Wanderer, Naturfreunde und Liebhaber historischen Handwerks werden ihre Freude an zwei neuen Wanderwegen haben, die jetzt in Obereschenbach und Machtilshausen eröffnet wurden. Unter dem Motto "Kalk- und Kultour - erleben in der Natur" warten abwechslungsreiche Rundwanderstrecken auf die Besucher, die neben Flora. Fauna und Panoramasicht, einen Einblick in die Bedeutung des Jahrtausende alten Baustoffs geben: den Kalk.

Die restaurierten Kalkbrennöfen in Machtilshausen und Obereschenbach sind das Herzstück der fünf bis acht Kilometer langen Rundstrecken. Bei höllenheißen Temperaturen von 1 200 Grad brannten die Vorfahren hier den Muschelkalk, bis heute ein vielseitiger Baustoff. Das alte Handwerk hinterließ seine Spuren: Unter anderem als Trockenmauern, die Pflanzen und Tieren bis heute Lebensraum bieten. In Machtilshausen ist zudem noch eine Steinabbau-Stelle zu sehen.

Im Elfershausener Ortsteil hieß Bürgermeister Johannes Krumm im Hof des "Schreinerschhaus" rund 50 Besucher willkommen, unter anderem Vize-Landrat Gotthard Schlereth, "Grüngitter"-Projektmanagerin Julia Grauberger, Allianz-Manager Holger Becker und die heimischen Mit-Initiatoren Ingrid und Stefan Mützel vom Verein für Brauchtum und Gartenpflege Machtilshausen.

"Wozu brauchte es weiterer Wanderwege mit Beschilderung?", so die rhetorische Frage von Krumm. Es sei ein weiterer Baustein, um kulturhistorisches Wissen, Artenvielfalt und Naturschönheit an Gäste aber auch - besonders jugendliche - Einheimische zu vermitteln. "Ich kann mir vorstellen, dass Kindergärten und Schulen diesen Lehr-Weg für den Unterricht und für Ausflüge nutzen", sagte Krumm, der im folgenden den Wanderweg skizzierte.

Er beginnt am Feuerwehrhaus und ist mit insgesamt neun Info-Tafeln ausgestattet. Von hier zum Schreinerschhaus führend, schließt er die alten Weinbergsmauern und den Hohlweg am "Fuchsloch" ein, wie auch den vom Landkreis bewirtschafteten Weinberg. Über den Wacholderberg und den Steinbruch mündet er beim Kalkofen und endet schließlich am Kirchenturm, in dem Fledermäuse ihr Quartier bezogen haben. Schrift und Fototafeln bieten an den entsprechenden Punkten umfassende Informationen. Sogar geführte Wanderungen zieht Krumm in Erwägung.

Das Landkreisprojekt wird vom Bayerischen Naturschutzfond gefördert. Ziele sind unter anderem die biologische Vielfalt (Biodiverstät) und hochwertige Lebensräume zu erhalten, Flächen ökologisch aufzuwerten und die Vernetzung von Lebensräumen. Für den Markt Elfershausen ist Projektmanagerin Julia Grauberger zuständig.

Der heutige Kalkofen wurde vor mehreren Jahren vom heimischen Verein für Gartenbau, Heimat- und Brauchtums-Pflege in Kooperation mit dem Landratsamt an gleicher Stelle wie das 1930 erbaute Original wieder aufgebaut. Bis in die 60er Jahre brannten die Machtilshausener hier noch regelmäßig Kalk. Aus Sicherheitsgründen wurde er kurze Zeit später zugeschüttet.

Stellvertretender Landrat Gotthard Schlereth nannte es "wichtig, sich auf seine Wurzeln zu besinnen". Das Projekt sorge auch in den Nachbargemeinden für Beachtung. "Ein sinnvolles Miteinander ist die beste Lösung, unsere Natur zu schützen und zu bewahren", betonte er.

Gemeindereferentin Monika Hufnagel nannte in einer kurzen Lesung den Wanderweg "einen Ort an dem die Seele baumeln kann". Im Anschluss eröffneten die Gastgeber die Route mit dem Durchtrennen des weinlaubgeschmückten Bands und liefen einige Stationen unter Führung von Grauberger an. Im Schreinerschhaus, vor dem Musikvereinigung Machtilshausen den Festakt begleitete, endete die Eröffnungsfeier mit einem Umtrunk.