Jede Menge Titel gaben Kollegen und Schüler der scheidenden Konrektorin Monika Horcher bei der offiziellen Verabschiedung mit auf den Weg: Schul-Mama, Computer-Checkerin, grünes Gewissen mit roten Haaren oder Powerfrau. "Sie hat ja schon fast in der Schule gewohnt", sagte einer der Lehrer in einem Rollenspiel. Als "direkt, ehrlich, fürsorglich und praktisch veranlagt" wurde sie darin charakterisiert. Am Freitag war der offiziell letzte Arbeitstag der 66-Jährigen, die auch kommunalpolitisch sehr aktiv ist: Bis Ende 2021 saß sie für die Grünen im Kreistag. "Weil ich nicht mehr rumgekommen bin", habe sie dort nach 25 Jahren Platz für Jüngere gemacht. Ihr Mandat im Stadtrat will Horcher allerdings behalten.

Würdigung durch die Schulrätin

Schulrätin Birgit Herré ging auf das bewegte Leben der scheidenden Konrektorin ein: Sie kam 1956 in Marktbreit zur Welt, besuchte dort Grundschule und Gymnasium. Kurz nach Gründung der Fachoberschulen wechselte sie in die neue Schulart, war das einzige Mädchen unter rund hundert Schülern im technischen Zweig. Was sie beim Wechsel noch nicht wusste: Mit dem Fachabitur konnte sie kein Lehramtsstudium beginnen, ihr Traumberuf war ihr also zunächst versperrt. Dabei wollte sie immer in die Fußstapfen ihres Vaters treten, der an einer Realschule unterrichtete, sagt Monika Horcher.

Mit Leib und Seele Lehrerin

Stattdessen studierte sie Vermessungswesen und ging in den Staatsdienst - zunächst in Ansbach, ab 1989 in Würzburg. Ein großer Schicksalsschlag sei der Unfalltod ihres Mannes gewesen, Monika Horcher musste sich alleine um die beiden Töchter kümmern. Im Jahr 2005 bot die Staatsregierung dann Beamten technischer Berufe an, in den Schuldienst zu wechseln. "Viele, die das gemacht haben, sind später wieder in den alten Beruf zurück", erzählt Horcher. Sie selbst habe es aber durchgezogen und sei gerne Lehrerin gewesen: "Ich bin jeden Tag fröhlich in die Schule gegangen, weil es mir Spaß gemacht hat."

Dabei sei ihr eigener Start ins Schulleben gar nicht schön gewesen: Im Winter 1962/63 habe sie jeden Tag durch hohen Schnee zur Schule laufen müssen. Rektorin Inka Hoffmann zitierte aus Horchers Zeugnis von damals: "Monika muss ihren Mund halten lernen", hieß es darin, gleichzeitig wurde ihr attestiert "anständig, aufmerksam und fleißig" zu sein. Hoffmann und die anderen Redner lockerten die Verabschiedung mit weiteren heiteren Anekdoten auf. Horchers Büro wurde als "Kommandozentrale" bezeichnet, vor allem ihr technisches Verständnis und ihre Tätigkeiten als Datenschutzbeauftragte und Personalrätin wurden besonders gewürdigt.

Nach der Umschulung zur Lehrerin ging es zunächst nach Gemünden an die Mittelschule, ab 2010 unterrichtete Monika Horcher in Euerdorf. 2013 wechselte sie an die Mittelschule Hammelburg. Dort übernahm sie zunächst die Wirtschaftsklassen, in den vergangenen 13 Jahren habe sie insgesamt zehn Klassen zum Abschluss geführt. Monika Horcher sei immer wieder für Kollegen eingesprungen, Schulrätin Birgit Herré sprach von einem "unermüdlichen und sehr persönlichen Einsatz". Horchers Schwerpunkte waren Mathematik, Informatik und Naturwissenschaft, letztlich habe sie aber überall ausgeholfen - mit "Zuckerbrot und Peitsche".

Eine Denkerin und Strategin

2018 wurde sie zur Konrektorin ernannt. Als "Denkerin und Strategin" habe sie Vertretungspläne und Prüfungen organisiert. "Du warst frühs meist die erste und abends oft die letzte im Schulhaus", sagte Inka Hoffmann. Auch Personalratsvorsitzende Sabine Oschmann-Hockgeiger, Bürgermeister Armin Warmuth, Schüler aus allen Klassen und weitere Redner würdigten Horchers Einsatz für die Schule. Und was macht die 66-Jährige jetzt im Ruhestand? Auf alle Fälle will sie mehr Zeit mit ihrem zweiten Mann Klaus sowie den fünf Enkeln verbringen. Zudem habe sie etliche Pläne, allerdings verrate sie die nicht. Und: "Ich komme auch gerne mal wieder in die Schule, aber nur wenn ich eingeladen werde."

Musikalisch umrahmt wurde die Verabschiedung von der Bläserklasse der Schule, Christiane Filippi-Bönsch und der Schulband unter Leitung von Hannah Silberbach.