Aus der Forstwirtschaft stammt der Begriff Nachhaltigkeit: Wälder sind eine Aufgabe für Generationen. Umso wichtiger ist es, den Wald im eigenen Zuständigkeitsbereich gut zu kennen. Der ständige Wechsel im Sulzthaler Gemeindewald steht dem entgegen: Bürgermeister August Weingart hat in seiner mittlerweile achtjährigen Amtszeit bereits vier Förster der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhön-Saale erlebt. Umso mehr hofft er, dass mit Markus Söder nun Kontinuität einkehrt.

Seit dem Jahr 2020 geht der Markt Sulzthal einen Sonderweg innerhalb der FBG: Die übernimmt für ihre Mitgliedskommunen eigentlich immer Betriebsleitung und Betriebsführung. Das heißt, dass Entscheidungen zur Entwicklung des Waldes und die Vermarktung des Holzes in einer Hand liegen. Die Sulzthaler haben sich für die Waldentwicklung jedoch den Experten Wolfram Zeller geholt. Der 68-Jährige leitete in den 1990er Jahren das Forstamt Münnerstadt, in dessen Zuständigkeitsbereich auch Sulzthal lag. Von 2005 bis 2019 war er Chef des Forstbetriebs Bad Brückenau bei den Bayerischen Staatsforsten.

"In zwei Jahren ist Markus Söder jetzt mein dritter Ansprechpartner", kommentiert Zeller die Zusammenarbeit mit der FBG. "Ich würde mich freuen, wenn er länger bleibt", sagt der 68-Jährige. Oder anders ausgedrückt: "Ich bin sicher, dass mich Markus Söder hier überlebt." Zellers Vertrag mit der Gemeinde Sulzthal verlängere sich von Jahr zu Jahr. "Solange es gesundheitlich geht, werde ich das gerne weiter machen."

Wechsel zum 1. September

"Ich habe vor, hier langfristig zu bleiben", betont der neue Förster Markus Söder. Der 48-Jährige stammt aus Oberelsbach, wohnt allerdings schon länger in Hammelburg. Zum 1. September wechselte er zur FBG. "Ich wollte nochmal eine neue Erfahrung machen", begründet er den Schritt. Zuständig sei er für den rund 500 Hektar großen Sulzthaler Gemeindewald und für Privatwald. Insgesamt bereut die FBG rund 7000 Hektar Wald in der Region.

"Er hat sich gründlich vorbereitet", lobte Wolfram Zeller den neuen Förster gleich beim ersten wichtigen Termin, dem Waldbegang des Sulzthaler Gemeinderates. Dabei wurde deutlich, dass Zeller und Söder in vielen Punkten ähnliche Ansichten haben. "Die Gemeinde Sulzthal wird in Zukunft noch mehr von der Eiche leben", sagt etwa Betriebsleiter Wolfram Zeller und erntet Zustimmung dafür. Mit der Eiche sei Sulzthal auf der richtigen Seite, sowohl mit Blick auf den Klimawandel, als auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Deshalb gebe es viele Waldbilder, in denen große Eichen stehen und die Buche nur als Schutz für die Stämme dient. Zwei besonders große Eichen mit einem Durchmesser von mehr als 70 Zentimetern auf Brusthöhe führten die Förster im Bereich Steinpfad vor. Solche Stämme brächten mehrere tausend Euro. "Aber keine Sorge, die sollen nicht gefällt werden", beruhigte Zeller.

"Die Buchen haben massiv gelitten", fasst Zeller den trockenen Sommer zusammen. Zudem sei die Buche aktuell außer Mode. Umso wichtiger sei es, große Buchen ohne roten Kern heranzuziehen, die sicher noch den besten Erlös brächten. Zeller sprach sich beim Waldbegang auch für kleinere, aber häufigere Eingriffe aus: Waldstücke sollten lieber zwei Mal im Jahrzehnt bearbeitet werden als sie auf einmal "zu licht zu stellen".

Einig sind sich beide auch, dass die Waldbewirtschaftung nicht immer ideal gelaufen sei: In einem Waldstück zeigten sie tiefe Spuren von Rückefahrzeugen. "Sobald wir das festgestellt haben, haben wir das Rücken gestoppt", berichtete Zeller. Auf der anderen Seite verweist Söder darauf, dass das Holz an Wert verliere und die Kronen nicht aufgearbeitet werden könnten, wenn die Stämme zu lange im Bestand liegen. Ein zusätzliches Problem sei, dass es immer weniger Betriebe gebe, die das Holz aufarbeiten und rücken. Trotzdem soll in Zukunft vertraglich festgehalten werden, dass das Rücken bei zu großen Schäden am Waldboden sofort eingestellt wird. Selbst wenn ein späterer Verkauf vielleicht zu Mindereinnahmen führe.

Lärche und Kiefer bekommen Probleme

Während viele Waldbesitzer den Anteil der Laubbäume dringend erhöhen müssen, soll im Sulzthaler Wald der Nadelholzanteil in den kommenden Jahrzehnten leicht steigen. Vor allem den Anteil der Douglasie möchte Zeller von aktuell drei auf sieben Prozent mehr als verdoppeln. "Gutes Geld" bringe aktuell auch noch die Lärche, sie sei im vergangenen Jahr auch gut gewachsen im Sulzthaler Wald. Allerdings sei die Lärche eine Hochgebirgsbaumart: "Sie wird bei uns in Zukunft wegen des Klimawandels Probleme haben", sagte Zeller. Ähnliches prognostiziert er für die Kiefer: Die sei in Sulzthal auf vielen Flächen gepflanzt worden, obwohl sie keinen kalkhaltigen Boden vertrage. Stattdessen setzen Zeller und Söder auf Baumarten wie Nuss, Baumhasel, Kirsche, Elsbeere, Speyerling oder Spitzahorn. Davon gebe es jede Menge Jungbäume, sie müssten nur dringend frei geschnitten werden.