Die Liste der ehemaligen GuIG-Mitwirkenden ist länger geworden, als wir dachten", sagt Valentin Fell. Über 60 Namen hat er aufgelistet. Sie alle wurden persönlich eingeladen. Der 65-jährige Fell, der 63-jährige Reinhard Beichel und der 62-jährige Friedbert Heckmann zählen zu den Urgesteinen der Gesangs- und Instrumentalgruppe GuIG.

"Wir haben weder ein offizielles Gründungsdatum noch Vereinsstrukturen", erläutert Fell. Nur ein Plakat, das 1966 die erste Jazz-Messe in der Stadtpfarrkirche ankündigte. Ein wenig geprobt haben musste die Gruppe vorher schon. Daher wird auf 1964 als Gründungsjahr zurückgeschlossen.

Anfangs war die GuIG ausschließlich männlich besetzt. Es waren Pfadfinder, Ministranten und Sängerknaben. Sowohl am Lagerfeuer als auch in Gottesdiensten spielten sie begeistert auf. Sehr zur Freude von Stadtpfarrer Oskar Röll.

"Er war unser größter Förderer und gleichzeitig auch unser ‚Bremser‘", erinnert sich Fell. Vor allem als ihre Haare und Bärte länger wurden, als moderne Musik und Aufbruchsstimmung in der Kirche sie mehr begeisterten als Pfadfinderlieder und konventionelle Gottesdienste. "Uns alle hat das Zweite Vatikanische Konzil beflügelt, das neue Wege öffnete", erklärt Friedbert Heckmann.

Gitarren am Altar hieß Pfarrer Röll noch gut. Doch als Schlagzeug, elektrische Verstärker und sogar noch junge Mädchen die GuIG aufpeppten, gab es lange Diskussionen mit ihm. "Er hätte sich gefreut, wenn mancher von uns Priester geworden wäre", fasst Fell zusammen. "Doch trotz aller Kontroversen hielt Röll immer zu uns", resümiert Beichel.

Ende der 1960er Jahre wurde aus der GuIG ein gemischter Chor, aus dem viele Ehen hervorgingen. Nahezu jeden zweiten Sonntag gestaltete der Freundeschor quer durch die Diözese eine Messe, brachte neue Rhythmen und frischen Schwung in alte Kirchenbänke: "Zum Lobe Gottes und für die anschließende Einladung zum Frühschoppen", sagt Fell schmunzelnd.

Man sei im Religiösen fest verwurzelt, aber stets offen für die Welt gewesen. "Wir haben uns für die Friedensbewegung eingesetzt, Podiumsdiskussionen zwischen Kirche und Militär organisiert und Protestbewegungen begleitet", berichtet Beichel. Für die Caritas habe man Altkleidersammlungen veranstaltet. Gemeinsame Urlaube festigten den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe.

Legendär waren die Rosenmontags-Faschingsbälle bis 1995 im Kolpingheim. "Alles haben wir selbst dekoriert und die Musik live gespielt. Unsere Eintrittskarten waren heiß begehrt", sagt Fell. Büttenreden, Spiele und Live-Acts gehörten zum Repertoire. Zu dieser Zeit trat die GuIG auch als Coverband mit Chor bei Weinfesten auf dem Marktplatz oder auf Schloss Saaleck auf.

Immer wieder gab es im Laufe der 50 Jahre Neuorientierungen und Umbesetzungen. In den 1970er Jahren war Rudolf Heckmann Chorleiter. Ihn beerbte bis Ende der 1990er Jahre Paul Oschmann. Dann dirigierte ein paar Jahre Friedbert Heckmann den Chor, bevor 2005 Stefan Ammersbach die Leitung übernahm.

Heute bilden 17 Sängerinnen und zehn Sänger den vierstimmigen Chor, ergänzt durch Gitarre, Keyboard und Percussionisten. Manche Chormitglieder bringen sich auch als Instrumentalisten ein. Unter der künstlerischen Leitung des 37-jährigen Ammersbach, der Musik und Mathematik an der Bad Kissinger Realschule unterrichtet, hat sich das musikalische Spektrum weiter entwickelt. Im Repertoire hat die GuIG neben Gospels, Spirituals und Madrigalen auch Sacropop, Rock- und Bluessongs.

Bei musikalischen Wochenendfortbildungen, wie in den vergangenen zwei Jahren in Babenhausen, stärken gemeinsame Wanderungen, Diskussionen und Andachtsfeiern den Geist des Chores. In den vergangenen Jahren gab es drei Projekt-Konzerte, die Ammersbach gemeinsam mit Maria Heckmann entwickelte. Sie gestaltete die Konzerte mit Texten und Bilder und übernimmt größtenteils die organisatorischen Aufgaben der Gruppe. Aus den Erlösen der letztjährigen Konzertreihe "Jesus: Ich bin..." spendete die GuIG knapp 5000 Euro an soziale Projekte.

Seit 1979 hat die musikalische Ausgestaltung der Messe am zweiten Weihnachtsfeiertag Tradition. Daneben gestaltet die GuIG weiterhin Gottesdienste, Gedenkfeiern oder kleinere Konzerte. "Jeder unserer musikalischen Auftritte hat eine eigene Energie, Spiritualität und einen besonderen Klang", erklärt Ammersbach. Er erinnert sich besonders an die Intensität der ökumenischen Gedenkfeier für Angehörige verstorbener Kinder in der Bad Kissinger Erlöserkirche im März dieses Jahres.