Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) bleibt trotz eines Rückgangs in der aktuellen Bevölkerungsstatistik optimistisch: "Ich bin froh, dass wir noch relativ konstant sind und die höchsten Geburtenzahlen seit vielen Jahren haben." 110 Geburten standen zum Jahreswechsel in der Statistik, laut Einwohnermeldeamt könnten sogar noch zwei dazu kommen, weil sich die Beurkundung im Geburtsort des Kindes verzögert. Auch bei der genauen Zahl der Einwohner gebe es manchmal noch Verschiebungen, weil im Meldewesen immer die tatsächlichen Verhältnisse abgebildet werden. Das heißt: Wenn jemand kommt und durch Mietvertrag oder andere Unterlagen belegen kann, dass er bereits im Dezember umgezogen ist, wird das noch rückwirkend in der Statistik berücksichtigt.

Wenn sich der Status ändert

Als offizielle Zahl nennt Stefan Stöth vom Einwohnermeldeamt der Stadt jedenfalls zum Jahreswechsel 11 008 Hammelburger mit Erst- oder Haupt-Wohnsitz. Das sind 68 oder 0,6 Prozent weniger als zu Beginn des Jahres. Um eine genaue Zahl nennen zu können, muss Stöth zum Jahreswechsel immer die Statistik erst bereinigen. "Wir haben zum Beispiel Menschen, die ihren Status zum Teil mehrfach im Jahr wechseln", berichtet der Leiter des Einwohnermeldeamtes. Zum Beispiel gebe es Wechsel von Neben- und Hauptwohnsitz innerhalb der Stadtteile, etwa wenn Senioren vorübergehend oder dauerhaft in ein Wohnheim wechseln, aber ihre Wohnung nicht aufgeben wollen.

30 Diebacher mehr

Zu den Ursachen der Bevölkerungsentwicklung kann Stöth wenig sagen: "In Westheim ist fleißig gebaut worden", begründet er die Zunahme der Bevölkerung dort von 725 auf 738 (+1,8 Prozent). "Westheim ist auf Grund seiner Lage besonders attraktiv", ergänzt Bürgermeister Armin Warmuth. In dessen Heimat-Stadtteil Diebach fiel die Zunahme im vergangenen Jahr am höchsten aus: Um 3,0 Prozent, von 1001 auf 1031 Einwohner, wuchs der Ort. "Zum einen wurde ein leer stehendes Mehrfamilienhaus wieder bezogen, zum anderen gibt es auch wieder mehr Belebung im Innenort", berichtet Warmuth. Das kleine Untereschenbach wuchs immerhin um vier Einwohner auf 240, das entspricht einem Plus von 1,7 Prozent. In Feuerthal gibt es mit einer Person mehr immerhin auch einen kleinen positiven Trend: 194 Feuerthaler waren es zum Jahreswechsel.

Das größte Minus hatten prozentual Pfaffenhausen und das Lager Hammelburg, die in der Statistik zusammen erfasst werden: Von 505 auf 485 sank die Zahl der Hauptwohnsitze, ein Minus von 4,0 Prozent. Hier schlage der Wegzug einer Großfamilie stark zu Buche. An absoluten Zahlen verzeichnete die Kernstadt den größten Rückgang: Die Zahl der Hauptwohnsitze sank um 73 oder 1,2 Prozent auf 5811. "Wir haben in der Kernstadt einen relativ hohen Altersdurchschnitt", nennt Warmuth einen möglichen Grund. Laut Stefan Stöth gebe es in der Kernstadt auch einen hohen Anteil an jungen Einwohnern, die nur mit Nebenwohnsitz gemeldet sind, weil sie für Studium oder Ausbildung ihren Lebensmittelpunkt woanders haben.

Zuwachs in Gemeinschaftsunterkunft

Die bislang 15 Todesfälle in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie würden jedenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Auswirkungen habe dagegen die Schließung des Bürgerspitals, weil viele der Bewohner in Heime außerhalb der Stadt wechselten. Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im ehemaligen Schwestern-Wohnheim dagegen sorgte für einen Anstieg der Bevölkerung: Laut Regierung von Unterfranken waren dort zu Jahresbeginn 60, zum Jahresende 71 Menschen untergebracht. Platz sei für insgesamt 78 Asylbewerber. Die am häufigsten vertretene Nationalität sei aktuell Somalia mit 14 Menschen, gefolgt von jeweils elf Bürgern aus Afghanistan, Nigeria und Syrien. Die Regierung von Unterfranken weist darauf hin, dass in der Gemeinschaftsunterkunft keine Ortskräfte aus Afghanistan untergebracht werden, weil es sich dabei um sogenannte humanitäre Aufnahmen mit gesichertem Aufenthaltsrecht handle.

Blick auf die Baunanträge

Positiv stimmt Bürgermeister Warmuth die aktuell hohe Zahl an Bauanträgen in der Stadt: Zum einen würden sich immer öfter junge Familien an eine Immobilie im Innenort wagen, zum anderen würden aber auch zum Teil Jahrzehnte alte Baulücken bebaut: "Es gibt ein Umdenken, Bauplätze werden nicht mehr für Enkel und Urenkel gehortet", freut sich Warmuth. Schließlich seien ländliche Regionen auch durch neue Home-Office-Möglichkeiten immer attraktiver. Unter anderem in Untererthal und Obereschenbach will die Stadt möglichst bald neues Bauland erschließen. Außerdem hofft der Bürgermeister, das Bürgerspital bald für altersgerechtes Wohnen zur Verfügung stellen zu können. Ein entsprechendes Konzept werde kommenden Montag im Stadtrat vorgestellt. Für Hammelburg als Wohnort spreche auf alle Fälle jede Menge: die gute Verkehrsanbindung, die vielen Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, Sportanlagen, der Charme der Altstadt und die schöne Natur, schwärmt Warmuth.