Nach dem ersten Quartal 2020 war sich Geschäftsführer Walter Graf sicher: 2020 knackt "Perma-Tec" die Grenze von 100 Millionen Euro Umsatz. Die Corona-Pandemie hat am Ende zwar für den ersten Umsatz-Rückgang seit zehn Jahren von 97,4 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 95,6 Millionen Euro gesorgt. Trotzdem bleibt Graf entspannt: "Das war nicht weiter dramatisch, wir haben keine Kurzarbeit gebraucht und schon gar nicht Personal abgebaut", fasst er die aktuelle Lage zusammen.

Seit 30 Jahren ist Walter Graf als Geschäftsführer bei Perma-Tec. Die neuen Eigentümer holten ihn 1991 kurz nach der Übernahme (siehe unten). Damals habe das Unternehmen gerade einmal sieben Millionen Euro Umsatz gemacht erinnert sich der Diplom-Ingenieur. Eigentlich wäre der 68-Jährige bereits in Ruhestand, auf Wunsch der Eigentümer verlängerte er seinen Vertrag allerdings um drei Jahre. "Der Übergang wird momentan geregelt, kommendes Jahr höre ich endgültig auf", sagt Graf, der aus dem Bayerischen Wald stammt und Kunststoff-Technik studiert hat.

Viele langjährige Mitarbeiter

Nicht nur für Graf ist Perma-Tec in Euerdorf "wie eine Familie". Auch in der Produktion gibt es viele langjährige Mitarbeiter. Wer besonders lang dabei ist, bekommt sogar von den Geschäftsführern persönlich eine Aufmerksamkeit zum Geburtstag. Thomas Kreuzer aus Waizenbach etwa ist seit 18 Jahren im Unternehmen. "Hier will ich bis zu meiner Rente arbeiten", sagt der 52-Jährige lachend, während er einen "Perma Ecosy" montiert, eines der wenigen Mehrpunkt-Schmiersysteme, das bis zu sieben Liter Öl an schwer zugänglichen Stellen etwa in Rolltreppen verteilt.

Solche Geräte mit mehreren Anschlüssen sind aber die Ausnahme: Weltmarktführer ist Perma-Tec vor allem bei der Einzelpunkt-Schmierung: Mehr als drei Millionen der kleinen Geräte, die automatisch Fett oder Öl in Motoren, Pumpen, Lüfter oder Druckmaschinen pressen, werden jährlich in Euerdorf produziert. "Wir haben einen hohen Automatisierungsgrad, eine Verlagerung in Billiglohnländer würde wenig Einsparung bringen", betont Graf. Lediglich spezielle Schmierstoffe würden dann noch in den Niederlassungen eingefüllt, in Australien etwa Fette für spezielle Maschinen in den zahlreichen Bergwerken.

Bis heute produziert wird der "Perma classic", der den Schmierstoff über eine chemische Reaktion einspeist. Längst gibt es aber auch Schmiersysteme mit Motoren. Mehr als 40 Patente hat Perma-Tec angemeldet, die neueste Entwicklung ist der "Ultra" mit Bluetooth-Funktion.

Garant für stabile Einnahmen

Wenn der Euerdorfer Bürgermeister Peter Bergel über "Perma-Tec" spricht, leuchten die Augen: "Wir sind alle froh, dass wir ein Unternehmen in der Gemeinde haben, das international führend ist." Das stetig wachsende Unternehmen sei "Gold wert", sagt der Rathaus-Chef und meint das ganz konkret: "Perma-Tec ist der mit Abstand größte Gewerbesteuer-Zahler, da kommt danach lange nichts", berichtet Bergel, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Besonders erfreulich sei, dass trotz Corona-Pandemie die Gewerbesteuer auch 2020 konstant fließe.

Dass die Unternehmensleitung so optimistisch durch die Krise steuerte, freut auch Bergel: "Wenn die Geschäftsführung von Perma-Tec entspannt ist, ist der Markt Euerdorf entspannt." Neben der Steuerkraft sorgten die rund 180 Beschäftigten am Standort aber auch für Belebung des Altorts: Bäcker, Metzger, Supermarkt, Imbiss: Alle würden profitieren. Bergel freut sich auch, dass das ehemalige Rathaus an Perma-Tec verkauft wurde. "Da können sie sich weiter vergrößern." Die Gemeinde werde alles dafür tun, dass auch baulich die weitere Entwicklung gesichert werde.

