschen das Hallenbad besucht, 3865 waren in der Sauna. Im Jahr zuvor war das Bad zum Teil geschlossen, das Hallenbad nutzten im vergangenen Jahr 7562 Menschen, die Sauna nur 1101, im Jahr 2020 lagen die Zahlen bei 12.454 und 3762. Im Jahr 2019, also vor der Pandemie, zählte Beck 39.272 Hallenbad- und 14.478 Sauna-Besucherinnen und -Besucher. "Es gibt heuer noch Zurückhaltung durch Corona, aber ich hoffe, dass wir das noch aufholen", kommentiert Beck die Zahlen.

Saaletalbad hat eigenen Brunnen

Auch beim Personal angekommen sind die Nachfragen zum Wässern des Rasens im Sommer, das zum Teil in den sozialen Medien kritisiert wurde. Zum einen sei das Wasser des Hallenbades nach einer Untersuchung und nachdem das Chlor ausgegast war zum Gießen verwendet worden. In den Außenbecken bleibt den Winter über das Wasser, sie werden dann im Frühjahr gereinigt. Zum anderen sei die Hauptwasserleitung im Bereich des Sportzentrums erneuert worden. Weil die provisorische Leitung neben dem Graben in der Sonne lag, sei sie sicherheitshalber ständig gespült worden. "Wenn wir das Wasser schon laufen lassen, können wir es auch zum Gießen verwenden", dachte sich Beck. Ansonsten wäre der Rasen im Schwimmbad vermutlich nicht gegossen worden. Das Bad verfüge zwar über einen eigenen Brunnen, aber: "Mit dem gehen wir sehr sorgsam um", betont der Betriebsleiter.

Etwas Sorge bereite ihm die Entwicklung im Freibad: Früher habe es im Sommer oft Tage mit bis zu 3000 Besuchern gegeben, in diesem Jahr habe der Spitzenwert bei 1700 gelegen. Ein Grund seien die vielen privaten Pools, zudem fehle vor allem die Jugend: "Früher kam um 13 Uhr ein ganzer Schwarm aus den Schulen, jetzt haben viele ja bis 16 Uhr Unterricht und fahren danach heim", sagt Beck. Dabei koste die Jahreskarte für Jugendliche gerade einmal 60 Euro fürs erste und 30 Euro für jedes weitere Kind. "Wir tun viel für die Jugend", sagt Beck, trotzdem sei die Nachfrage "irgendwie abgerissen".