Zwei Standorte hat "Reifen Müller" bereits in Westheim, möglichst noch bis zur Jahresmitte soll ein dritter dazu kommen: An der Kreisstraße befindet sich das Großlager mit mehr als einer halben Million Reifen, in der Frankenstraße werden seit dem Jahr 2001 Reifen runderneuert. Nun will der Mutter-Konzern Hankook neu investieren: Das sogenannte Heißverfahren soll auf das frühere AVI-Gelände in der Bayernstraße verlagert werden. Nach monatelangen Verhandlungen und einem Gespräch zusammen mit der Bürgerinitiative "Besorgte Bürger Westheim" (BBW) gab der Hammelburger Stadtrat nun grünes Licht für die neue Anlage.

Rund 10 000 Karkassen pro Jahr

In der Beratung ging es lediglich um das Bundesimmissionsgesetz, baurechtlich sei im Industriegebiet keine Beteiligung des Stadtrates vorgesehen. Laut Stadtbaumeister Detlef Mohr sollen im neuen Werk jährlich 10 000 Karkassen, 500 Tonnen Kautschuk und dreieinhalb Tonnen Lösungsauftrag verarbeitet werden. In der Halle und im Freien würden jeweils rund 3000 Karkassen, also 195 Tonnen, gelagert. Bei der Verarbeitung fallen laut Gutachten jährlich unter anderem 250 Tonnen Raumehl an.

Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) berichtete von einem "vertrauensvollen Austausch" in einer zweieinhalbstündigen Video-Konferenz mit Landratsamt, Stadtverwaltung, Unternehmensleitung, Gutachter und Anwohnern. Ein Ergebnis sei, dass auch am bestehenden Betrieb nachgebessert wird: Vor allem soll ein Aktiv-Kohle-Filter dafür sorgen, dass die Geruchsbelastung sinkt. "Das ist kein unerheblicher Kostenfaktor, aber die Firma hat sich bereit erklärt, das zu machen", sagte Mohr.

Für den neuen Standort in der Bayernstraße gebe es mehrere Auflagen. Unter anderem sollen für die Raumaschinen schärfere Messer zum Einsatz kommen. Vor allem aber sei ein 18 Meter hoher "Kamin" geplant. Tatsächlich handelt es sich laut Geschäftsführer Uwe Müller um eine Stahl-Konstruktion, an der Abluftschächte befestigt werden. "Damit werden die Geruchsemissionen soweit verwirbelt, dass sie nicht in Richtung Wohnbebauung gehen", hofft Mohr.

"Die Westheimer werden mit dieser Situation leben müssen", sagte Norbert Schaub (SPD), der als einziger Westheimer Stadtrat bei der jüngsten Sitzung anwesend war. Ihm selbst sei besonders wichtig, dass die jetzt für die Genehmigung vorgelegten Prognosen später auch durch Messungen vor Ort überprüft werden. Auch Stadtbaumeister Mohr berichtete in der Sitzung, dass die Zusage von Messungen das Gespräch mit den Bürgern "befriedet" habe.

"Lange Zeit war Funkstille, aber wir wurden doch einbezogen und ernst genommen", kommentierte ein BBW-Sprecher auf Nachfrage der Redaktion den Ablauf. Beim Ergebnis lässt die BBW eine endgültige Bewertung noch offen: "Wir wollen, dass es in Zukunft nicht mehr stinkt", laute das Ziel. Deshalb werde die Bürgerinitiative am Thema dran bleiben: "Wir werden das weiter mit der Nase begutachten", sagte einer der Sprecher, die nicht namentlich genannt werden wollen. Der ebenfalls untersuchte Lärm spiele bei Reifen Müller eine untergeordnete Rolle.

"Damit können beide Seiten leben", sagte Geschäftsführer Uwe Müller auf Nachfrage. Sein Ziel sei gewesen, die Gesamtsituation zu verbessern, deshalb sei er auf Nachbesserungen für das bestehende Werk eingegangen. Die Auflagen und die damit verbundenen Kostensteigerungen seien "nicht gut, aber nicht so dramatisch". Müller hofft nun auf eine schnelle Genehmigung durch das Landratsamt: Dank der Vorbereitungen könne der Aktivkohlefilter am alten Werk noch im Mai in Betrieb genommen werden. Wenn alles gut laufe, könne die Produktion in der Bayernstraße vielleicht schon Ende Juni starten.