Der Kolping-Gedenktag am zweiten Advent war das Forum für zahlreiche Ehrungen langjähriger Mitgliedschaften in der Kolpingsfamilie. Vorsitzender Gerhard Becker begrüßte seine Kolpingsfamilie im vollen Saal des Pfarrzentrums und freute sich über den in der Stadtpfarrkirche von Pfarrer Thomas Eschenbacher geleiteten Festgottesdienst. "Die Kolpingsfamilie ist eine Verstärkung in der christlichen Gemeinschaft, die aus dem Herzen kommt", bestätigte Eschenbacher.
"Aus den handwerklichen Gesellenvereinen früherer Zeiten sind heutzutage die sozial engagierten Kolpingsfamilien entstanden. Ganz im Sinne des Gründers Adolph Kolping (1813 bis 1865) sind wir in unserer Pfarrgemeinde sozial und religiös gemeinsam wohltätig", erinnert Becker an den Grundgedanken der christlichen Nächstenliebe.
Die Kolpingsfamilie Hammelburg habe schon eine Menge sozialer Projekte auf die Beine gebracht. Frauen seien aber erst seit einem Beschluss auf Bundesebene Mitte der 1960er Jahre als Kolping-Mitglieder akzeptiert worden. "Das war davor ein reiner Männerverein, der sich in der Hitlerzeit vom ursprünglichen Handwerker-Gesellenverein zur Kolpingsfamilie umbenennen musste und sich dann für alle Berufe öffnete", so Becker.

60 Jahre Mitglied

Deshalb waren jetzt unter den ältesten Mitgliedern bei der Ehrung keine Frauennamen anzutreffen. Den Dank für ihre 60-jährige Mitgliedertreue erhielten Anton Schreiner, Richard Kaiser, Clemens und Norbert Hofbauer, Josef Marterstock, Franz Weller, Josef Bindrum und Edmund Klubertanz. Seit 50 Jahren ist Günther Panhans in der Kolpingsfamilie, und seit 40 Jahren sind dort Thomas Hufnagel, Thomas Müller und Helmuth Schlereth anzutreffen.

Seit 25 Jahren

Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurde nicht nur der stellvertretende Diözesan-Vorsitzende Alexander Schneider geehrt, sondern auch Otmar und Gerda Schmitt, Stephanie Schlereth, Lydia Kamm, Maria Salch und Leo Hauk. Krankheitsbedingt konnten nicht alle Vorgenannten persönlich zum Ehrungstermin erscheinen. Meister- und Handwerksschulungen, eine Theatergruppe sowie wichtige gesellschaftliche Fragen und die Sozialnähe liege der Kolpingsfamilie am Herzen, erläutert Becker.
Dazu gehöre auch die soziale Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Organisationen wie zum Beispiel die Europa-Union oder die Lions-Clubs zu Themen wie Umweltschutz, gesunde Ernährung oder Vermeidung von Lebensmittel-Verschwendung. Eine soziale Partnerschaft verbinde Hammelburg mit Rumänien. "Das kam nach der Wende über die Zusammenarbeit der Diözesen Würzburg und Erfurt", so Becker. Alleinstehende Jugendliche aus Rumänien seien in deutschen Kolping-Häusern untergekommen. "Außerdem unterstützen wir in Rumänien ein Straßenkinderprojekt", bestätigt Becker. Jetzt seien süße Weihnachtspäckchen dorthin unterwegs, dankte Becker den engagierten Helfern aus den eigenen Reihen.
"Verschiedene Kolping-Mitglieder sind außerdem für die Hammelburger Tafel tätig", verrät Becker, weist aber darauf hin, dass diese Tafel eine eigene Organisation habe. Nein, man trauere dem ehemaligen Kolping-Gebäude nicht nach, das nach Errichtung des Pfarrzentrums vor einigen Jahren abgerissen wurde.
"Die technischen Möglichkeiten und die variable Raumaufteilung für Veranstaltungen sowie die sehr viel besseren Heizmöglichkeiten sind jetzt im neuen Gebäude von großem Vorteil", bestätigt Becker. Die Veranstalter müssten mittlerweile den Pfarrsaal rechtzeitig buchen, sei er doch nahezu das gesamte Jahr über mit Terminen belegt.

Mehr Bedürftige

Seit 1984 ist Becker in der Hammelburger Kolpingsfamilie aktiv. Seit 1987 hat er dort als Kolpings-Vater den Vorsitz. Zurzeit hoffe er, dass Pfarrer Eschenbacher bald die Funktion des Präses annehmen werde. So wie es Eschenbachers Amtsvorgänger Christian Müssig einst tat. "Pfarrgemeinde und Kolpingsfamilie unterstützen sich gegenseitig bei der sozialen Zuwendung zu den armen Leuten", betont Becker.
Die Anzahl der Bedürftigen sei angesichts manch schmaler Witwenrente auch in der Hammelburger Region beträchtlich angewachsen.