Mit Unbehagen sieht die Jägerschaft die Zunahme - vermutlich illegal - ausgewilderter Tiere in ihren Revieren, speziell Luchse und die sich schnell vermehrende Zahl von Wildkatzen. Zwar kann die ungenehmigte Auswilderung nicht bewiesen werden, doch lässt das Verhalten der Tiere bei erfahrenen Jägern den Schluss zu, dass die Vierbeiner an den Menschen gewöhnt sind.
Was die Freisetzung von Zucht- oder gehaltenen Tieren angeht, so ist die Auswilderung offiziell über die Oberste Jagdbehörde zu beantragen, stellte der Leiter des Bayerischen Forstamts Hammelburg, Gunter Hahner, in der Öffentlichen Rehwildhegeschau der BJV-Kreisgruppe Hammelburg im Gasthof "Stern" in Obererthal klar.


Hege- und Pflege

Gruppenvorsitzender Daniel Lohfink hieß hier nahezu 150 Anwesende willkommen, unter ihnen die stellvertretende Landrätin Monika Horcher, die der Jägerschaft des Altlandkreises die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags bestätigte. Die Trophäenausstellung nannte sie "nur äußeres Zeichen des Selbstverständnisses und Traditionsbewusstseins der Jäger".
Die Hegeschau vermittle auch ein Bild jagdlich-pflegerischer Aktivitäten, zum Beispiel bei der zahlenmäßigen und strukturellen Wildbestands-Entwicklung aber auch zu Hege- und Pflege-Aktionen wie etwa Biotopverbesserungen, der die "grüne" Kreistagsabgeordnete besondere Bedeutung zumaß. Die Bemühungen der Waidleute förderten in der jüngsten Drei-Jahres-Periode "einen angemessenen Wildbestand, der die Situation im Landkreis relativ entspannt darstellt", so Horcher. Die Verbiss-Situation habe sich insgesamt verbessert.
"Der Landkreis Bad Kissingen beweist, wie Wild und Wald zusammen geführt werden können. Nur knapp zehn Prozent Verbiss im Schnitt sind eine Spitzenposition in Bayern", lobte Oberforstrat Bernhard Zürner vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. "Wir versuchen den Wald der Zukunft zu schaffen, die Jäger sind dabei eine wichtige Stellschraube", versicherte er.
Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner, der das gute Verbiss-Ergebnis hervorhob, ist der Meinung, "die Bürokratie auf diesem Sektor sollte etwas zurückgenommen werden". Das Schwarzwild betreffend, informierte er zu den Trichinenuntersuchungen, die ebenfalls eine Vereinfachung erfahren.
Ein konträrer Aspekt ergibt sich für den MdL zur Frage: "Ist der Jäger ein Hobbyist oder ein Unternehmer?" Das Thema behandeln verschiedene Institutionen nach ihrer Auffassung. So ist der Jäger, der sein Wildbret vermarktet, ein freier Unternehmer, der sozialversicherungspflichtig ist. Bei 4500 Tonnen Wildbret, das in Bayern "als gesundes Lebensmittel" auf den Markt kommt, ist dies zu hinterfragen. Jagdberater Helmut Keller nannte die Abschusserfüllung bei den Rehwildbeständen in den sieben Hegegemeinschaften des Altkreises "problemlos". Sie wurden mit 102 Prozent erfüllt. Beim Schwarzwild vermeldet Keller einen Rekord von 1623 Stück. Die - wie beim Rehwild gestiegene Population - ist bei den "Schwarzkitteln" auf ausgiebige Eichel- und Buchenmasten zurückzuführen. Leiter des Schwarzwild-Hegerings ist übrigens neuerdings Julian Grundhuber. Vorsitzender Lohfink warb, abschließend für "gut nachbarschaftliche" Nachsuche-Vereinbarungen durch ausgebildete Hundeführer und Tiere. Der Landesjagdverband hat dazu ein Merkblatt herausgegeben, das die Anerkennung von Nachsuche-Gespannen regelt, sofern angeschossenes Wild in ein anderes Revier wechselt. Damit will das Bundesjagdgesetz das Tier vor vermeidbaren Leiden bewahren. Nicht zur Sprache kam ein Thema, das kürzlich diskutiert wurde, nämlich wildernde Hunde. Auch von der BJV-Kreisgruppe angeprangert, war es bei der Hegeschau kein Diskussionspunkt.