Doppelte Premiere im katholischen Pfarrzentrum: Erst kam der Wasserschaden, dann Corona. Dankenswerterweise konnten die Nachmittage zunächst im evangelischen Martin Luther Gemeindehaus stattfinden, bis der Schaden repariert war. Dort traf man sich im März 2020 zum letzten Mal. Dann kam mit Corona eine viermonatige Zwangspause.

Das Team um die Hauptverantwortliche Bianca Volkert, überlegte lange hin und her, wog alle Risiken ab und entschied sich jetzt erstmals wieder gemeinsame Nachmittage anzubieten. Sowohl das Team wie auch alle betagten Gemeindemitglieder gehören der Risikogruppe an und dementsprechend mussten Vorkehrungen getroffen werden. Einlass nur mit Anmeldung, Maske, Hände desinfizieren und viel Abstand zwischen den Sitzplätzen. Gäste und Team wurden auf ein Minimum begrenzt so dass nur jeweils 20 Gäste, drei Servicekräfte(Margarete Keidel, Marianne Schneider, Bianca Volkert) und zwei Küchenkräfte (Christa Bauer, Ilse Fenn) anwesend sein konnten. Diese drastische Einschränkung veranlasste das Team, sich an zwei aufeinanderfolgenden Nachmittagen für die Senioren der Kirchengemeinde einzusetzen.

Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten groß. Am schwierigsten fiel es allen sich nicht umarmen zu können. Singen war auch nicht erlaubt, aber Rudolf Schlembach spielte auf der Zither schöne Melodien und las dazwischen passende Gedichte und Gebete.

Hauptthema des Nachmittags war natürlich Corona. Aufgrund der Abstände wurde lautstark diskutiert. Viele Aussagen waren doch sehr überraschend. Barbara Steinocher meinte: "Noch nie waren meine Kinder so um mich besorgt. Regelmäßige Telefonanrufe und Hilfeangebote bei Besorgungen. Corona zeigt, dass ich mich auf meine Familie verlassen kann, wenn es darauf ankommt". Luise Possehl-Müller meinte: "Man muss halt alte Gewohnheiten ändern, sich den Gegebenheiten anpassen und akzeptieren wie es gerade ist".

Ilse Manger berichtete, dass der Hammelburger Fußballverein glücklicherweise für sie einmal wöchentlich das Einkaufen übernommen hatte. Sie dankte Robert Stapper für die große Unterstützung.

Und auch Frieda Assmann erzählte: "Niemals zuvor hatte ich so viele Gespräche wie in diesem Jahr. Täglich sitze ich bei schönem Wetter auf dem stets gut besuchten Marktplatz." Viele Hammelburger seien nicht verreist und gleichzeitig habe der Wohnmobiltourismus sehr zugenommen. Oft werde sie gefragt, wo man Essen gehen oder einkaufen könne, was man sich in Hammelburg anschauen sollte oder welcher Winzer geöffnet habe. "Manchmal kam ich mir vor wie ein Auskunftsbüro, aber ich habe die Kontakte sehr genossen."

Käthe Schaupp wollte eigentlich zuerst nicht kommen. Ihr Sohn ist Arzt und "ich bekomme mit welche Auswirkungen Corona für uns ältere oder gesundheitlich geschwächten Personen bedeutet". Aber das Hygienekonzept des Seniorenteams sei für sie mehr als hundertprozentig, "Ich fühle mich sehr sicher und freue mich schon heute auf den nächsten Mitmach-Aktiv-Seniorennachmittag", sagt sie.

Es gab aber auch kritische Töne. So herrschte allgemeines Unverständnis für Maskenverweigerer oder Verschwörungstheoretiker, dass in Berlin zig-Tausende ungeschützt auf die Straße gingen und Menschen trotz Reisewarnung in den Urlaub fahren als gäbe es kein Corona. Großes Mitgefühl herrschte für die Dramen, die sich in Italien, Spanien, USA und in Brasilien abspielen. Lenchen Herrlein traf es wohl am besten mit ihren Worten: "Dieser Nachmittag ist ein schönes Geschenk für mich und gibt mir wieder etwas Normalität zurück. Es bestärkt meine Hoffnung auf ein gemeinsames Überwinden von Corona."

Es wurden zwei schöne Nachmittage, die alle sichtlich genossen. Das Team hat sich entschieden diese Nachmittage bis Ende des Jahres zu veranstalten. Termine können erst kurzfristig bekannt gegeben werden, je nach Verfügbarkeit des Pfarrheimes und den Corona-Auflagen.