Noch nie waren die 24 Stadtratssitze im Sitzungssaal des Roten Schlosses so umkämpft wie in diesem Jahr: 197 Kandidaten aus neun Listen bewerben sich, darunter mindestens neun 18-Jährige. "Das ist eine gute Möglichkeit, mehr über Politik zu erfahren", begründet Maria Pfaff ihre Entscheidung, bei der ersten Wahl, bei der sie selbst wählen darf, auch gleich zu kandidieren. Bei der Nominierungsversammlung durfte sie sich nicht einmal selbst wählen, und die Unterlagen für den Wahlleiter mussten ihre Eltern unterschreiben, denn: Die Schülerin wurde erst Anfang Februar volljährig.

Von 52 auf 197 Kandidaten

Die Zahl der Stadtratskandidaten ist kontinuierlich gewachsen: 1948 traten zur ersten Wahl nach dem Krieg gerade einmal 52 Kandidaten an: CSU und Bürgerblock stellten jeweils 16, die SPD acht. Eine Liste für "Flüchtlinge" sowie eine für "Evakuierte und Ausgebombte" zählte jeweils sechs Namen auf, wie ein Original-Wahlschein zeigt, den 2. Bürgermeister Reimar Glückler (CBB) bis heute aufgehoben hat.

Bis zur Wahl 1996 wuchs die Zahl der Listen auf sechs. 2002 setzte die "Junge Liste" als siebte Liste erstmals auf Themen für die Jugend. "Es gab damals so viel Gegenwind für die Jugend, das wollten wir ändern", erinnert sich Stadtrat Christian Fenn. Bereits 1993 hatte er zusammen mit anderen den "Jugendladen" gegründet: Ab 1994 trafen sich Hammelburger Jugendliche zunächst im ehemaligen Waisenhaus, später im alten Gefängnis, dem heutigen Pfarrzentrum. Seit 1997 ist das Jugendzentrum in der Alten Volksschule untergebracht.