Seit fünf Jahren sind die Beiträge für den Hammelburger Hort "Kinderkiste" nicht erhöht worden, zum Beginn des neuen Schuljahres im September sollen sie nun wieder steigen. Der Stadtrat stimmte in seiner jüngsten Sitzung einem entsprechenden Vorschlag von Einrichtungsleiterin Heide Gerlach-Hirt und Kämmerin Jennifer Triest zu. "Wir sind gut aufgestellt", lobte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) die Arbeit des 15-köpfigen Teams der Kinderkiste. Und Kämmerin Jennifer Triest verwies auf den von der Bundesregierung für das Jahr 2026 angekündigten Rechtsanspruch auf ein Nachmittagsangebot für Grundschüler: "Andere Kommunen müssen das alles jetzt erst aufbauen." Das sei angesichts des Fachkräftemangels eine Herausforderung.

Defizit stieg stetig

Heide Gerlach-Hirt schlug vor, die Beiträge dem Niveau anderer Kindertagesstätten anzupassen. Durch die Pandemie sei das Thema in den vergangenen Jahren verschoben worden, obwohl das Defizit zunahm: Im Jahr 2018 legte die Stadt beim Hort rund 63 000 Euro drauf, ein Jahr später waren es rund 123 600 Euro, im vergangenen Jahr verbuchte die Kämmerin ein Minus von 181 800 Euro.

Auf Nachfrage rechnet Jennifer Triest von der Stadtverwaltung stark gestiegene Kosten für das Gebäude vor: Rund 123 000 Euro investierte die Stadt 2020 in die ehemalige Diebacher Grundschule. "Die Fenster werden nach und nach ausgetauscht", nennt Heide Gerlach-Hirt ein Beispiel für geplante Kosten. "Jetzt steht nur noch der Flur aus", fasst sie die Arbeiten im Gebäude zusammen. Zudem wurden im vergangenen Jahr in der Kinderkiste ein weiterer Hausaufgabenraum renoviert sowie Teamzimmer und Leitungsbüro umgebaut, möbliert und ausgestattet.

Digitalisierung für Wechselunterricht

Ungeplant waren Kosten für die Digitalisierung: "Das war sowieso geplant, aber nicht so schnell", verweist Kämmerin Jennifer Triest darauf, dass die neuen Server und das WLAN-Netz für Notbetreuung und Wechselunterricht notwendig wurden. Zudem stellte die Stadtverwaltung ausrangierte Laptops und Computer zur Verfügung. Rund 45 Kinder hätten die Notbetreuung während des ersten Lockdowns genutzt, dadurch sei vor allem die Grundschule entlastet worden. Im Schichtdienst bot das Personal der Kinderkiste eine Betreuung von 7 bis 17 Uhr täglich an.

Die Kämmerin berichtet zudem, dass rund 22 000 Euro anteilige Verwaltungskosten neu an die Stadt Hammelburg gezahlt wurden. "Die rein pädagogische Arbeit der Kinderkiste hatte im Jahr 2020 nur ein Defizit von 36 793,30 Euro", relativiert die Kämmerin deshalb die Kosten für den Hort. Gestiegen seien in den vergangenen Jahren die Personalkosten: Von rund 374 600 Euro im Jahr 2018 über 389 900 Euro im Jahr 2019 auf rund 416 600 Euro im vergangenen Jahr. Leiterin Heide Gerlach-Hirt nannte zudem auf gestiegene Lebensmittelpreise für Mittagessen und Vitaminpause.

Die höchste Steigerung schlug die Verwaltung für die niedrigste Kategorie vor: Wer sein Kind bis zu zehn Stunden pro Woche bringt, muss ab September 75 statt 65 Euro pro Monat bezahlen. Aktuell sind 69 Kinder in dieser Kategorie. "Hier teilen sich immer mehrere Kinder einen Platz, das bedeutet einen immensen Verwaltungsaufwand", begründete Heide Gerlach-Hirt die Erhöhung. In der nächsten Kategorie (bis 15 Stunden in der Woche, aktuell 26 Kinder) steigt der Monatsbeitrag von 85 auf 90 Euro, bis 20 Stunden in der Woche (22 Kinder) von 98 auf 100 Euro, bis 25 Wochenstunden (zehn Kinder) von 108 auf 110 Euro und bis 30 Wochenstunden (ein Platz) von 114 auf 115 Euro. Schließlich gibt es noch eine höhere Kategorie für Buchungen in den Ferien. "Das kommt aber nur ein oder zwei Mal im Jahr vor", betonte Gerlach-Hirt. Insgesamt geht sie davon aus, dass die Beitragserhöhung der Stadt Mehreinnahmen von rund 9500 Euro beschert - abhängig von der Buchung.

Umzug nach Diebach im Jahr 2009

Weitere 9800 Euro mehr soll eine Beitragsanpassung bei der Verpflegung einbringen: Die Kinderkiste veranschlagt statt bisher drei jetzt rund 3,50 Euro fürs Essen. Getränke würden für 50 statt 30 Cent verrechnet. Erhoben werden gestaffelte Monatsbeiträge, sie steigen beim Essen zum Beispiel für einen Betreuungstag pro Woche von 12 auf 14 Euro, bei einem täglichen Essen von 60 auf 70 Euro im Monat. CSU-Stadtrat und Tafel-Vorsitzender Patrick Bindrum fragte, ob es nicht sinnvoller sei, das Essen für alle pauschal anzubieten. Heide Gerlach-Hirt sah dafür aber keine Veranlassung, es müsse kein Kind hungern, denn: "Bei bedürftigen Familien ist das Essen abrechenbar über die Teilhabe-Leistungen."

3. Bürgermeister Christian Fenn (Junge Liste) nannte die Beitragserhöhung "sehr moderat". SPD-Stadtrat Norbert Schaub bezeichnete die Kinderkiste als "Super-Einrichtung". Weil Personal- und Lebensmittelkosten steigen, ist laut Heide Gerlach-Hirt die nächste Beitragserhöhung in einigen Jahren absehbar. Trotzdem sprach sie sich auf Nachfrage aus dem Stadtrat gegen eine aktuell höhere Steigerung aus: "Die Familien leiden unter der Pandemie", sagte sie, deshalb sollten höhere Beiträge erst erhoben werden, wenn die Ausgaben steigen. Für das laufende Jahr rechnet Kämmerin Jennifer Triest mit einem noch größeren Defizit. Das liege aber vor allem daran, dass der Freistaat nicht mehr die kompletten Beiträge der Eltern für Schließzeiten ersetzt habe, sondern nur noch 70 Prozent.

128 Kinder teilen sich 100 Plätze

Gegründet wurde der Hammelburger Hort bereits im Jahr 1990, 1993 wurde er offiziell als Tagesstätte anerkannt und gab sich selbst den Namen Kinderkiste. Zunächst war sie in der alten Schule in Hammelburg untergebracht, im Jahr 2009 zog die Einrichtung dann in die frei gewordene ehemalige Grundschule Diebach um. Aktuell teilen sich 128 Kinder die 100 Hort-Plätze.