Nach Obereschenbach gibt es nun auch in Machtilshausen einen aufgebauten Kalkbrennofen. Er ist in der hoch über dem Ort gelegenen Lumpengrube zu finden. Zur Einweihung kamen nicht nur Bewohner, sondern auch Besucher aus der näheren Region.

"Mit dem Kalkbrennofen ist ein Kleinod geschaffen", lobte Bürgermeister Karlheinz Kickuth die Initiative des ansässigen Vereins für Gartenbau, Heimat- und Brauchtumspflege. Insbesondere die Vorsitzende Ingrid Mützel und dritter Vorsitzender Germann Zier hätten sich als kompetente Unterstützer für das Projekt eingesetzt.

Kickuth hob Ziers fachkundiges Wissen und Tatkraft hervor. Mit dessen Hilfe konnte das Vorhaben im Rahmen des Projekts "MainMuschelkalk" realisiert werden. Ingrid und Regina Mützel haben einen umfangreichen Informationsflyer über die Tradition des Kalkbrennens in Machtilshausen erstellt.

"Kalköfen wurden immer in der Nähe von Steinbrüchen errichtet", nannte Zier die Beispiele Dachental und Obere Bohnleite. Das Kalkbrennen sei schon im Altertum bekannt gewesen. Die Begriffe Kalkmörtel und Kalktünche seien sogar biblisch belegt.


Ein begehrter Stoff

Die Römer hätten den Kalk als Baustoff in Germanien eingeführt. "Ungelöschter Brandkalk diente früher zur Wandtünche, zur Mörtelherstellung und in Pestzeiten zum Bestreuen der Toten, um die Seuchengefahr zu mindern", erklärte Zier. Gelöschter Kalk diente zur Aufbesserung saurer Ackerböden, als Frostschutzmittel für Obstbäume sowie als Zusatzmittel für Gerbereien, Seifensiedereien, Zuckerraffinerien, in der Glasindustrie und bei der Eisenverhüttung.

Kalkmilch, so Zier weiter, diene zur Bekämpfung von Schädlingen an Obstbäumen und zur Desinfektion in Ställen. Ziers Ausführungen reichten bis zur Baukultur mit dem Kalkmörtel-Einsatz beim Bau von Burgen und Häusern. "Und diese Kultur wollen wir unseren Nachkommen erhalten."

Der in den Berg hinein gebaute Kalkbrennofen hat ein Fassungsvolumen von 3,75 Kubikmeter. Aus 6,5 Tonnen Material bleiben nach dem zweitägigen Brennen etwa 2,8 Tonnen gebrannter Kalk übrig. Der Holzbedarf liegt bei rund zwölf Ster.

Der auf 900 bis 1100 Grad erhitzte Kalkstein enthält Calciumcarbonat. Daraus wird nach dem Entweichen von Kohlenstoffdioxid Calciumoxid, der so genannte Brandkalk. Versetzt man diesen mit Wasser, wird daraus Calciumhydroxid, also Löschkalk. Beim Abbinden reagiert der Löschkalk mit Wasserabgabe und Kohlenstoffdioxid-Aufnahme wieder zurück zu Kalkstein.

Zier dankte der Familie Christine und Richard Schneider, die dieses Kulturgut in Machtilshausen lange betrieben. Deren Sohn Johann Schneider habe das alte Bauwerk nicht abgerissen. "So kann das Handwerk weiterleben", freute sich Zier.

"Es sei eine lobenswerte Idee, mit diesem Projekt die alte Handwerkstradition wieder aufleben zu lassen", bestätigte Landrat Thomas Bold. Zur Kultur der Kalkbodenlandschaft im Naturraum des Saaletales gehöre nicht nur der Weinbau sondern auch ein solches Projekt wie der Kalkofen.

"Der Ofen ist eine Erinnerung an die Spuren unserer Vorfahren und die Wertschätzung deren Arbeit", erinnerte sich Gemeindereferentin Monika Hufnagel an ihre eigene Familie. Denn auch ihr Opa habe früher mit Kalk geweißelt. Sie gab den kirchlichen Segen, und die Alphorngruppe aus dem Eschenbachtal setzte musikalischen Akzente.

"Dies ist der zweite Ofen dieser Art im Landkreis Bad Kissingen", erklärte Roland Lenhart, Sachgebietsleiter am Landratsamt, mit Blick auf Obereschenbach. Sein Dank ging ebenfalls an die Familie Schneider.

"In diesem Fall ist der Kalk auch ein symbolisches Bindemittel", sagte Lenhart und wies auf die Zusammenarbeit beim Naturschutz-Projekt "MainMuschelkalk" hin.