In zwei Wochen gehen drei Vorstellungen des Chors "ma so ma so" aus Gräfendorf und dem Vielharmonischen Hackschnitzelorchester unter dem Motto "Music was my first love" über die Bühne der Gemündener Scherenberghalle. Den Besuchern wird eine unterhaltsame Mischung aus Rock, Pop, Klassik und symphonischer Musik mit Soloparts, Orchester-, Chorstücken und Tanzeinlagen geboten. Momentan proben bis zu zehn Ensembles einzeln - engagiert, wie ein Blick hinter die Kulissen zweier Gruppierungen zeigte.


Rampen selbst gebaut

Am Abend sausen die Inliner vom "Starlight Express" durch die Gräfendorfer Turnhalle. Mirja Herch-Riedmann und die mitwirkende Nathalie Reinhart sind für Organisation und Choreografie verantwortlich. Ihre Gruppe wird gleich am Anfang des Konzerts für Furore sorgen: als wetteifernde Lokomotiven und Eisenbahnwaggons.
"Die Rampen hoch zur Bühne haben wir selbst gebaut", erzählt der 27-jährige Philipp Wagenpfahl, der als Lokomotive Rusty zwei Waggons anführt. "Wir sind im Sommer ziemlich oft zusammen Inliner gefahren", sagt Nathalie. Sie steht sicher auf den Rollen, und auch der Rest der Truppe fährt rasant los.

Philipp und die 22-jährige Franziska Görke singen ein Liebesduett als Lokomotive Rusty und Erste-Klasse-Waggon. Gar nicht so einfach, sich tief in die Augen zu blicken, gleichzeitig Hand in Hand im Kreis zu fahren und zu singen.


Scherze bei der Probe

Die Mitglieder der Inliner-Gruppe kommen alle aus Gräfendorf und Umgebung. Das sieht beim Vielharmonischen Hackschnitzelorchester ganz anders aus. Die erste von vier Orchesterproben steht an, und vor der Gräfendorfer Turnhalle stehen Autos mit lauter auswärtigen Kennzeichen. Gerade wird Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" geprobt. Gänsehaut schon beim ersten Ton. Was für ein Orchester, welch ein Musizieren auf der Stuhlkante.

Der Paukist hadert scherzhaft mit Dirigent Peter Silberbach, dass er ihm bitteschön nicht die eine Achtel klauen soll, weil er zu früh abgewinkt hat. Die Trompeten und Posaunisten, jeder ein Star für sich, müssen sich erst mal gewaltig klanglich austoben, bis sie einsehen, dass sie nicht die erste Geige spielen, weil sonst vom Streicherensemble nichts zu hören ist.

Vor Totos "Child Anthem" und "Rosanna" spielt das Orchester das Intro aus der "Night of the Proms"-Version. "Die Noten gab es nirgends zu kaufen, wir haben alles versucht", sagt Peter Silberbach. Saxofonist Christoph Arz hat Note für Note aus der Aufnahme "herausgehört".


Meister-Cello geliehen

Etliche Profimusiker sind mit von der Partie, sie sitzen gemischt zwischen hochengagierten Laienmusikern. Ruzanna Khachatryan spielt ein Meister-Cello. Die 53-jährige armenische Profimusikerin kam als Flüchtling vor knapp zwei Jahren nach Gräfendorf und wartet noch auf die Anerkennung ihres Asylantrags. Seit über einem Jahr spielt und singt sie im Chor "ma so ma" so mit. Das hochwertige Meister-Cello ist geliehen, der Chor hat es für sie organisiert und bürgt dafür.

Das Organisationsteam um Ernst Reinhardt, dem Präsidenten des Chors, überlässt nichts dem Zufall. "200 Quadratmeter ist die Bühne groß", Silberbach deutet auf einen aushängenden Plan. Wie ein Architekt den Grundriss eines Hauses hat er die Scherenberghalle maßstabgetreu abgebildet. Die vier Zuschauerblöcke, die Stühle für das Orchester, die Standorte der Sänger, das Pult für den Dirigenten, die Rampen für die Inlinefahrer. "Rund 130 Mitwirkende haben wir, als Sänger, Techniker, Musiker, Kartenabreißer oder Caterer", erzählt der Präsident.
Alle spielen, singen, tanzen und wirken mit - für nichts. Nur aus Liebe zur Musik, nur für den musikolympischen Gedanken: Dabei sein ist alles.

Geschichte Die Aufführung des Musicals "Der kleine Tag" setzte vor zehn Jahren in Gräfendorf den Startpunkt für ein reges Konzertleben, das in die Region ausstrahlt. Mit dem Erlös wurde der bei einem Unfall querschnittsgelähmte Christoph Häring unterstützt. Es folgten vier große Benefizkonzerte im Stil der Night of the Proms.

Neuer Verein Das fünfte Benefizkonzert mit drei Aufführungen am 12. und 13. November findet in der Scherenberghalle in Gemünden statt, zum ersten Mal unter Federführung des neu gegründeten Vereins "ma so ma so". Gezeigt wird auch ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. So ist ein Revue-Medley mit Stücken aus früheren Konzerten eingebaut, eine Szene aus "Der Kleine Tag", ein Auftritt der Blues-Brothers-Imitatoren und Tanzszenen aus dem Musical Grease.
Karten Die Samstagabendvorstellung am 12. November ist bereits ausverkauft, aber für die beiden Sonntagskonzerte, um 13.30 und 18.30 Uhr, gibt es noch Karten in der Bank Schilling Hammelburg, in den Filialen der Mainfranken Sparkasse in Gemünden, Lohr und Gräfendorf, im Gräfendorfer Dorfladen oder im Gräfendorfer Frisierstübchen Locken-Line. Weitere Info im Internet unter chor-masomaso@web.de