Vor sechs Jahren wurden die ersten Pläne gemacht, seit drei Jahren wird gebaut, jetzt geht es endlich aufs Ende zu: "Der Umzug ist für die dritte Januar-Woche geplant", berichtet Bürgermeister Peter Bergel (Bürgerblock). Die Zeit drängt, denn die Gemeinde Euerdorf hat den bisherigen Dienstsitz der Verwaltungsgemeinschaft (VG) schon vor längerem an die benachbarte Firma "Perma-Tec" verkauft. Im Frühjahr muss die Verwaltung alles abgebaut haben. Die Rollschränke fürs Archiv sind bereits in den Neubau im Ortskern umgezogen. Die Computer folgen, aber die meisten Möbel werden ausgetauscht: Am 29. Dezember sollen die Räume des neuen Rathauses ausgestattet werden. Die Möbel für den Sitzungssaal kommen bereits jetzt.

Der Neubau hat den Gemeinderat in den vergangenen Jahren immer wieder beschäftigt: Ständig kamen Änderungen und Nachträge (siehe Info-Kasten). Vor der Kommunalwahl wurde das Prestige-Objekt zudem zum Politikum: Ex-Gemeinderat Bergel warf Bürgermeisterin Patricia Schießer (CSU) vor, die Kosten nicht im Griff zu haben. Die erste Kostenschätzung lag bei 2,6 Millionen Euro. Bergel geht davon aus, dass die endgültigen Kosten bei rund 6,4 Millionen Euro liegen. "Es stehen aber noch Rechnungen aus."

Nur ein Gebäude erhalten

Immerhin sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen: Der Innenhof und der Gehweg vor dem neuen Rathaus sind gepflastert, demnächst soll es mit der Bepflanzung weitergehen. Am Haus 10 stehen noch letzte Putzarbeiten an: Das Fachwerk-Gebäude ist das einzige historische Gebäude in dem Ensemble. Im Laufe der Planungen hatte sich herausgestellt, dass die Gebäude mit den Hausnummern 12 und 14 nicht erhalten werden können. Zur Straße hin präsentiert sich das Rathaus jedoch in der ursprünglichen Gliederung. Vom Innenhof her erhält der Besucher dagegen einen völlig anderen Eindruck: Dort präsentiert sich der neue VG-Sitz durch die großen Fensterfronten am Treppenhaus und am Sitzungssaal als imposante Einheit.

Die VG-Mitarbeiter werden auch deutlich mehr Platz haben: Das Rathaus hat insgesamt rund 1200 Quadratmeter Nutzfläche, laut Bergel werden rund 800 Quadratmeter an die VG vermietet. Die genauen Konditionen würden aktuell ausgehandelt. Das bisherige VG-Gebäude umfasse nur rund 600 Quadratmeter, schätzt Bergel.

Auch wenn der neue Euerdorfer Bürgermeister die Baustelle erst gegen Ende übernommen hat, hat er noch Akzente gesetzt: Ursprünglich war nur ein großes Zimmer für die Euerdorfer Bürgermeisterin neben dem Sekretariat geplant. Schließlich war Patricia Schießer auch gleichzeitig VG-Vorsitzende. Seit Mai steht jedoch der Sulzthaler Bürgermeister August Weingart (CSU) an der Spitze der VG. Er erhält nun ein eigenes Zimmer unmittelbar neben dem Sekretariat und dem Büro von Geschäftsleiter Michael Unsleber.

Der Raum sei bisher als Sozialraum geplant gewesen, Bergel legte aber fest, dass die Beschäftigten stattdessen einen deutlich größeren Raum im zweiten Obergeschoss für Pausen und Besprechungen bekommen. Die Küchenzeile dort ist bereits eingebaut. "Das ist eine deutliche Verbesserung für die Angestellten", sagt Bergel.

Von einer offiziellen Einweihung des neuen Rathauses will Bergel wegen der Corona-Pandemie vermutlich absehen. "Mir hatte vorgeschwebt, dass wir die ganze Bevölkerung zu einem Neujahrsempfang einladen. Daraus wird nichts", bedauert der Bürgermeister. Offen sei wegen der Corona-Beschränkungen derzeit auch, wie die beiden ebenerdigen Veranstaltungsräume genutzt werden. Im Erdgeschoss befinden sich neben Sitzungssaal, Empfang und Einwohnermeldeamt keine Büros der VG, sondern Flächen, die die Gemeinde Euerdorf den örtlichen Vereinen und Bürgern zur Verfügung stellt. Anfragen nimmt die VG entgegen.

Rund um den Rathaus-Neubau

Wettbewerb Im Mai 2015 gewinnt das Architekturbüro Lieb und Lieb aus Freudenstadt den Architekturwettbewerb zum Umbau der Gebäude Hammelburger Straße 10, 12 und 14 zum künftigen Verwaltungssitz.

Vorentwurf Im Januar 2016 segnet der Gemeinderat den Vorentwurf ab. Die Kostenschätzung lautet damals noch 2,6 Millionen Euro, die Bauzeit ist auf zwei Jahre geschätzt.

Gestaltung Im Mai 2017 fällt der Beschluss, dass wesentliche Teile neu gebaut werden, weil ein Neubau für 3,8 Millionen Euro günstiger als eine Sanierung sei. Details wie Fassadengestaltung und Innenhof-Begrünung legt der Gemeinderat im September 2017 fest.

Abbruch Im Oktober 2017 beginnt der Abbruch. Dabei stellt sich schnell heraus, dass mehr abgerissen und entsorgt werden muss, als ursprünglich geplant war. Zudem sind archäologische Untersuchungen des Untergrunds notwendig. Beides führt zu Verzögerungen und ersten Kosten-Steigerungen. Der Abbruch zieht sich deshalb bis in den Sommer 2018 hinein. Die Hammelburger Straße wird zum Aufstellen eines Krans halbseitig gesperrt.

Neubau Im Herbst 2018 beginnt der Neubau: Teile des Kellers von Haus Nummer 14 werden erhalten, im Bereich des Hauses 12 wird der Neubau komplett neu gegründet. Im Hinterhof schließt sich im Erdgeschoss ein Sitzungssaal an.