Der Bundeswehr-Standort Hammelburg steht aktuell bestens da: Das Verteidigungsministerium hat für die kommenden Jahre Investitionen von mehr als 180 Millionen Euro auf dem Lagerberg genehmigt, die Stadt erhielt heuer Rekord-Nachzahlungen bei der Gewerbesteuer. Vor neun Jahren war das noch ganz anders: Die Bundeswehr-Reform stellte 2011 insgesamt 1400 Dienstposten an den beiden Standorten Hammelburg und Wildflecken in Frage, Landkreis und Staatsregierung reagierten mit einem Konversionsmanagement. Am 31. Dezember endet nun die letzte von drei Förderperioden. "Manche Dinge sind mittlerweile Selbstläufer", zog der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) in der jüngsten Stadtratssitzung eine positive Bilanz.

In der Sitzung gaben Katharina Edelmann und Cordula Kuhlmann vom Regionalmanagement des Landkreises einen ausführlichen Rückblick. Die Fördersumme summierte sich demnach auf rund 1,29 Millionen Euro, bezuschusst wurden zwischen 80 und 90 Prozent der Kosten. Angezapft wurden dafür mehr als 15 verschiedene Förderprogramme.

Breit gefächert waren die Themen: In Wildflecken sei es zum Beispiel um die überdimensionierte Infrastruktur gegangen. In Hammelburg wurde als grundsätzliches Problem identifiziert, dass es auf dem Lagerberg als Teil der Ausbildungsdrehscheibe verstärkt Personal-Wechsel gibt. Die Folge: "Immer mehr Soldaten leben nicht mehr vor Ort, sondern fahren am Wochenende heim", sagte Kuhlmann, und: "Die Bundeswehr ist im gesellschaftlichen Leben nicht mehr so präsent." Eine Antwort des Konversionsmanagements war die Suche nach Möglichkeiten, das Image der Stadt zu verbessern. Unter anderem werben mittlerweile 24 Video-Clips auf "HabTV" für die Schönheit der Region und gelebte Tradition. Wichtig sei dabei gewesen, dass keine professionellen Schauspieler engagiert wurden, sondern Bürger vor Ort eingebunden wurden.

Parkleitsystem und Leerstand

Im Rahmen des Konversionsmanagements ging es auch um das Ortsbild: Als "großen Wurf für Hammelburg als Kleinstadt" bezeichnete Kuhlmann etwa das im Rahmen des Förderprogramms entwickelte Parkleitsystem: "Das gab es vorher gar nicht, heute ist es nicht mehr wegzudenken", sagte Kuhlmann. Begleitet wurde auch die Umnutzung des ehemaligen Kaufhauses zum Bürgerhaus. Vor allem wurde dort mit der Kampagne "Hier zieht Leben ein" für eine Aufwertung des Leerstands gesorgt. "Das macht das Gebäude charmanter als leere Schaufenster", kommentierte die Regionalmanagerin die Aktion. Auf Nachfrage aus dem Gremium bedauerte sie, dass es für die Gestaltung von Leerständen keine Nachahmer aus der Wirtschaft gegeben habe. Bürgermeister Warmuth ergänzte, dass es selbst im Jubiläumsjahr 2016 nicht gelungen sei, Leerstände schöner zu gestalten.

Kuhlmann und Edelmann berichteten, dass sämtliche Projekte in Abstimmung mit der Stadt liefen: Alle sechs Wochen habe es Treffen mit der Verwaltung und Kommunalpolitikern gegeben. Und: "Wir haben alles in die gesamte Kreis-Entwicklung und unsere Netzwerk-Arbeit eingebettet." Ein wichtiges Thema sei dabei die Kommunikation gewesen: Für Hammelburg wurde das Konzept eines umfangreichen Stadtblattes entwickelt. Der Landkreis legte später sein Bürgermagazin "hier" auf. Kuhlmann berichtete, dass beides bei den Bürgern sehr gut ankomme, das hätten auch Umfragen ergeben.

Zu den größten Projekten, die im Rahmen des Konversionsmanagements gefördert wurden, zählen die Neu-Konzeption des Heimatmuseums "Herrenmühle" und die Sanierung des Baderturms. Als Erfolg bezeichnete Kuhlmann auch die "Hamulissimo"-Reihe mit Sommerkonzerten und Kirchenmusiktagen. Sie freute sich, dass trotz Corona-Beschränkungen heuer einige Konzerte auf dem Viehmarkt stattfanden: "Der öffentliche Raum wurde zum Wohnzimmer der Bürger."

Stadträte sollen Lage bewerten

Kuhlmann rief die Stadträte zur Teilnahme an einer Umfrage zum Konversionsmanagement auf. Darin sollen die Kommunalpolitiker die Lage der Stadt von vor zehn Jahren mit der aktuellen Situation vergleichen. Außerdem geht es um Wünsche für die Zukunft. "Die besten Experten für ihre Kommunal-Entwicklung sind Sie selbst", warb Kuhlmann für die Teilnahme. Die Regionalmanagerin stellte auf Nachfrage von CBB-Stadtrat Dominik Sitter aber auch klar, dass das Konversionsmanagement in der jetzigen Form zum 31. Dezember ende. Schließlich habe die Bundeswehr große Investitionen für den Lagerberg angekündigt. "Wir werden immer wieder Fördermittel suchen", stellte sie weitere Unterstützung in Aussicht.

Kuhlmann ging auch auf weitere Themen der Regionalentwicklung ein, die zum Teil Hammelburg unmittelbar betreffen: In ihrer Abteilung sei zum Beispiel das Konzept für das mittlerweile in Hammelburg ansässige Naturerlebniszentrum Rhön entstanden. In Arbeit seien Projekte für neue Wohnformen oder für eine bessere Vernetzung der Kommunen im Landkreis. Aber auch auf die politische Jugend-Bildung und den geplanten Pflege-Stützpunkt ging Kuhlmann ein. Sie verwies die Stadträte außerdem auf das Innen-Entwicklungsportal des Landkreises und das neu besetzte Kultur-Management.

Baustellen und alte Volksschule

Baustein des Konversionsmanagements war auch die Begleitung von großen Baustellen: Sowohl für den Viehmarkt, als auch für den aktuellen Ausbau der Bahnhofstraße gab es einen Mix aus Bürger-Informationen und Hilfen. Auch eine Nachnutzung der alten Volksschule wurde untersucht. Auf Nachfrage aus dem Gremium sagte Bürgermeister Warmuth, dass das Konzept der Stadt vorliege und zur Verfügung gestellt werden könne. Allerdings schränkte Kuhlmann ein, dass die Pläne aus dem Jahr 2013 stammen und möglicherweise veraltet sind.