Zum Jahreswechsel ziehen Menschen häufig Bilanz über die verflossenen zwölf Monate. Oft reichen dabei die Gedanken noch weiter zurück, in die Kindheit, seit der sich das eigene Umfeld auch baulich vollständig verändert hat. Auf zahlreichen Foto-Tafeln haben Renate und Erich Graser die Historie ihres Heimatortes Aura zu neuem Leben erweckt. Zu sehen waren die Tafeln erst einmal öffentlich, Hobby-Heimatforscher Renate und Erich Graser hoffen auf weitere Anlässe, um ihre Unikate erneut ausstellen zu können. .

Die historischen Aufnahmen entführen den Betrachter zum beispiel hinunter zur ehemaligen "Lohmühle" und dem Sägewerk am Saaleufer, das seine Dienste vor einem Jahrhundert quittierte und nach einem Brand dem Neubau der "Fränkischen Saaletal Elektrizität- Genossenschaft" weichen musste.

Dr. Maximilian Oschmann, ein Euerdorfer, der auch Besitzer der Klosterruine war, führte die Genossenschaft, die Anteilscheine für Bürger ausgab, die sich einkaufen wollten. Jahrzehnte später übernahm das Überlandwerk Unterfranken (ÜWU) den Komplex, der sich heute im Besitz eines Elfershausener Bürgers befindet. Der heimische Maler Max Wörner hielt noch rechtzeitig das Ursprungsgebäude in seinem Gemälde fest, bevor der Strom in Aura Einzug hielt.

Nur einen Steinwurf entfernt - in Nähe der Dorflinde - stand das ehemalige Rathaus, das 1964 im Zuge des Wasserleitungs- und des Brückenbaus der Spitzhacke zum Opfer fiel. Georg Schneider war dort der letzte Bürgermeister. Mit dem Abbruch musste ein neues Domizil gefunden werden, in dem Bürgermeister und Gemeinderat residieren konnten. Dies war zunächst ein Wohnhaus in der Hauptstraße, danach das als "große Schule" genutzte Anwesen am Kirchberg. Dieses verließ Bürgermeister Thomas Hack nach Gemeinderatsbeschluss, um in die leer stehende Schule überzusiedeln. Architekt Johannes Hahn kaufte das Gebäude am Kirchberg.

Am nördlichen Saaleufer befand sich das Gasthaus "Alte Brauerei", so geheißen, weil es an die Brauerei Wahler anschloss. Von mehreren Pächtern betrieben, kann sich das Ehepaar Graser noch an Schulspeisungen erinnern, die in einem Holzvorbau des Gasthofs ausgegeben wurden.

Die Verbindung zwischen den durch die Saale getrennten Ortsteilen war eine steinerne Bogenbrücke. Sie wurde Anfang der 60er Jahre von einem zeitgemäßen Brückenbau ersetzt. Dieser wurde vor vier Jahren umfassend saniert, parallel wurden die "Schrenk" und die Hauptstraße erneuert.

Der Stationsweg am Kirchberg führt in das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert zum Kloster Aura, das Otto von Bamberg im Jahr 1108 gründete. Benediktiner-Mönche unter dem erst 19-jährigen Abt Ekkehard zogen hier ein und wirkten in der Umgebung. Ekkehard war weit gereist und gilt als Universal-Genie seiner Zeit. Das Kloster schloss seine Tore im Jahr 1564. Die Gebäude nutzte die Gemeinde in Wohn- und Mieträume um.

Zu besonderen Anlässen ist die erhaltene Klosterkirche geöffnet. Hier findet sich der vor einigen Jahren geschaffene "Apostelsaal" mit einer Ausstellung. Neue Glocken erhielt der Kirchturm vor knapp drei Jahren. Weil Land- und Baumaschinen größere Dimensionen erreichten, wurde das Nord-Tor des Klosters eingerissen. Zwar fanden sich viele Steine wieder, die in Tor-Form neben dem Friedhof liegen, doch ist der Kopfstein bis heute unauffindbar. Johann C. Danz hielt in Skizzen und Bildern die damalige Szenerie fest. Viele Auraer hoffen, dass besagter Kronenstein oder auch die verschwundene Original-Chronik doch noch auftauchen.