Förster denken in langen Zeiträumen, aber die traurigen Rekorde kommen immer öfter jährlich. Heuer bereitetet Betriebsleiter Matthias Wallrapp vom Juliusspital vor allem die Trockenheit Sorgen: "Eigentlich kommt frisch geschlagene Fichte mit mindestens 80 Prozent Feuchtigkeit ins Sägewerk, heuer liegen wir bei 45 Prozent", berichtet er, und: "Die Fichte kann nicht mehr kompensieren, was an Wasser fehlt." Deshalb sei sie auch anfälliger für den Borkenkäfer. Umso erfreulicher sei, dass die Stadt im 2250 Hektar großen Stadtwald bereits seit Jahren auf andere Baumarten setzt: Der Anteil der Fichte wurde vom Höchststand 43 Prozent auf rund zehn Prozent reduziert.

"Die Fichte wird bei uns verschwinden, weil sie nicht standortgerecht ist", sagte Wallrapp beim ersten Waldbegang des neuen Stadtrates, und: "Die Natur sieht in unserer Region eher kein Nadelholz vor." Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen strebt der Förster jedoch einen Anteil aller Nadelhölzer zusammen von zehn bis 20 Prozent an, vor allem werde es als Bauholz benötigt. Ein Hoffnungsträger ist dabei die Weißtanne. Wallrapp zeigte den Stadträten die Pfahlwurzel einer kleinen Weißtanne im Gegensatz zur flachen Wurzel einer Fichte. Aber auch auf Douglasie und Lärche setzt Wallrapp. Seine Devise: "Möglichst viele Baumarten sind die beste Versicherung gegen den Klimawandel."

Seit mehr als 30 Jahren betreut Hubertus Tumpach als Städtischer Forstbetriebsleiter den Hammelburger Wald. Als "ganz brutal" bezeichnet er den Borkenkäfer-Befall in den verbliebenen Fichtenbeständen. Oberhalb von Diebach hat die Stadt einen Lagerplatz mit rund 900 Festmetern Fichte angelegt, mindestens 500 Meter vom nächsten Fichtenbestand entfernt, weil der Borkenkäfer so weit ausfliege. Fichten werden im Stadtwald nur noch dann eingeschlagen, wenn sie vom Käfer befallen sind, denn: Angesichts der niedrigen Holzpreise könne sie schon längst nicht mehr kostendeckend aufgearbeitet werden. Die Stadt versuche nun, das Holz über den Winter zu verkaufen. Wallrapp schließt aber nicht aus, dass die Stadt am Ende drauflegen muss.

Waldbau im Wandel

Als "erschreckend" bezeichnete Wallrapp auch den aktuellen Zustand vieler Buchen. "Die einzige Baumart, die sich bisher als klimatolerant gezeigt hat, ist die Eiche." Laut Tumpach gab es auch bei den Nachpflanzungen viele Ausfälle durch Trockenheit. Die beiden Förster machten aber auch Mut: Sie zeigten an zwei Standorten, dass vor sechs Jahren gepflanzte Buchen sehr gut wachsen. Wenn die rund 40 Jahre alten Fichten absterben sollten, steht also ein Buchenbestand bereit. 6000 kleine Buchen seien pro Hektar mit staatlicher Förderung gepflanzt worden, für die Stadt sei das "kostenneutral" gewesen. Außerdem zeigte Wallrapp den Stadträten eine Seltenheit: Vor rund 60 Jahren wurden im Gebiet "Bettelfrau" bei Morlesau Roteichen gepflanzt.

Dem Hammelburger Stadtwald sind laut Tumpach aktuell dreieinhalb Stellen zugeordnet. Im Jahr 2019 habe der Forstbetrieb zum ersten Mal in seiner Amtszeit ein Minus erwirtschaftet. Mit Brennholz alleine könne der Betrieb keinen Gewinn erzielen. Seine Prognose: "Der Waldbau, wie wir ihn kennen, wird sich wandeln."