Nach dem Fasching ist vor dem Männerballett-Turnier - jedenfalls im Hammelburger Stadtteil Untererthal. Zehn Herren-Tanzriegen lockten vor allem ein weibliches Publikum lockten. Bereits am frühen Nachmittag an der Erthalhalle um Eintrittskarten anzustehen, um abends seinen Platz zu stürmen, hat hier schon Kultstatus.
Bei der 14. Auflage fielen jedoch einige Veränderungen ins Auge. So sind offensichtlich auch die Männerballetts von höheren Anforderungen betroffen. Schnellere, treibende Rhythmen, Dynamik, Akrobatik, Themen-Ideen und Kostüme unterliegen jetzt auch bei der maskulinen Spezies dem Faschings-Zeittrend. Es genügt halt nicht mehr in der Badehose herum zu hüpfen.
Bei zwei Absagen starteten die Obereschenbacher Boys mit ihren "Videogames". Sie waren Super-Sonics aus dem virtuellen Raum, die man kennen sollte, um das Spiel zu verstehen. "Clown-Town", der Beitrag der Männer-Garde aus Wiesentheid-Kleinlangheim, ging mit einem gewissen Bonus ins Rennen. Die etwas bösartig wirkenden Harlekins verwandelten sich in lustige Clowns.
Das Männerballett aus Schlüchtern versprach "Wir rocken den Saal", was ihnen mit einem Musical-Potpourri, eine Mischung aus Rock und Evergreens, gelang. Mit Spannung erwartete das Publikum auch heuer die knackigen Kerls des Fuschter Faschings-Clubs. Heuer als Schotten, legten sie einen authentischen - und schweißtreibenden - Highlander-Tanz auf das Parkett, der Anerkennung forderte. Die weit angereisten "Zuckerpuppen" aus Aschbach waren tatsächlich alle Männer. Wer hätte dies von den "sexy Damen" geglaubt?


Aufwendige Kostüme

Die Untererthaler Karnevals-Gesellschaft (UKG) nimmt als Veranstalter das Turnier zur Vorstellung seiner eigenen Garden wahr, die außer Konkurrenz auftreten. Die Kindergarde stellte sich mit einem frisch-fröhlichen Sommerspektakel vor, die UKG-Jugendgarde wählte die vier Elemente als Thema. Moderator war Marc Scheller. Den perfekten Stimmungs-Sound brachte DJ Mozel in den Saal, bei dem sogar das Küchenpersonal mittanzte.


Harte Jungs

Für ein Dschungel-Abenteuer entschieden sich die Waigolshausener Tänzer. "Madagaskar" erwies sich als aufwendige, gut einstudierte Vorstellung. Das Männerballett aus Oberthulba, Dauergast in Untererthal, widmete sich "der Wies'n". "O'zapft is" entpuppte sich als Oktoberfest-Parodie in Dirndl 'n und Lederhosen und mit viel Bier aus der "Hell-Öwer-Bräu".
Einen Trip auf die Reeperbahn gönnten sich die Jungs aus Wolfsmünster, die in furiosem Tempo als Matrosen den "Schönen der Nacht" huldigten. Harte Männer aus Altbessingen - wo das nächste Männerballettturnier in der Region stattfindet - stiegen in den Ring. "Rocky" Balboa ließ grüßen.
Eine Idee, die Kenner begeisterte, etablierte das Herrenballett aus Bad Neustadt. Die androgyne "Rocky Horror Picture Show" in Strapsen, Reizunterwäsche und Netzstrümpfen kam dem Original verdächtig nahe und ließ fast den Schluss zu: "Die waren doch damals dabei?"
"Komm doch mal zum Taj Mahal", das verführerische Casting der UKG-Showtanzgarde sowie das Männerballett des Veranstalters, die "Brösel-Bande" mit dem lustig-schmissigen "Charly und die Schokoladenfabrik", bildeten den offiziellen Abschluss des Abends, der aber noch lange nicht zu Ende war.
Unter dem olympischen Motto "Nicht siegen sondern mitmachen ist wichtig", sollte auch dieses Turnier gesehen werden. Freude und Spaß sollten in der ersten Reihe stehen, die Lorbeeren kommen danach. Diese nahmen die "O'zapfer" aus Oberthulba mit, die den ersten Platz belegten. Rang zwei ging an die "Wild Beasts" aus Waigolshausen mit "Madagaskar". Die "Rocky Horror Picture Show" der Bad Neustädter erhielt die "Bronzemedaille".