Der Umsatz ist überschaubar, aber die Händler sind trotzdem zufrieden: "Ich habe zwar noch keinen Gutschein verkauft, aber ich bin dabei", kommentiert etwa Kharis Koch das Portal "mainlokal-shop.de". Der gelernte Koch hat sich vor fünf Jahren mit einem Catering-Service in Untererthal selbstständig gemacht. Auf dem Portal bietet er deshalb lediglich Gutscheine an, könnte sich aber auch vorstellen, dass darüber Tickets für Veranstaltungen verkauft werden, an denen er beteiligt ist. "Man muss es wachsen lassen", sagt er. Ob er weiter dabeibleibt, hänge von den Kosten und dem neuen Konzept ab.

Auch Birgit Kleinböhl, Inhaberin des Hammelburger Traditionsgeschäftes "Schuh Zoll" am Marktplatz, will erst einmal abwarten: Sie war Anfang April eine der Ersten, die Produkte einstellte und auch gleich verkaufte. "Kurz danach hat aber ja der Laden wieder aufgemacht, das ist mein Hauptgeschäft", erinnert sie sich, dass der Online-Handel schnell wieder einbrach. Aktuell habe sie so gut wie keine Produkte auf dem Portal, in den kommenden Wochen wolle sie aber einen neuen Versuch mit der Herbst-Winter-Ware starten. "Ich finde die Idee gut, wir brauchen einen gemeinsamen Auftritt", appelliert sie an den Zusammenhalt der Einzelhändler in der Altstadt.

Auch für Registrierung nutzbar

Aktuell sind aus Hammelburg 23 "Händler" angemeldet. Darunter ist auch das Kulturbüro der Stadt, das die Registrierung für die "Hamulissimo"-Konzerte am Viehmarkt übers Portal abgewickelt hat. "Das Ticketing läuft sehr gut", berichtet Sebastian Tröster, Mitgründer des Online-Portals. Ob der Verkauf von Karten - im Fall der Hammelburger Karnevalsgesellschaft von Flohmarkt-Ständen - oder die bloße Erfassung der Daten laut Corona-Vorgaben: Durch solche Aktionen werden viele auf das Portal aufmerksam. Rund drei Viertel der Ticket-Käufer würden auch gleich ein Kundenkonto anlegen, viele stöbern dann auch in den regionalen Angeboten.

Im März ging "mainlokal-shop.de" erstmals online. Die Initiative sei aus Lohr gekommen, Sebastian Tröster und Christian Roßmann bauten den Shop in nur vier Tagen auf. Die ersten Wochen seien "der absolute Wahnsinn" gewesen. Jeweils im Abstand von eineinhalb Wochen kamen Karlstadt und Hammelburg dazu. Weil dann die Läden wieder öffnen konnten, sei Hammelburg eigentlich schon zu spät dran gewesen. Das zeigt auch das aktuelle Angebot: Nur gut 200 der 3500 Angebote entfallen auf Hammelburg.

Mehr als 2000 Bestellungen

Insgesamt habe es bislang mehr als 2000 Bestellungen auf "meinlokalshop.de" gegeben. Genauere Zahlen und die weitere Strategie wollen die Initiatoren bei einer Veranstaltung vor allem für Händler in Lohr (siehe Info-Kasten) vorstellen. Details, unter anderem zu den künftigen Kosten für Händler, nennt Tröster bislang noch nicht. Zudem werden in Lohr neue Funktionen vorgestellt. Laut Tröster gibt es auch Verhandlungen mit weiteren Kommunen.

Bei der Einrichtung der Hammelburger Seite ging die Stadt in Vorleistung: Rund 2000 Euro wurden damals als Corona-Hilfe investiert. Außerdem koordiniert Julia Keidel von der Verwaltung den Austausch zwischen den Händlern und den Betreibern. Der zeitliche Aufwand dafür sei in den vergangenen Monaten stetig gesunken: Am Anfang musste sie noch digitale Listen mit Produkten weiterleiten. "Die Händler können sich jetzt selbst einloggen und Produkte einstellen", berichtet Keidel. Selbst in der Freizeit betreue sie die Seite, um den Einzelhandel zu unterstützen.

Den Aufwand für die Händler hält Keidel für überschaubar, es sei vergleichbar mit der Pflege eines Facebook-Profils. "Je mehr mitmachen, desto attraktiver wird's", hofft Keidel auf zusätzliche Angebote: Die Stadtbibliothek überlege bereits, über das Portal Karten zu verkaufen, Keidel hofft aber auch auf Klein-Unternehmer, die online Honig, Likör oder andere selbst gemachte Produkte verkaufen. Bereits vertreten sind viele Winzer, obwohl Vinotheken trotz Corona nicht schließen mussten. "Ich finde das Portal super, und es entwickelt sich ja auch weiter", sagt etwa Julia Schäfer vom Weingut Schäfer. Wein verkauften sie allerdings wenig, nur einige jüngere Kunden meldeten sich. Deshalb wolle auch sie nun erst einmal abwarten, was es in Zukunft kostet, schließlich habe das Weingut einen eigenen Online-Shop.