Mehrere Räte bemängelten, dass ihnen das Lärmschutz-Gutachten trotz Nachfrage nicht vor der Sitzung zugänglich gemacht wurde. Deshalb und wegen eines bevorstehenden Gesprächstermins mit Westheimer Bürgern beantragte CBB-Stadtrat Reinhard Schaupp, den Antrag erneut zu vertagen. Der Antrag wurde knapp mit 8:8 Stimmen abgelehnt. In der Sitzung fehlten neun Stadträte, darunter auch drei Westheimer. SPD-Stadträtin Rita Schaupp bezeichnete es als "traurig", dass die Stadt gar nicht gewusst habe, dass die Umsetzung von Sattelaufliegern und Wechselbrücken dort gar nicht genehmigt sei. "Ich habe intensivst nachgebohrt", entgegnete Bürgermeister Armin Warmuth (CSU).

CBB-Stadtrat Dominik Sitter forderte einen Ortstermin für den Stadtrat und befürchtete: "Wir stimmen über etwas ab, was nicht zur Befriedung in Westheim beiträgt." CSU-Stadtrat Patrick Bindrum verwies dagegen auf den Bebauungsplan aus den 1980er Jahren. Das Baurecht schütze eben nicht die Bürger, sondern die Bauherren. Am Ende wurde der Antrag mit 11:5 Stimmen angenommen, mit dem Hinweis auf die Lärm-Grenzwerte und den Auflagen, dass die Rangier-Flächen innerhalb von eineinhalb Jahren befestigt werden müssen, keine Umsetzung auf öffentlichem Grund stattfinden darf und die Frankenstraße befahrbar bleibt.

Mehr Erfolg hatte Reinhard Schaupp mit seinem Antrag, die Anhörung zur immissionsrechtlichen Genehmigung des neuen Standorts der Firma "Reifen Müller" (siehe oben) zu vertagen: Zehn Stadträte sprachen sich dafür aus, zunächst ein Gespräch mit Bürgern abzuwarten. Mehrere Stadträte kritisierten, dass vor der Sitzung das Gutachten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt nicht vorlag. Für 17. November hat das Landratsamt Mitglieder der Bürgerinitiative "Besorgte Bürger Westheim" BBW, Vertreter der Stadt Hammelburg und Geschäftsführer Uwe Müller eingeladen. "Auswirkungen auf das Verfahren hat das Gespräch nicht, es dient rein der Information und ist nicht öffentlich", teilt die Behörde auf Nachfrage mit.

Mitglieder der Bürgerinitiative waren gestern nicht zu erreichen. Auf einem BBW-Flyer ist auch Stadtrat Norbert Schaub (SPD) aufgelistet. Er habe sich jedoch zurückgezogen, berichtete Schaub auf Anfrage. Aktuell befinde er sich zudem wegen Corona in Quarantäne.