Der Grundsatzbeschluss fiel im Februar, jetzt geht es an die Umsetzung: Im Rahmen des jüngsten Waldbegangs schaute sich der Hammelburger Stadtrat den geplanten Standort für den neuen Waldkindergarten an, der vermutlich im März 2023 öffnen soll. Pflöcke im Boden markieren auf dem städtischen Grundstück zwischen Buch- und Sindlersberg nördlich der Kernstadt den Standort einer Schutzhütte. Die Konstruktion aus Holz mit einer einfachen Komposttoilette daneben kommt ohne Wasser- und Stromanschluss aus. Träger des Waldkindergartens ist die katholische Kirchenstiftung St. Johannes.

Offen blieb vorerst, wie die Hütte beheizt werden soll. Stadtbaumeister Detlef Mohr sagte, dass nur Gas oder Holz in Frage kommen, weil die Hütte keinen Stromanschluss habe. Beim Waldbegang zerstreute Förster Matthias Wallrapp Sorgen um eine Brandgefahr: "Wenn der Wald brennen kann, braucht man nicht zu heizen", verwies er darauf, dass die Hütte nur im Winter warm sein muss, wenn der Wald meistens feucht genug sei. Besprochen wurde auch, dass der Weg zum geplanten Waldkindergarten eine der letzten Möglichkeiten für Familienbäume wäre. Mittlerweile seien alle Plätze belegt, entlang des Weges könnten bis zu 20 Bäume gepflanzt werden.

Wallrapp stellte jedoch klar, dass der Aufwand auf dem felsigen Untergrund groß ist: Pro Baum müsste vermutlich mindestens ein Kubikmeter Untergrund ausgebaggert und mit guter Erde befüllt werden. Wenn trockenheitstolerante Baumarten gepflanzt werden, geht der Förster jedoch davon aus, dass sie nach einigen Jahren Gießen alleine zurecht kommen. "Im Wald ist die Strahlungswärme ja längst nicht so groß wie in der Stadt", nannte er einen Vorteil des ansonsten eher mageren Standortes.

Laut Stadtbaumeister Mohr hat die Stadtverwaltung den Standort der Hütte mit den Jagdpächtern, dem Forstbetrieb und dem Landratsamt abgesprochen. Die Hütte ist lediglich als Unterstand bei schlechtem Wetter gedacht, im Normalfall würden sich die Kinder immer draußen aufhalten. Die gedämmte Holz-Konstruktion soll auf Betonbalken gelagert werden. Alles sei leicht zu entfernen, falls der Bedarf an Betreuung im Waldkindergarten wieder sinke. Die Kosten schätzt Mohr auf rund 60.000 Euro, wies jedoch auf die derzeit unsichere Preisentwicklung hin. Endgültig würden die Kosten deshalb erst bei der Ausschreibung feststehen. Den Bau der Hütte bezahlt die Stadt, ansonsten beteiligt sich die Kommune am Betrieb nur im Rahmen der üblichen Defizit-Übernahme wie bei jedem anderen Kindergarten.

Kerstin Augsburg, Geschäftsführerin der katholischen Kindertagesstätten St. Marien und St. Josef, berichtet von ersten Anmeldungen für den Waldkindergarten. Hammelburger Kinder ab drei Jahren würden sofort eine Zusage bekommen, allerdings würden sich im Moment noch sehr viele Eltern mit jüngeren Kindern melden. "Die Kinder sollten selbstständig auf Toilette gehen können", nennt Augsburg als Auswahlkriterium. Deshalb richte sich das Konzept eigentlich an Kinder ab zweieinhalb bis drei Jahren. In den eigenen beiden Kitas kann die katholische Kirchenstiftung einen nahtlosen Übergang gewährleisten, die Kinder könnten also jederzeit wechseln. Bei Eltern mit Kindern aus anderen Kitas gebe es noch etwas Zurückhaltung, weil sie dort ihren Platz kündigen müssen.

Aktuell werde gemeinsam mit dem Landratsamt noch am Zulassungsantrag gearbeitet, deshalb stehe zum Beispiel die endgültige Zahl der Plätze noch nicht fest. Kerstin Augsburg ist aber zuversichtlich, dass der Waldkindergarten pünktlich zum März öffnen kann. "Wir haben auch schon zwei Erzieherinnen mit einer Leidenschaft für das Projekt", berichtet die Geschäftsführerin. Hinzu kommen soll noch eine Kinderpflegerin.

Kürzere Öffnungszeiten

Eine Einschränkung müssen Eltern hinnehmen: Der Waldkindergarten wird vermutlich nur rund sieben Stunden geöffnet sein, vermutlich von vor 8 Uhr bis zwischen 14 und 15 Uhr. Vorgesehen sei sogar nur die Buchung von sechs Stunden. "Erfahrungen aus anderen Waldkindergärten zeigen, dass die Kinder nach sechs Stunden erschöpft sind", berichtet Augsburg. Deshalb sei auch keine zusätzliche Betreuung in einem weiteren Kindergarten vorgesehen.

Aus Grundschulen gebe es viele positive Rückmeldungen zur Betreuung im Freien: Auch wenn die Kinder viel Zeit draußen verbringen, würden sie später im Unterricht sehr gut mitkommen. Die Förderung von Motorik und Bewegung in der Natur begünstige auch die kognitive Entwicklung. Aufgenommen würden fast alle Kinder, auch mit Migrationshintergrund, weil das Spielen die Sprachbildung fördere. Lediglich bei körperlichen Einschränkungen müsse geprüft werden, ob die Betreuung im Wald möglich sei.

Die katholische Kirchenstiftung plant für den Herbst eine Info-Veranstaltung, der Termin steht noch nicht fest. Anmeldung und weitere Informationen per Mail an Kerstin.Augsburg@kiga-hab.de.