Radler steigen ab, Passanten bleiben stehen und die Bänke auf dem Marktplatz sind begehrt. Auch der Imbiss und die Eisdiele profitieren von der Groß-Baustelle direkt nebenan: Der Abriss des ehemaligen Kaufhauses ist eine echte Attraktion mitten in der Hammelburger Altstadt, zum Teil stehen dutzende Menschen - in gebührendem Corona-Abstand - zusammen und tauschen Erinnerungen an das frühere Kaufhaus aus. Für viele überraschend ist auch der völlig neue Blick auf das frisch renovierte historische Rathaus: Einen Sommer lang können die Hammelburger die Ost-Seite bewundern, bis das künftige Bürgerhaus den Blick wieder versperren wird.

Mit rund 6500 Kubikmetern gibt Architekt Andreas Reuter von der Hochbau-Abteilung der Stadt Hammelburg den umbauten Raum des ehemaligen Kaufhauses an. Er schätzt die Zahl der Lkw-Ladungen zum Abtransport des Materials auf 60 bis 70 - vorwiegend Mauerwerk, Beton, Holz und Stahl. Wegen der beengten Verhältnisse in der Altstadt werde sämtliches Material zunächst auf dem Platz hinter dem Sportzentrum zwischengelagert. Dort zerkleinern Bagger den Stahlbeton weiter, ein Spezialaufsatz mit Magnet fährt über den Steinhaufen und fischt den restlichen Baustahl heraus. Jede Menge große Stahl-Träger werden bereits auf der Baustelle extra verladen. Reuter betont, dass das Material zunächst untersucht werde, bevor es entsorgt oder auf einer anderen Baustelle wieder verbaut wird.

Keller-Geschoss wird ertüchtigt

"Das Kaufhaus wird bis auf Oberkante der Kellerdecke abgebrochen", berichtet Reuter, und: "Erhalten bleiben sollen lediglich in Teilbereichen die Außenwände an der Süd- und Ostseite in Erdgeschosshöhe mit rund 3,5 Metern." Im Kellergeschoß und an dessen Decke seien Ertüchtigungs- und Umbauarbeiten erforderlich: Unter anderem müssten neue Öffnungen für den geplanten Aufzug und künftige Treppenhäuser geschaffen werden, umgekehrt werden die drei bisherigen Treppen in den Keller abgebrochen und die Lücken in der Betondecke geschlossen. Außerdem gehört zu den Arbeiten im Untergeschoss das "Schleifen des Kellergewölbes".

"Die Abbrucharbeiten sind erschwert durch den baurechtlich nötigen Erhalt der Kellerdecke", berichtet Reuter auf Nachfrage. Die zulässige Flächenlast der Decke betrage fünf Kilonewton pro Quadratmeter. Das bedeutet: Auf eine Fläche von einem auf einem Meter darf nur eine halbe Tonne Last stehen. "Befahren mit schwerem Gerät ist nur bedingt möglich", fasst Reuter die Auflage zusammen, allerdings seien Ertüchtigungen für den Abbruch in Absprache mit dem Tragwerksplaner möglich.

Beengte Platzverhältnisse

Auch die beengten Platzverhältnisse schränken das Abriss-Unternehmen ein: Die Stadt habe bereits im Leistungsverzeichnis darauf hingewiesen, dass die Baustelleneinrichtung wegen der angrenzenden Gassen und der beschränkten Flächen nur sehr beengt möglich sei. "Als Flächen stehen lediglich Teile des Buttenmarktes zur Verfügung, auf der Marktplatzseite nur ein Streifen von circa acht Metern vor dem Gebäude", berichtet Reuter. Im sogenannten Schillingsgässchen müssen die Hauszugänge freigehalten werden, gegenüber muss der Fluchtweg aus dem Rathaus frei bleiben. Die Toilettenanlage im Rathaus wurde mittlerweile gesperrt und stattdessen die Toiletten im Durchgang zum Kellereischloss angemietet, weil die Gefahr während des Abbruches einfach zu groß sei.

Offen ist derzeit noch, wann der geplante unterirdischen Verbindungsgang zwischen dem künftigen Bürgerhaus und dem Rathaus gebaut wird. Das Landesamt für Denkmalschutz hatte darauf bestanden, dass es keine sichtbare Verbindung zwischen den beiden Gebäuden geben wird. Zudem soll der Verbindungsgang zwischen dem historischen Weinkeller unter dem Rathaus und dem Untergeschoss des Bürgerhauses in Zukunft auch als zweiter Fluchtweg bei Veranstaltungen dienen.

Die Durchbrüche im Zusammenhang mit dem Verbindungsgang fallen laut Reuter nicht in die Abbruch-Arbeiten, sondern werden vom Erd-, Maurer- und Betonunternehmer durchgeführt. Die Firma Burger Bau werde voraussichtlich in der Woche nach Pfingsten einen großen Kran auf dem Buttenmarkt aufstellen, dessen Kranarm dann bis vor zum Marktplatz reicht. Vermutlich werde dann auch mit dem Übergang zum Rathaus begonnen. Allerdings prüfe die Firma aktuell noch, wie genau der Bauablauf am sinnvollsten zu den beengten Platzverhältnissen passe.