Eine Weinprobe online - das ist für viele Weingüter in Coronazeiten der Ersatz für herkömmliche Weinproben. Doch eine Weinprobe mit Nonnen, das dürfte schon einmalig sein. Noch dazu, wenn die Schwestern aus verschiedenen Ländern daran teilnehmen.

In der Vergangenheit wurde Hammelburg wegen seines Weins von den Bistümern Fulda und Würzburg intensiv umworben und umkämpft. Mittlerweile geht es zumindest hier friedlicher zu. Kirche und Wein waren j von Anfang an untrennbar miteinander verbunden. Und Hammelburg als ältester Weinstadt Frankens gebührte die Ehre, 2005 den Messwein bei allen Gottesdiensten zum Weltjugendtag in Köln zu stellen. Ein Silvaner vom städtischen Weingut wurde dann auch bei der Messfeier mit Papst Benedikt XVI als Vinum Benedictum ausgeschenkt.

Nun kam der Rebensaft aus dem Saaletal durch die Kongregation der Schwestern des Erlösers wieder zu internationalen Ehren. Angeregt vom Geschäftsführer der Kongregation Martin Stapper, der in Hammelburg lebt, bot Ulrike Lange vom Weingut Lange eine online Weinverkostung für die Erlöserschwestern an. Auf diesem Weg wurde ein Silvaner 2019 als Jubiläumswein 2021 ausgewählt. Aber die Jurorinnen saßen nicht nur in Würzburg, sie nahmen auch von den USA und Tansania aus teil.

Seit 2014 veranstaltet die Kongregation im November/Dezember eine Weinprobe, in dem der Jubiläumswein des Folgejahres ausgesucht wird. Dieser wird an Schwestern und Mitarbeiter, die Dienstjubiläen oder runde Geburtstage feiern, verschenkt. Ebenso dient er als Geschenk für ausgewählte Gäste und Referenten.

Etikett künstlerische gestaltet

Jährlich wechseln die Winzer, die aus ihrer Angebotspalette präsentieren dürfen und so die Vielseitigkeit des Frankenweins demonstrieren. Das Vorderetikett wird von der Kongregation selbst gestaltet und gibt meist das geistlich spirituelle Jahresmotto wider. Die ersten Jahre wurde das Etikett künstlerisch von der heute 105-jährigen Schwester Liutraut gestaltet.

Die Kongregation hat als höchstes internationales Leitungsgremium die sogenannte Generalleitung. Sie besteht aus drei deutschen und je einer tansanischen und amerikanischer Schwester. Üblicherweise treffen sich diese fünf dreimal im Jahr in Würzburg zu einer Klausurwoche. In der letzten Klausurwoche des Jahres findet dann auch die Weinprobe statt und zwar in englischer Sprache. Die Vorbereitung und Organisation sowie die Auswahl der Winzer oblag dem Geschäftsführer der deutschen Abteilung der Kongregation Martin Stapper.

Moderation in Englisch

Was lag näher als für 2020 ein Weingut aus der ältesten Weinstadt Frankens zu wählen? Bereits Ende 2019 hatte Ulrike Lange der Anfrage für 2020 zugestimmt und ohne Zögern auch der Moderation in Englisch. Als dann immer klarer wurde, dass die Coronapandemie einen Besuch der ausländischen Schwestern nicht erlauben würde, hatte Lange der Weinprobe per Videokonferenz zugestimmt.

Am 12. November hatte das Weingut Lange den Wein für Tansania und USA auf die Reise geschickt. Binnen zwei Wochen kam der Wein auch in Tansania unbeschadet an. Leider hat der Zoll in den USA das Paket erst am 4. Dezember. freigegeben - zwei Tage nach der Weinprobe.

Die TeilnehmerInnen der online-Weinprobe kamen aus drei Kontinenten: Schwester Monika Edinger, Schwester Tamara Lutz (Generalassistentin) Martin Stapper (Geschäftsführer im deutschen Gebiet der Kongregation) aus Würzburg, Schwester Anne Marie Haas (Generalassistentin aus Philadelphia, USA) sowie Schwester Benedikta Mbinga (Generalassistentin aus Mtwara, Schwester Tadea, Schwester Mpanda (ehem. Generalassistentin aus Mtwara).

In Würzburg war es 19 Uhr, in Mtwara - Tansania 21 Uhr und in Philadelphia, USA 13 Uhr als die online-Weinprobe losging. Zur Auswahl standen ein Riesling, ein Bachus und ein Silvaner von den Hammelburger Weinbergen des Naturland-Weingutes Lange.

Einige Schwierigkeiten

Auch wenn online-Treffen immer beliebter werden, gibt es immer wieder Unsicherheiten. So war die fast dreistündige Weinprobe mit einigen Schwierigkeiten gespickt: Schwester Anne Marie (USA) musste auf lokalen Wein zurückgreifen. Und die beiden tansanischen Schwestern hatten instabiles Internet und nahmen nur telefonisch teil. Dennoch hatten alle sichtlich Spaß. Am Ende wurde aus der Auswahl von drei Weinen der 2019er Silvaner zum Jubiläumswein gewählt, nicht einstimmig, aber mehrheitlich. Das jährlich neu entworfene Etikett wird von der Druckerei Walz (Hammelburg) gedruckt werden. Geschäftsführer Stapper zieht ein positives Resümee: "Eine Weinprobe vor Ort und mit Führung ist sicherlich noch beeindruckender, aber die Videokonferenz ist eine tolle Alternative und Entfernungen spielen überhaupt keine Rolle!"

Viele Anfragen

Ulrike Lange hat im Moment viele Anfragen für online-Weinproben und ist fleißig am Versenden von Weinprobenpaketen. Je nach Wunsch enthalten diese neben den Weinen auch regionale Spezialitäten zum Essen wie etwa leckere Aufstriche, Wurstdosen oder Dörrplootz.

"Die Teilnehmer haben viel Spaß miteinander während der online-Verkostung. Der Austausch mit mir als Moderatorin und auch untereinander ersetzt vielen die persönlichen Treffen mit Freunden, der Familie bei Weihnachtsfeiern und auf Adventsmärkten, die dieses Jahr nicht stattfinden können", sagt Ulrike Lange.