Oberschenkelknochen, Ellen, Becken, Schädel und andere Skelettteile ragen wild gemischt aus der Erde heraus. Die menschlichen Überreste lagen bisher verborgen unter Erde und Buchshecken im Innenhof von Kloster Altstadt.

"Wir haben 15 Schädel gezählt", sagt Hans-Ulrich Glaser. Also müssen die Überreste von mindestens so vielen Personen die zwei Meter mal 80 Zentimeter große Grube füllen. Das Sammelgrab ist bei den derzeitigen Bauarbeiten im Kloster aufgetaucht.

Der Innenhof soll der neue Speisesaal der Musikakademie werden, daher wird er ausgehoben. Ein Team des Grabungsbüros BfAD Heyse begleitet die Arbeiten. Denn die Vermutung lag von Anfang an nahe, dass gerade dort alte Grab- oder Friedhofsanlagen zu Tage kommen könnten. Doch die Knochengrube ist ein überraschender Fund.

Sie liegt einfach an einer Seite des Innenhofs und weist auch nicht die sonst übliche Ausrichtung von Grabstellen auf. Glaser vermutet, dass irgendwann einmal Gräber im Klosterumfeld ausgeräumt und die Knochen in der Grube zusammengeworfen wurden. Zwischen den Skelettteilen finden sich einzelne kleine Textilfetzen, "briefmarkengroß", wie Glaser beschreibt.

Er holt aus einem Tütchen eine kleine Madonnenfigur, die als Knopf oder Verschluss gedient haben muss. Sie ist zwischen den Gebeinen entdeckt worden. Perlen eines Rosenkranzes sind ebenfalls in dem Gewirr auszumachen. "Das ist eben das, was man den Verstorbenen mitgab", sagt Glaser. Es könnte sich um Klosterangehörige handeln, aber das sei Spekulation.

Das Knochengrab wird dokumentiert und fotografiert. Alexander Rüttinger skizziert das Lagebild. Dafür zeichnet er die Knochen ab - nicht alle, wie er erklärt. Nur das Durcheinander soll sich auf dem Blatt widerspiegeln.

Danach werden die Überreste geborgen und an einem anderen Ort neu beigesetzt. Die Grube ist dann nicht mehr zu sehen. Schon jetzt ist sie vor der Öffentlichkeit verborgen: Die Klosteranlage ist eine Großbaustelle und für Neugierige tabu.

Den Fund datiert Glaser auf ein jüngeres, nicht allzu weit zurückliegendes Datum - "wissenschaftlich ohne größere Relevanz". Die Grube habe mit der Ursprungsgeschichte des Klosters nichts zu tun. Auch wenn Skelettfreilegungen für die Öffentlichkeit immer spektakulär wirken, interessiert die Fachleute doch eine ganz andere Frage: Gibt es Spuren eines Vorgängerbaus? Am besten aus karolingischer Zeit.

Das Franziskanerkloster wurde 1649 durch Fürstabt Joachim Grafeneck von Fulda gegründet, wie die Geschichtsschreibung weiß. Allerdings zählt der Schlossberg zu einem der Orte, an denen die siedlungsgeschichtlichen Ursprünge von Hammelburg vermutet werden.

Doch der Klosterinnenhof zeigt nichts davon. Er ist ungefähr einen Meter unter das bisherige Niveau ausgehoben - und mit Ausnahme der Knochengrube leer. Keine Mauerreste und keine anderen Gräber sind dort zum Vorschein gekommen. Auch der freigelegte Maueraufbau weist keine Unregelmäßigkeiten aus - nichts, was auf unterschiedliche Bauphasen hinweisen würde.

Die Fachleute werden allerdings noch weitere Arbeitsschritte während des Umbaus der Klosteranlage begleiten. So soll an der östlichen Mauer eine Abdichtung verlegt werden. Außerdem müssen in dem Bereich Kanalanschlüsse gesetzt werden. In einem Teil des Trakts wird im Erdgeschoss der Boden aufgerissen. Das Archäologen-Team wird überall dort überprüfen, ob etwas zu entdecken ist.