Die Vorfreude bei der Obererthaler Feuerwehr ist groß: Der Rohbau steht, das Dach ist drauf, im Frühjahr 2023 soll das neue Feuerwehrhaus für den Stadtteil offiziell eingeweiht werden. "Das neue Gebäude steht schon lange im Bedarfsplan", weist der neue Kommandant Simon Sitzmann darauf hin, dass die Feuerwehr schon seit Jahren den Wunsch nach einem neuen Domizil äußert. Denn im aktuellen Feuerwehrhaus in der Ortsmitte gehe es extrem eng zu: "Wir haben links und rechts nur zwei Zentimeter Platz zum Rausfahren", beschreibt Sitzmann die Breite des Tores.

Einsatzkleidung daheim gelagert

Zudem sei im Gebäude nur Platz für das Fahrzeug, ihre Einsatzkleider lagern die aktiven Mitglieder der Obererthaler Wehr daheim. "Das hat sich so eingebürgert", berichtet Kommandant Sitzmann. Verzögerungen seien deshalb manchmal vorprogrammiert: Selbst wenn jemand direkt neben dem Feuerwehrhaus stehe, müsse er bei einem Alarm oft erst rauf bis in die Siedlung fahren, um sich umzuziehen. Spätestens im Mai 2023 soll damit endgültig Schluss sein.

Zwei bis drei Termine pro Woche hat Simon Sitzmann auf der Baustelle, berichtet der neue Obererthaler Kommandant, der aktuell seinen Wohnsitz außerhalb hat, aber so schnell wie möglich wieder zurück nach Obererthal ziehen will. Zwar übernehme die Wehr vor allem wegen der Gewährleistung aktuell noch keine Arbeiten, aber es gebe immer wieder Themen zu klären. Beim Anlegen des Außenbereichs wollen die Feuerwehrleute dann auch selbst mithelfen.

Nur eine statt vier Duschen

"Mit dem Plan sind wir sehr zufrieden", sagt Sitzmann. Im Jahr 2020 hätten sie sich zum ersten Mal mit Vertretern der Stadt und Architekt Thomas Ruser getroffen. "Wir haben nur das Nötigste geplant", stellt Sitzmann klar. Beispiel: Die Wehr hätte auf bis zu vier Duschen bestehen können, getrennt nach Männern und Frauen. Weil sich die Mitglieder aber vermutlich daheim duschen, werde nur eine abschließbare Dusche eingebaut. Verständnis hat Sitzmann dafür, dass sich die für Ende 2022 geplante Fertigstellung einige Monate verzögert.

Laut Architekt Ruser ging bisher alles eigentlich "sehr flott": Den Rohbau habe eine Hammelburger Baufirma ab März zügig hochgezogen. Mittlerweile ist das Dach gedämmt und abgedichtet, die Fenster sind eingebaut, und der Spengler ist fertig. Auch die 65 Quadratmeter große Fahrzeughalle hat ein von innen sichtbares Holzdach: "Das ist vom Brandschutz her überhaupt kein Problem, weil ja nichts drüber ist", berichtet Ruser. Über der Bretterdecke sorgen 32 Zentimeter Dämmung dafür, dass der KfW-40-Standard eingehalten wird. Trotzdem rechnet er mit einigen Monaten mehr Bauzeit: "Alleine das Tor für die Fahrzeughalle hat fünf Monate Lieferzeit", nennt er einen Grund. Auch in anderen Bereichen sei die Lage auf dem Bau aktuell einfach extrem schwierig. "Deshalb werden wir vermutlich einiges ins neue Jahr reinkommen", sagt Ruser.

Im Gegensatz zum eingeschossigen Neubau des Feuerwehrhauses in Gauaschach hat sich Ruser in Obererthal für eine zweigeschossige Lösung entschieden: Das Hanggrundstück neben dem Festplatz habe sich dafür angeboten, einen Stock tiefer einen Schulungsraum einzurichten. Im Gebäude gibt es eine Treppe, barrierefrei erreichbar ist der Raum von außen. Als Glücksfall habe sich erwiesen, dass die Stadt ein Grundstück unterhalb kaufen konnte: "Wir haben rund 100 Meter Kanal verlegt, dadurch müssen wir das Abwasser zum Glück nicht pumpen", sagt Ruser. Die Fläche über dem neuen Kanal werde zudem als unbefestigter Weg genutzt.

Auf rund 1,1 Millionen Euro sind die Kosten für das neue Feuerwehrhaus veranschlagt. Das Bauen nach KfW-40-Standard sei zwar etwas teurer, dafür rechnet Ruser aber auch mit knapp 140.000 Euro Zuschuss. Für den neuen Stellplatz hat die Regierung von Unterfranken pauschal 63.500 Euro Förderung gewährt. "Die Mehrkosten gleichen sich aus", betont Ruser. Langfristig rechne sich die Investition auch deshalb, weil die bessere Dämmung und die Pelletsheizung den Unterhalt günstiger machten.

Eine Besonderheit des Obererthaler Feuerwehrhauses ist die Trockenbauwand in den Umkleiden: Eine zwei Meter hohe Abtrennung steht mitten in einem großen Raum. "Dadurch sind Absprachen während der Einsatzvorbereitung möglich", nennt Ruser als Vorteil des Freiraums über der Wand. Zudem könne die Trockenbauwand relativ leicht versetzt werden, falls sich die Zusammensetzung der Wehr aus Männern und Frauen grundlegend ändere.