Vom Heimaturlaub in der Corona-Pandemie bis zum größeren Umweltbewusstsein in Zeiten des Klimawandels: Es gibt viele Gründe, weshalb die Radwege noch nie so voll waren wie in diesem Sommer. Und noch nie waren die Lücken und Schwächen im Radwege-Netz so offensichtlich. Ja, es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren, aber trotzdem gibt es noch viel zu wenige wirklich gute Radwege im Landkreis.

Wer einmal auf ehemaligen Bahntrassen wie im Sinntal unterwegs war, weiß erst, wie bequem radeln sein kann, wenn die Trasse fürs Fahrrad höchste Priorität hat: keine Berg-Tal-Fahrt, keine Umwege.

Ganz anders im Saaletal: Der Radweg etwa von Trimberg nach Hammelburg ist selbst mit der Monster-Steigung nach Machtilshausen einen halben Kilometer länger als der Weg auf der Bundesstraße, mit geringerer Steigung und über Elfershausen sind es sogar eineinhalb Kilometer mehr. Zudem gibt es etliche Gefahrenstellen im Saaletal: Eine davon ist die Schotterpiste von Euerdorf nach Bad Kissingen mit in die Fahrbahn hängenden Ästen, steilen Stellen und aufgeschwemmtem Kies.

Eine zweite ist eben die Kissinger Straße in Hammelburg. Dabei sind die vier verletzten Radler, die heuer bereits in der Polizeistatistik stehen, nur die Spitze des Eisbergs: In den sozialen Medien gibt es regelmäßig Berichte über weitere Vorfälle, von gestürzten Radlern, die sich zum Glück nicht verletzten, bis zu abgedrängten Fußgängern. Autofahrer schimpfen über Radfahrer, die ihnen in der Einbahnstraße vermeintlich verbotenerweise entgegen kommen.

Tatsächlich ist der kurze Abschnitt zwischen den Kreisverkehren am ehemaligen Amtsgericht und an der Saalebrücke ein Nadelöhr, in dem es fast täglich zu brenzligen Situationen und Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung kommt: Vor allem vor der Bank stehen täglich Autos im Halteverbot, weil der Fahrer "mal eben" irgendwohin muss, an Tempo 20 hält sich spätestens in der Weihertorstraße keiner mehr.

Tückisch ist vor allem die nur wenige Zentimeter hohe Kante in der Kissinger Straße: Platz zum Ausholen bleibt oft nicht, schräg drüberzufahren birgt aber immer die Gefahr, dass der Reifen wegrutscht und der Radler auf der Nase oder an der Hauswand landet. Eigentlich müsste der Bordstein als Gefahrenstelle der gesamten Länge nach rot angemalt werden.

Fakt ist: Wer die Kissinger Straße kennt, fährt mit dem Rad lieber einen Umweg. Deshalb ist es fahrlässig von der Stadt, den Abschnitt als Teil eines überregionalen Radweges beschildert zu lassen. Der Stadtrat drückt sich seit Jahren um ein Verkehrskonzept für die Innenstadt herum: Wenn jetzt, am Beginn einer Amtsperiode, nicht endlich der motorisierte Verkehr besser gelenkt sowie Fußgänger und Radler besser geschützt werden, wann dann?