Wenn unsere Gesellschaft auch in Zukunft bestehen will, kommt sie um das Thema Nachhaltigkeit nicht herum. Davon sind Dr. Joachim Schneider, Felix Papsch und Lisa Graskamp überzeugt. Bei einer konsumkritischen Stadtführung führten sie den Teilnehmern vor Augen, was das bedeutet. Angesprochen wurden IT und Handy, Textilien, sowie das Thema Banken und Finanzen. Beim Thema Nachhaltigkeit gehe es schließlich auch, aber nicht nur um Natur- und Umweltschutz.

Seit Juni letzten Jahres ist das Naturerlebniszentrum Rhön in Hammelburg angesiedelt. Die drei fachleute sehnen schon die Fertigstellung des Bürgerhauses herbei, denn dann würden einige Räume im Kellereischloss frei und sie könnten ihren Standort dort vergrößern. Eine interaktive Ausstellung soll die soziale und wirtschaftliche Dimension von Nachhaltigkeit ins Zentrum stellen.

Ursprünglich stamme der Begriff aus der Forstwirtschaft und bedeute nur so viel zu entnehmen, wie wieder nachwächst. "Am reichsten sind die Menschen, die auf das meiste verzichten können" und "Globalisierung findet nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Kultur statt", - das sind zwei von mehreren Zitaten , die die Teilnehmer interpretieren sollten. Auch wurde offensichtlich, dass materieller Reichtum fast immer zulasten der Ärmsten geht. Und die Welt gehöre schließlich allen.

Schon bald kam das Thema "Kreisläufe" auf. Beim Thema Handy und IT stellte Schneider die Fragen:" Wer hat ein gebrauchtes Handy?", "Haben Sie ihr zuletzt benutztes Handy weitergegeben?" oder "Kennen sie einen Laden, der kaputte Handys repariert?" Schätzungen zufolge lägen rund 200 Millionen Handys in Deutschland in den Schubfächern. Dabei sei Recycling mittlerweile einfacher als das Schürfen nach Rohstoffen. Das Handy möglichst lange nutzen und gegebenenfalls reparieren lassen, lautete hier die Message.

"Das Bad ist kein Ort für die Gleichberechtigung der Geschlechter", sagte Papsch und meinte damit, dass es Produkte wie Rasierschaum und Rasierer für Damen deutlich teurer seien als für Herren. Sein Tipp für die Damen: Die Liste mit den Inhaltsstoffen vergleichen und dann eventuell das Herrenprodukt kaufen. Auch könne man darüber nachdenken, auf das eine oder andere zu verzichten.

Anschließend stellte Schneider ein Diagramm vor, das deutlich machte, wer wieviel an einem T-Shirt verdient. Ein T-Shirt reise sprichwörtlich um die halbe Welt. Der Mehrpreis für ein "faires" T-Shirt liege bei nur einem Euro und das auch nur aufgrund der geringen Stückzahlen. Auch Textilien solle man weitergeben. Jeder habe im Schnitt 90 Kleidungsstücke im Schrank. Schneider stellte die gängigen Siegel vor, die Nachhaltigkeit garantierten. "Wenn man jetzt auf die Schnelle viel ändert, müssten die Verantwortlichen ja zugeben, bisher einiges falsch gemacht zu haben", und das tue niemand gerne so Schneider.

Bei Banken und in der Finanzwelt habe man das Thema Nachhaltigkeit nicht gleich auf dem Schirm, sagte Papsch. Nach Umfragen sei inzwischen jeder zweite Deutsche bereit, sein Geld nachhaltig anzulegen. Man könne Stimmrechte nutzen, um Unternehmen zu lenken. Auch könne man relativ einfach bei der Hausbank nachfragen, ob diese Negativkriterien wie Glücksspiel, Atomstrom oder Kinderarbeit ausschließe.

Die konsumkritische Stadtführung endete passenderweise am Weltladen - dem Klassiker des nachhaltigen Konsums. Papsch brachte hier die Begriffe Effizienz, Konsistenz und Suffizienz ins Spiel. Schon Kleinigkeiten im Konsumverhalten könnten viel bewirken.