Ab sofort gibt es in der Verwaltungsgemeinschaft Euerdorf die "Helfer vor Ort" - eine organisierte, offizielle Ersthelfergruppe, die die Rettungskette ergänzt. Die "Helfer vor Ort" (HvO), sind Einwohner der Verwaltungsgemeinschaft. Sie werden bei Notfällen alarmiert und "überbrücken" mit ersten Notfallmaßnahmen die Zeit beim Notfallopfer, bis der Rettungsdienst eintrifft. "Die HvO leisten qualifizierte Erste Hilfe, wie zum Beispiel eine Reanimation mit dem Defibrillator", erklärt Andreas Büttner, selbst HvO und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Euerdorf. Die HvO sind der Euerdorfer Wehr aus versicherungstechnischen Gründen angegliedert. "In anderen Orten gibt es bereits die HvO, die wertvolle Arbeit leisten. Beispielsweise bei einem Herzstillstand. Hier zählt jede Minute", erklärt er. Die HvO-Mitglieder können schnell vor Ort sein, sind ortskundig und kennen die Menschen. Büttner betont: "Trotzdem ist es wichtig, den Notruf wie bisher unter der 112 abzusetzen, damit die ILS die notwendigen Maßnahmen koordinieren kann."

Insgesamt 17 Frauen und Männer aus allen Ortsteilen der Verwaltungsgemeinschaft absolvieren ihren Dienst. Ehrenamtlich. "Immer zwei Personen haben gleichzeitig Dienst von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens. Samstags, sonn- und feiertags sind sogar 24 Stunden Dienst angesagt. In dieser Zeit sind die HvO angehalten, sich auf dem Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft aufzuhalten, um im Notfall schnell vor Ort zu sein", erklärt Klaus Kaufmann, stellvertretender Kommandant und ebenfalls Mitglied der HvO-Gruppe. Ein Diensthabender führt das HvO-Fahrzeug mit sich, das medizinisches Equipment enthält. Die HvO werden von der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt informiert. Und zwar immer dann, wenn ein Notarzt-Einsatz ansteht oder der Disponent der ILS den Einsatz für notwendig hält, weil etwa der Rettungswagen einen zu langen Anfahrtsweg hat.

Aufbau der HvO durch Corona erschwert

Der Aufbau der HvO-Gruppe war mit dem Begleiter Corona nicht ganz einfach. Erste Überlegungen dafür gab es bereits 2020, was in der Marktgemeinde sehr unterstützt wurde. Das freut die HvO. "Es ist zwar eine freiwillige Tätigkeit, aber sie verursacht Kosten, wie für die Anschaffung des Wagens, den wir glücklicherweise gebraucht übernehmen konnten, oder die medizinische Ausstattung", erklärt Büttner. Ein allgemeiner Info-Abend für Interessierte konnte wegen Corona nicht stattfinden.

Weiterhin war für die HvO-Mitglieder eine rettungsmedizinische Grundausbildung angedacht, die ebenfalls wegen Corona ausfiel. "So haben wir zunächst gezielt die Interessenten für die HvO-Gruppe angesprochen, die bereits über eine notwendige Ausbildung verfügten, wie Ärzte, Krankenschwestern, Altenpfleger, Hauptberufliche im Rettungsdienst und in der Feuerwehr", berichtet Büttner. Auch einige Mitglieder der SEG Ramsthal, der Rotkreuzbereitschaft, beteiligen sich an der HvO Gruppe.

Parallel wurde mit der ILS ein Konzept erstellt. Dieses wurde in den Gemeindegremien vorgestellt und um finanzielle Beteiligung gebeten. Die HvO wurden auch von der Allianz "Fränkisches Saaletal" gefördert. "Damit konnte ein hochwertiges Kombigerät angeschafft werden, das nicht nur als Defibrillator und EKG dient, sondern auch gleichzeitig den Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut des Patienten überwacht", sagt Büttner. Die Mitglieder sind ausgebildet und am Fahrzeug und den medizinischen Geräten eingewiesen.

Bei der Planung waren Büttner als Feuerwehrkommandant sowie seine Stellvertreter Klaus Kaufmann und Laura Ferdin aktiv. "Außerdem unterstützte der Wirmsthaler Kommandant Dominik Billmann. Besonders haben wir uns über die Beteiligung des Arztes Markus Holleber vom Ärzteteam der Hausarztpraxis Euerdorf gefreut. Er ist zusätzlich als Notarzt tätig und war bei der Planung, Beschaffung von Ausrüstung und bei der Aus- und Fortbildung ein Glücksfall. Ebenso wie das Mitwirken von Dirk Zirwick, selbst Notfallsanitäter und Rettungsdienstleiter. Dadurch waren wir von Beginn an bestens beraten und wussten, worauf wir zu achten hatten", erklärt Andreas Büttner. Er rechnet pro Jahr mit rund 100 Einsätzen der HvO, also mit zwei Einsätzen in der Woche.

Auch an die Zukunft denkt das Planungsteam: Die HvO-Gruppe soll sich über Mitgliedsbeiträge selbst finanzieren. "Dazu wird demnächst ein Förderverein gegründet, bei dem jeder förderndes Mitglied und damit Unterstützer werden kann", erklärt Andreas Büttner. Augenzwinkernd merkt er an: "Die HvO kommen aber auch zu Nichtmitgliedern. Die Notfalleinsätze sind kostenfrei. Wenn die Pandemie überstanden ist, werden auch weiterhin HvO gesucht und ausgebildet." Dazu ist eine Informations-Veranstaltung geplant.