Keine Produktion in Richtung Wohnbebauung

Was genau auf dem bisherigen VG-Gelände angesiedelt wird, steht laut Geschäftsführer Walter Graf noch nicht fest. Klar sei nur, dass dort in Richtung Wohnbebauung keine Produktion angesiedelt werden soll. Genau überplant werde das gegenüber der Einfahrt von der Bundesstraße her höher liegende Gelände vermutlich erst in den kommenden zwei bis drei Jahren. Vielleicht könnte die Perma-Tec-Verwaltung an den Zeilweg umziehen, aktuell sind die Büros in einem Gebäude untergebracht, das von der Statik her ursprünglich für die Produktion gebaut wurde. Dort könnten jederzeit wieder Maschinen aufgebaut werden.

Für die kaufmännische Seite ist bei Perma-Tec Geschäftsführer Peter Mayr zuständig. "Wir sind in nahezu allen Industriebranchen vertreten", zählt er Maschinenbau, Kraftwerke, Bergbau und vieles mehr auf. Die automatische Schmierung habe gleich mehrere Vorteile: Geringere Personalkosten, geringere Unfallgefahr und längere Laufzeiten durch gleichmäßige Schmierung. Und: Mit seinem großen Netz an Außendienst-Mitarbeitern bietet Perma-Tec einen Rundum-Service mit Montage und Wartung an. Einer der ersten Schritte in den 1990er Jahren sei gewesen, sich die Vertriebsrechte an den Perma-Produkten wieder zurück zu holen.

Besonders wichtig ist der Geschäftsführung die Forschungs- und Entwicklungsabteilung: Sie mache aktuell rund zehn Prozent der Belegschaft aus. "Wir wollen nicht nur Markt-, sondern auch Technologie-Führer bleiben", sagt Graf. Das sei auch deshalb nicht leicht, weil die Produkte immer wieder kopiert werden. Dazu gehöre auch die hohe Automatisierung: Die Einzelteile werden zwar aus der ganzen Welt zugekauft, montiert wird aber auf selbst entwickelten Maschinen in Euerdorf.

Ständig neue Ideen umsetzen

"Wir haben heute Produkte, die es vor 15 Jahren so noch nicht gab", sagt Graf. In Zusammenarbeit mit Kunden würden ständig neue Ideen umgesetzt. Zunächst sei beim Modell "Nova" der Temperatureinfluss auf die chemische Reaktion ausgeglichen worden. Heute sei der 1996 entwickelte "Star" mit elektronischen Steuerung und Motor der Haupt-Umsatzträger. Zum 1. Februar wurde der "Ultra" eingeführt: Er fasst bis zu einem Liter Schmierstoff und presst mit bis zu 50 bar. Und er hat eine Bluetooth-Funktion, damit die Unternehmen über eine mitgelieferte Software alle Schmierstoffgeber auf einen Blick überwachen können.

Aus der Geschichte von Perma-Tec

Anfänge Im Jahr 1934 entsteht in Bad Kissingen die Metallwarenfabrik Satzinger für Haus- und Küchengeräte. 1964 lässt sich Gebhard Satzinger das von ihm entwickelte Einzelpunkt-Schmiersystem "Perma Classic" patentieren. Im Jahr 1989 verkauft die Familie Satzinger das Unternehmen.

Aufbau Ab 1991 stellen die neuen Eigentümer ein neues Management ein. In den USA wird die erste Niederlassung aufgebaut, mit rund 60 Mitarbeitern ist es heute die größte. In Australien sind es 20 Mitarbeiter. Daneben gibt es heute kleine Niederlassungen in Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, Indien und Chile. Das Unternehmen Satzinger wurde im Jahr 2000 zu "Perma-Tec" umbenannt, der Name des Produktes ist seitdem also im Firmennamen.

Areal Das Firmengelände in Euerdorf ist stetig gewachsen: 2005 wurde eine neue Produktions- und Lagerhalle fertig und das Bürogebäude erweitert. 2011 entstand ein weiterer Neubau mit Lager und Büros an der Bundesstraße.

Aktuell Perma-Tec hat heute 271 Mitarbeiter weltweit, davon 182 am Unternehmenssitz in Euerdorf.