Zum 20. Mal fand das Mainpop Bandcamp des Bezirks Unterfranken dieses Jahr in der Musikakademie statt. Die Idee eines solchen Workshops hatte Peter Näder, der ersten Popularmusikbeauftragte des Bezirks, bereits vor über 20 Jahren. Trotz der Nähe zur Heimat waren auch dieses Jahr wieder nur wenige Teilnehmer aus Hammelburg und Umgebung mit dabei.

Das Bandcamp startete im Jahr 2001 mit 20 Teilnehmern - mittlerweile hat sich die Zahl aber deutlich erhöht. Dieses Jahr waren 24 Musiker im Level A (zwölf bis 16 Jahre) und 57 im Level B (ab 16 Jahren) mit dabei. Die beiden Altersgruppen finden sich jeweils vier Tage lang an der Musikakademie ein, um dort am Workshop teilzunehmen. "Einige kommen jedes Jahr", freut sich der aktuelle Popularmusikbeauftragte Benjamin Haupt. Aber: Pandemiebedingt musste der Workshop vor zwei Jahren ausfallen. "Im A-Level bekommen wir das noch ein bisschen zu spüren", verdeutlicht Haupt. Vor drei Jahren waren auch dort noch knapp 40 Teilnehmer angemeldet. Für die Zukunft ist er allerdings optimistisch, dass sich die Anzahl auch bei den Jüngeren wieder erhöhen wird.

Coaches aus ganz Deutschland

Bei dem Camp handelt es sich um einen klassischen Coach-Workshop mit dem Fokus auf Musikern mit Bandinstrumenten. Aber: Nur vereinzelt melden sich bereits komplette Bands an - oft sind es Einzelkünstler. "Viele Instrumente machen nur in einer Gruppe Sinn. Die Teilnehmer lernen bei uns kennen, wie es ist, wirklich in einer Band zu spielen", beschreibt der Popularmusikbeauftragte das Ziel des Camps.

Zu Beginn des Workshops werden alle Teilnehmer auf dem sogenannten "Bandbasar" in Gruppen eingeteilt, in denen sie schließlich vier Tage lang zusammen als Band spielen. Entscheidend bei der Aufteilung ist hier am Ende vor allem, dass die Musikinstrumente zusammenpassen. Nicht immer sind nur die klassischen Bandinstrumente wie E-Gitarre oder Schlagzeug mit dabei. Es gab auch schon Teilnehmer mit außergewöhnlicheren Instrumenten - zum Beispiel eine Geige.

Unterrichtet werden die Teilnehmer von insgesamt acht Dozenten. Dabei handelt es sich um Coaches aus ganz Deutschland, die viel Live-Erfahrung mitbringen. Unter anderem mit dabei sind Studio- und Tonmusiker, Musikproduzenten und Songwriter. Einige arbeiteten schon mit Stars wie Beatrice Egli oder Glasperlenspiel zusammen. Und: Viele davon sind selbst ehemalige Teilnehmer. So auch die diesjährige Gesangsdozentin Victoria Semel: "Für mich war das Camp damals die beste Zeit im Jahr. Deswegen habe ich mich schließlich dazu entschieden, Musik zu studieren", betont die Berufsmusikerin. Mittlerweile unterstützt sie die Teilnehmer zum sechsten Mal als Coach.

Freundschaftliche Atmosphäre

Bereits zum zweiten Mal nehmen auch der Hammelburger Leon Vierheilig und der Westheimer Louis Schricker teil. Den beiden 14-Jährigen gefällt vor allem die freundschaftliche Atmosphäre während des Workshops. Auch Haupt bestätigt: "Das soziale Miteinander ist super. Jeder zieht am gleichen Strang, mit dem Ziel, Musik zu machen." Bandneugründungen sind also nicht das Hauptziel des Camps. Am Ende sollen aus den Teilnehmern eigenständige Musiker werden. Deshalb schreibt jede Band während des Workshops zwei eigene Songs, die sie schließlich bei einem Abschlusskonzert präsentiert. "Wir machen vier Tage lang nichts anderes als Musik. Der kreative Output ist riesig", freut sich Haupt.

"Man sieht die Kinder mit der Zeit wachsen", erzählt Semel. Und auch die beiden 14-Jährigen aus Hammelburg sind sich einig: "Wir haben in der kurzen Zeit super viel Neues gelernt." Vierheilig lernte sogar das Bassspielen während des Camps. Das freut den Popularmusikbeauftragten besonders, denn einen Mangel an Bassisten gebe es jedes Jahr. Und: Die Teilnehmeranzahl an Frauen und Männern sei zwar relativ ausgeglichen (40 Prozent Frauen und 60 Prozent Männer), dennoch mangelt es häufig an männlichen Sängern. "Oft machen die Frauen das Singen und das Songwriting", beobachtet Haupt.

Durch die Pandemie war der Besuch des Abschlusskonzertes für die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren und auch diesmal nicht möglich. Mit Entspannung der Coronalage hoffen alle, dass in Zukunft wieder mehr Menschen an den Konzerten teilnehmen können. Die Ergebnisse seien jedes Jahr großartig, betont Haupt. Auch ein weiterer Dozent ist der Meinung: "Die Zeit ist zwar sehr intensiv, aber positiv intensiv." Milena Meder